Schlagwort-Archive: Verhaftung

Nelson Mandela: Accused #1

Britische Doku sorgte für Aufregung: „Die CIA ist für die Verhaftung von Nelson Mandela verantwortlich“

(2010sdafrika-Redaktion)

In der britischen Dokumentation „Nelson Mandela: Accused #1“ wird der Rivonia-Prozess – in dessen Folge mehrere namhafte ANC-Größen wie Nelson Mandela, Walter Sisulu und Govan Mbeki zu langen Haftstrafen verurteilt wurden – mit teilweise neuen Erkenntnissen beleuchtet. Demnach sind die CIA und ihre Verbündeten für die Verhaftung von Nelson Mandela verantwortlich. Mit der Weitergabe von Informationen an den südafrikanischen Geheimdienst ist die Festnahme erst möglich geworden. Gestützt wird diese These auf eine Aussage von Gerard Ludi, ehemaliger Geheimdienstagent des Apartheidsregime. Das Publikum zeigte sich bei der Deutschlandpremiere dieser Doku entsetzt.

© Am 29. September 2013 sorgte ein O-Ton bei der Deutschlandpremiere der britischen Doku "Nelson Mandela: Accused #1" im Kino in den Hackeschen Höfen für Aufregung. Gerard Ludi, ehemaliger Geheimdienstagent des Apartheidsregime, beschuldigte die CIA und ihre Verbündeten, die Verhaftung Nelson Mandelas mit der Weiterleitung von Informationen erst möglich gemacht zu haben. Die Doku ist im deutschsprachigen Raum bislang nicht erhältlich.

© Am 29. September 2013 sorgte ein O-Ton bei der Deutschlandpremiere der britischen Doku „Nelson Mandela: Accused #1“ im Kino in den Hackeschen Höfen für Aufregung. Gerard Ludi, ehemaliger Geheimdienstagent des Apartheidsregime, beschuldigte die CIA und ihre Verbündeten, die Verhaftung Nelson Mandelas mit der Weiterleitung von Informationen erst möglich gemacht zu haben. Die Doku ist im deutschsprachigen Raum bislang nicht erhältlich. (Quelle: Wikimedia)

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Polizeigewalt im Township Daveyton

Tod eines Mosambikaners ruft Empörung hervor. Ermittlungen der Polizeiaufsicht laufen an

(2010sdafrika-Redaktion)

Die Polizei am Kap steht erneut in der öffentlichen Kritik. Seit wenigen Stunden kursiert ein Video im Internet und in den Medien, das die Verhaftung eines 27-jährigen Mannes im Township Daveyton bei Johannesburg durch Polizeibeamte zeigt.

 © Die SAPS-Flagge: Südafrikas Polizei wird erneut von einem Skandal heimgesucht. Mehrere Beamte sollen für den Tod eines Mosambikaners im Township Daveyton bei Johannesburg verantwortlich sein. Ein Video belastet die Beamten. Erste Ermittlungen wurden bereits aufgenommen.

© Die SAPS-Flagge: Südafrikas Polizei wird erneut von einem Skandal heimgesucht. Mehrere Beamte sollen für den Tod eines Mosambikaners im Township Daveyton bei Johannesburg verantwortlich sein. Ein Video belastet die Beamten. Erste Ermittlungen wurden bereits aufgenommen.

Auf der Videoaufnahme ist folgendes zu sehen: Der Festgenommene wird an der Rückseite eines Polizeifahrzeugs mit Handschellen fixiert. Während Passanten mit Bestürzung auf die brutale Maßnahme der Polizisten reagieren, fährt plötzlich der Streifenwagen los. Der Mosambikaner, der als Taxifahrer arbeitete, stirbt wenig später in einer Polizeizelle an schweren Kopfverletzungen und inneren Blutungen.

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Geheimdienste in Südafrika

Präsident Zuma baut Machtnetzwerk aus. Jeder deckt jeden, zu Lasten der Demokratie und Bürgerrechte

 (Autor: Ghassan Abid)

Zusammenarbeiten, um eine sichere Nation in einer gesicherten Welt zu schaffen“ – so lautet das ins Deutsch übersetzte Credo des zivilen In- und Auslandsgeheimdienstes Südafrikas, der State Security Agency (SSA). Allerdings mangelt es der SSA an staatlicher Kontrolle und unparteiischer Aufgabenerfüllung. Journalisten, Oppositonspolitiker und einige ANC-Mitglieder fürchten um die junge Demokratie am Kap. Mitte 2012 sind gegen die M&G-Investigativjournalisten Nicholas Dawes, Sam Sole und Stefaans Brummer  strafrechtliche Vorermittlungen wegen Diebstahl und der Offenlegung vertraulicher Informationen aufgenommen worden. Ihnen drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.

© Geheimdienstminister Siyabonga Cwele (links im Bild) und Präsident Jacob Zuma (rechts im Bild) gelten als enge Vertraute, die sich aufeinander verlassen können. Die Presidency und das Ministerium für Staatssicherheit stehen in enger Abstimmung miteinander. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

© Geheimdienstminister Siyabonga Cwele (links im Bild) und Präsident Jacob Zuma (rechts im Bild) gelten als enge Vertraute, die sich aufeinander verlassen können. Die Presidency und das Ministerium für Staatssicherheit stehen in enger Abstimmung miteinander. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

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Exklusiv: Respekt vor Südafrikas Rassisten

Claus Nordbruch, seine Freundschaft zum Ex-Elitesoldaten Ratte und zu deutschen Diplomaten

(2010sdafrika-Redaktion)

Infolge des Artikels „NSU-Fluchtversuch nach Südafrika“ vom 13. September 2012 erhielt „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ mehrere Zuschriften zum deutschen Rechtsextremismus am Kap. Namenslisten, Dokumente und Bildmaterial teils mit brisantem Material, welche Verbindungen bis in die aktuelle Bundesregierung erkennen lassen, sind eingegangen. Die Aufarbeitung und Verifizierung dessen wird seine Zeit in Anspruch nehmen. Vereinzelt wird ein Informationsaustausch mit mehreren überregionalen deutschen Medien gepflegt, ohne dabei den Quellenschutz zu gefährden.

    © Willem Ratte, deutschstämmiger Ex-Elitesoldat mit Einsätzen gegen schwarze Widerstandsbewegungen in Namibia, Angola, Simbabwe und Südafrika. Unter seiner Co-Führung mit Colonel Deon Ferreira leitete er die militärische Spezialeinheit "32 Battalion" der südafrikanischen Armee SADF. 1991 trat er infolge der Demokratisierung als Kommandant zurück und agiert seither mit paramilitärischen und bildungspolitischen Aktionsformen vom Untergrund aus gegen die aktuelle Regierung. Zum rechtsextremen Publizisten Dr. Claus Nordbruch unterhält Willem Ratte "freundschaftliche Beziehungen".

© Willem Ratte, deutschstämmiger Ex-Elitesoldat mit Einsätzen gegen schwarze Widerstandsbewegungen in Namibia, Angola, Simbabwe und Südafrika. Unter seiner Co-Führung mit Colonel Deon Ferreira leitete er die militärische Spezialeinheit „32 Battalion“ der südafrikanischen Armee SADF. 1991 trat er infolge der Demokratisierung als Kommandant zurück und agiert seither mit paramilitärischen und bildungspolitischen Aktionsformen vom Untergrund aus gegen die aktuelle Regierung. Zum rechtsextremen Publizisten Dr. Claus Nordbruch unterhält Willem Ratte „freundschaftliche Beziehungen“.

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„Dorf des Todes“ atmet auf

Festnahme des Frauenmörders: Angeklagt wegen Vergewaltigung und Mordes an 19 Frauen.

(Autor: Ghassan Abid)

In der Nacht zum vergangenen Samstag schlief Nophumzile Lubambo ganz fest in ihrem heimischen Bett im Dorf Toleni im Eastern Cape. In dieser Zeit brach Bulelani Mabhayi in ihr Haus ein und zerstückelte die 55-jährige Frau in mehrere Einzelteile. Kurze Zeit darauf gelang es der südafrikanischen Polizei SAPS am Morgen des Sonntags den 39-jährigen Tatverdächtigen festzunehmen. Die Beweise seien erdrückend, heißt es.

© Die südafrikanische Polizei SAPS hat den seit 2008 gesuchten Frauenmörder von Toleni bei Butterworth endlich gefasst. Die Beweise sollen erdrückend sein. Der Tatverdächtige ist unterdessen der Justiz übergeben worden. Ihm wird die Vergewaltigung und der Mord an 19 Frauen vorgeworfen. (Quelle: flickr/ ER24 EMS (Pty) Ltd.)

© Die südafrikanische Polizei SAPS hat den seit 2008 gesuchten Frauenmörder von Toleni bei Butterworth endlich gefasst. Die Beweise sollen erdrückend sein. Der Tatverdächtige ist unterdessen der Justiz übergeben worden. Ihm wird die Vergewaltigung und der Mord an 19 Frauen vorgeworfen. (Quelle: flickr/ ER24 EMS (Pty) Ltd.)

Mabhayi wird beschuldigt, für die Mord- und Vergewaltigungsserie in Toleni bei der Stadt Butterworth mit seinen rund 37.000 Einwohnern verantwortlich zu sein. Lubambo war nun sein 19. Opfer.

Seit 2008 begann das Schreckensszenario an den Frauen. Stets verfolgte der Serienmörder dasselbe Prinzip: Hauseinbruch, Vergewaltigung und im Anschluss ein bestialischer Mord. Alle Frauen sollen aus derselben Gegend stammen. Nicht wenige Bewohner zogen in Anbetracht dieses auf Angst basierenden Klimas die Abwanderung aus Toleni vor. Im Eastern Cape wird dieses Dorf umgangssprachlich auch als „village of death”, als Dorf des Todes, bezeichnet.

Laut Angaben der südafrikanischen Zeitung „Daily Dispatch“ versammelten sich nach Kenntnisnahme der Verhaftung sämtliche Bewohner am Anwesen des Tatverdächtigen, um dieses mit Benzin zu übergießen und in Brand zu setzen. Als nichts mehr stand, ist die Menschenmasse weitergezogen.

Die Bewohner vertrauten dem Mann; dem netten Nachbarn von nebenan. Mabhayi wurde sogar der Zutritt in die Häuser der Einwohner gewährt. Nichts deutete auf das Verhalten eines Serienmörders hin. Umso größer ist die Überraschung und der Zorn jener, die sich nun ausgenutzt fühlen. Die Polizei verurteilte die Tat der Gemeindebewohner als Selbstjustiz, zumal es bislang zu keiner Verurteilung gekommen ist und auch in Südafrika die Unschuldsvermutung Bestand hat.

Toleni steht weiterhin im Schock, da bisweilen nicht bekannt ist, ob Bulelani Mabhayi alleine oder mit anderen gehandelt hat. Für den 23. August 2012 ist der nächste Gerichtstermin angesetzt.

Artenschutz in Südafrika adé?

Nashörnern droht trotz Washingtoner Artenschutzübereinkommen das baldige Aussterben

(Autor: Ghassan Abid)

Die Meldung ist wie eine Bombe eingeschlagen. Der illegale Handel mit Rhinozeroshorn soll nach dem Willen einzelner südafrikanischer Regierungsmitglieder legalisiert werden, um ihm auf diesem Weg den Nährboden zu entziehen. Seit 2008 verzeichnen mehrere Umwelt- und Naturschutzorganisationen einen drastischen Anstieg der Wilderei am Kap. Sollen 2008 noch 11 Nashörner getötet worden sein, so waren es 2011 rund 450 Tiere der sogenannten Unpaarhufer. Brit Reichelt-Zolho, Referentin für das Südliche und Östliche Afrika beim World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland, beziffert gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die Anzahl getöteter Nashörner allein für dieses Jahr mit bereits 272 Fällen [ein Hintergrundgespräch mit der WWF-Expertin wird in Kürze auf diesem Online-Medium exklusiv veröffentlicht]

© Während im Jahr 2008 lediglich 11 Nashörner von Wilderern getötet wurden, fielen 2011 bereits 450 Tiere dem illegalen Hornhandel zum Opfer. Allein in diesem Jahr starben bereits 272 Rhinozeroshorne. Ein etwa 5-8 Kilogramm schweres Horn bringt auf dem Schwarzmarkt rund 350.000 Euro ein. (Quelle: Vassil/ Wikimedia)

© Während im Jahr 2008 lediglich 11 Nashörner von Wilderern getötet wurden, fielen 2011 bereits 450 Tiere dem illegalen Hornhandel zum Opfer. Allein in diesem Jahr starben bereits 272 Rhinozeroshorne. Ein etwa 5-8 Kilogramm schweres Horn bringt auf dem Schwarzmarkt rund 350.000 Euro ein. (Quelle: Vassil/ Wikimedia)

In Asien, allen voran in China, sind die Hörner sehr gefragt. Ihnen wird eine umfassende Heil- und Potenzkraft zugesprochen. Es wird geschätzt, dass ein einzelnes Horn mit einem Gewicht von fünf bis acht Kilogramm auf dem Schwarzmarkt rund 350.000 Euro einbringen würde. Der WWF geht für das Kilogramm Horn in Vietnam von einem stolzen Marktpreis von 25.000 bis 60.000 US-Dollar aus. Das schnelle Geld ist für viele in ärmliche Verhältnisse lebende Südafrikaner einfach zu verlockend, um das Risiko einer Verhaftung zu scheuen. Für andere ist es womöglich die einzige vorstellbare und realisierbare Option, um der Armut letztendlich zu entkommen.

Südafrika ist von der Wilderei am stärksten betroffen, da rund 83 Prozent aller 25.000 Nashörner des afrikanischen Kontinents in diesem Land beheimatet sind. Nashörner brauchen viel Fläche. Eine Kontrolle dieser Säugetiere erweist sich als äußerst kostenintensiv und schlichtweg schwierig. Auch der populäre und bei deutschen Touristen beliebte Krüger-Nationalpark ist mit der Überwachung seiner Nashornpopulation überfordert. 147 Rhinozerosse sollen bereits in diesem Naturpark insgesamt getötet worden sein.

Rangers und Polizei sind aufmerksamer geworden und konnten allein in diesem Jahr bereits 161 Wilderer verhaften. Dennoch floriert der illegale Handel mit dem kostbaren Horn weiterhin. Tierschutzexperten am Kap gehen davon aus, dass die Wilderer technisch und personell betrachtet sehr gut aufgestellt sind – Nachtsichtgeräte, Armbrüste und Funkgeräte dienen als Werkzeuge. Vereinzelt ist gar von Hubschraubereinsätzen zu hören – doch dies gilt nicht als erwiesen.

Schon 1973 ist mit dem „Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES)“, besser bekannt als „Washingtoner Artenschutzübereinkommen„, auch der Grundstein für den Schutz von Nashörnern gelegt worden. 5.000 Tier- und 28.000 Pflanzenarten sind in den drei Anhängen des CITES untergebracht und somit geschützt. Dennoch zeigt die aktuelle Entwicklung in Südafrika, obwohl auch China dem Übereinkommen beigetreten ist, dass der Schutzcharakter dieses internationalen Übereinkommens an seine Grenzen stößt.

Dokumentation zur illegalen Nashornjagd von CITES und UN

Während auch in Simbabwe die Jagd nach Nashörnern betrieben wird, befürchten die Umweltbehörden in Namibia ähnliche Vorfälle im eigenen Land. Besitzer von Ländereien mit Nashörnern haben sich unterdessen in der „WRSA Private Rhino Owners Association (PROA)“ zusammengeschlossen, um für eine Legalisierung mit dem Hornhandel zu werben. Auf diesem Wege könne das Horn vom Tier – ähnlich wie der Nagel beim Menschen – legal entfernt werden und im Anschluss auf dem Markt angeboten werden. Durch den Wegfall des illegalen Charakters des Hornhandels würden den Wilderern somit wirksam begegnet werden können, heißt es von Vertretern der PROA. Doch damit eine Legalisierung des Horns überhaupt möglich ist, müsste das CITES mit einer Zweidrittelmehrheit dem zustimmen. Allerdings erweist sich dieses Vorhaben bei den aktuell 175 CITES-Mitgliedsstaaten als wenig vorstellbar.

Veranstaltungsbericht zu „Thierse trifft … EXTRA“

Makhenkesi A. Stofile, Botschafter von Südafrika, in der Retrospektive: Mit 10 Jahren beim ANC aktiv.

(Autor: Ghassan Abid)

Am 23. Mai 2012 lud die Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin den Botschafter Südafrikas in Deutschland im Rahmen der Veranstaltungsreihe Solidaritäten über Grenzen: 100 Jahre ANC“ zum Interview-GesprächThierse trifft … EXTRAein. In chronologischer Reihenfolge sind die verschiedenen Lebensabschnitte des Botschafters zu Zeiten der Apartheid, der Demokratisierung von 1994 bis hin zur Post-WM-Ära beleuchtet worden. Makhenkesi A. Stofile hatte hierbei stets den Afrikanischen Nationalkongress, welcher im Januar dieses Jahres seinen hundertsten Geburtstag zelebrierte und somit die älteste Bewegung des gesamten afrikanischen Kontinents darstellt, in den Blick genommen. Moderiert wurde die deutsch-südafrikanische Begegnung von Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und SPD-Politiker.

© Makhenkesi A. Stofile, Botschafter von Südafrika in Deutschland, im Gespräch mit Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und SPD-Politiker. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA - Land der Kontraste)

© Makhenkesi A. Stofile, Botschafter von Südafrika in Deutschland, im Gespräch mit Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und SPD-Politiker. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

Aufgewachsen auf einer Farm, mit dem Segen von Gott und der Leidenschaft für Sport
Stofile wuchs auf einer kleinen südafrikanischen Farm in der Provinz KwaZulu-Natal auf. Seine Familie brachte ihm schon früh die christliche Religion nahe. Er spricht isiXhosa, eine Sprache mit Klicklauten, welche von heute rund 6,7 Millionen Südafrikanern gesprochen wird und die zweitgrößte Sprachgruppe ausmacht. Genauso ist er ein großer Fan und Mannschaftssportarten und praktizierte Fußball, Cricket, Rugby und gar Tennis. Er erinnert sich an die Schwierigkeiten beim Schulbesuch – keine Stühle in den Klassenräumen, lange Wege zu den Schulen und äußerst enge Räume. Das beim Sport notwendige Durchhaltevermögen hat er unter anderem den schwierigen Umständen während der Schulzeit zu verdanken. „Wir konnten sogar die Decken anfassen“, führte Stofile an. Nach dem Bestehen des Abiturs ging er gleich arbeiten. In einer Weberei in Port Elizabeth erwirtschaftete er bei einer belgischen Familie ein wenig Geld, welches er für ein angefangenes Medizinstudium an der Universität Fort Hare am Ostkap dringend brauchte. Fort Hare, eine in Südafrika äußerst bekannte Einrichtung, auf welche viele südafrikanische Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur gingen. Zudem begab er sich regelmäßig auf Sponsorensuche, um die Kosten der Hochschulausbildung abdecken zu können.

Hochschulen nach Ethnien untergliedert
Der heutige Botschafter erinnert sich noch gut an die ungerechten Zustände von damals, als die Hochschulen für Schwarze weitgehend verschlossen blieben. Allerdings gab es einige wenige „liberale Universitäten“, die auf Basis von Quoten einigen schwarzen oder farbigen Studenten eine Ausbildung gewährten. Die renommierte Witwatersrand-Universität (Wits) in Johannesburg, an welcher Nelson Mandela sein Jurastudium aufnahm, war einer dieser Einrichtungen. Genauso gab es Hochschulen, die ausschließlich den Schwarzen oder anderen Ethnien vorbestimmt waren. Die Universität Fort Hare, welche Stofile zum Medizinstudium besuchte, war bis in die 1960er Jahre die „einzige und erste Hochschule für Schwarze. Dann folgten landesweit weitere solcher Institutionen“.
Schließlich entschied sich Stofile dann zur Aufnahme eines weiteren Studiengangs im Bereich der Theologie, nachdem er sein Geschichtsstudium aufgrund von Lerninhaltskonflikten mit einem Universitätsprofessor abbrechen musste. Er bedauert nach wie vor diesen Schritt.

© Im jungen Alter von 10 Jahren engagierte sich Makhenkesi A. Stofile beim Afrikanischen Nationalkongress gegen die Apartheid. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA - Land der Kontraste)© Im jungen Alter von 10 Jahren engagierte sich Makhenkesi A. Stofile beim Afrikanischen Nationalkongress gegen die Apartheid. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA - Land der Kontraste)

© Im jungen Alter von 10 Jahren engagierte sich Makhenkesi A. Stofile beim Afrikanischen Nationalkongress gegen die Apartheid. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

Alle Eltern waren Aktivisten des ANC
Als Antwort auf die Frage von Thierse, wann Stofile zum Afrikanischen Nationalkongress beitrat, erwiderte er: „Alle Eltern waren Aktivisten … das war normal“. Dementsprechend fand er bereits 1954 seine erste politische Betätigung im ANC. Im Alter von 10 Jahren wohlgemerkt! Die Widerstandsbewegung wandte sich zum damaligen Zeitpunkt den Familien zu, welche mit der Verhaftung von Familienmitgliedern konfrontiert waren. Auf diese Weise konnte der ANC stetig seine Gefolgschaft vergrößern. Doch erst als Student begab sich der heutige Botschafter in den sogenannten Untergrund. Er traf mehrere Persönlichkeiten, etwa Thabo Mbeki – der zweite Präsident des demokratischen Südafrikas – oder die „Mutter der Nation“ Winnie Madikizela-Mandela –damalige Ehefrau von Nelson Mandela.

Verhaftung und Anklage wegen Terrorismus und Verrat
So wie unzählige ANC-Aktivisten war auch Stofile von Verhaftungen durch die Polizei nicht verschont geblieben.“Ich weiß nicht, wie oft ich verhaftet wurde“, beklagte der Botschafter das Leben in der Apartheid. Ausgangssperren für Schwarze dienten oft als diesbezügliche Rechtfertigung. „Die Polizei hat uns vor der Weberei aufgelauert. Nach 10 Uhr galt nämlich eine Ausgangssperre. Da einige Arbeiter doch einige Minuten später die Weberei verließen und auf den Bus warteten, wurden wir verhaftet“, so der ANC-Aktivist. Schließlich ist er eines Tages von der Staatsanwaltschaft angeklagt worden. Ihm wurden Terrorismus und Verrat vorgeworfen. „Mir hat man eine Verschwörung vorgeworfen“, sagte Stofile mit lauter Stimme. Das Gericht verurteilte ihn dann zu einer Haftstrafe von 12 ½ Jahren, wovon er 4 Jahre abgesessen hatte.

Die Deutschen waren sehr gute Freunde der Apartheid
Stofile hielt fest, dass die Bundesrepublik sehr gute Beziehungen zum Apartheidsregime pflegte. Sogar der „Vater der Apartheid“, Hendrik Frensch Verwoerd, stattete Deutschland einen Besuch ab. Während die DDR, die Sowjetunion und die Staaten Osteuropas den ANC umfassend beim Widerstand unterstützten, waren die Westdeutschen weniger für die Probleme der schwarzen Mehrheitsbevölkerung sensibilisiert. „Wir sind [im Westen] als Agenten des Kommunismus betitelt worden… In [Ost]Deutschland hatten wir hingegen viele Freunde und 1975 hielt ich mich in Berlin auf“. Der Botschafter untermauerte die damaligen Bestrebungen des ANC, dass die Westdeutschen auf Produkte aus dem Apartheids-Südafrika verzichten sollten, da die Wirtschaft das Rückgrat des Regimes darstellte. „Es war schwer, hier gehört zu werden“, erinnert er sich. Umso entschlossener setzte der ANC seinen Widerstand fort. Sämtliche Entscheidungen der Bewegung sind durch Nelson Mandela abgesegnet gewesen, der auch aus dem Gefängnis heraus einen enormen Einfluss auf die Bewegung – ob im In- oder im Ausland – entfaltete.

Der Apartheids-Geheimdienstchef als Parlamentskollege
Als Nelson Mandela 1990 vom Apartheidsregime und der ihr vorstehenden National Party (NP) aus der Haftanstalt entlassen wurde, schickte der erste schwarze Präsident Südafrikas zwei Männer zu Stofile, die ihn für eine Tätigkeit im Parlament gewannen: „Sie haben mir 2 Jahre angeboten. Dann sagten sie mir, dass ich länger bleiben kann.“. Als besonderen Umstand empfand der gewählte Parlamentarier die Zusammenarbeit mit Abgeordneten, die während der Apartheid hohe Ämter inne hatten und am Unrechtssystem beteiligt waren. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Geheimdienstchef, der bis 1999 Mitglied der Nationalversammlung war und heute als Geschäftsmann tätig ist, sorge bei ihm bisweilen für besondere Eindrücke.

Vom  Ministerpräsidentenamt des Ostkaps ins Sportministerium
Nachdem Raymond Mhlaba mit dem Amt des Ministerpräsidenten am Ostkap – bedingt durch die 35 jährige Haftzeit auf Robben Islands – überfordert war, wurde Makhenkesi A. Stofile zum neuen Regierungschef der Provinz ernannt. Gleichzeitig ist er auch nach erfolgter Abstimmung mit Mandela in die ANC-Spitze gewählt worden. Da Stofile ein großer Sportfan ist und auch selber regelmäßig sportlich aktiv war, erhielt er kurz vor der WM 2010 das Angebot, der nächste Sportminister Südafrikas zu werden. „Nach der WM war ich so erschöpft“, untermauert er die  immense Arbeit der Südafrikaner im Hinblick auf die Durchführung der ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika. Mit lächelndem Blick in Richtung Thierse unterstrich der Botschafter seine Freude über den Sieg gegen Frankreich: „Wir haben das erste Tor der WM überhaupt geschossen und dazu Frankreich besiegt!“.

© Botschafter Stofile erinnert sich an die großen Anstrengungen im Hinblick auf die Vorbereitung der ersten Fußball-WM in Afrika.  „Nach der WM war ich so erschöpft“, sagte er. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA - Land der Kontraste)

© Botschafter Stofile erinnert sich an die großen Anstrengungen im Hinblick auf die Vorbereitung der ersten Fußball-WM in Afrika. „Nach der WM war ich so erschöpft“, sagte er. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

Der Islam gehört ganz klar zu Südafrika
Nach dem sportlichen Großspektakel ist Stofile ein Botschaftsposten in Finnland angeboten wurden, welches er gerne angenommen hätte. Doch die Entscheidung ist von den zuständigen Personen revidiert worden und Berlin wurde ihm nun vorgeschlagen. Seit 2011 ist er nun der höchste Repräsentant Südafrikas in Deutschland. Thierse fragte nach den Unterschieden von Südafrikanern und Deutschen. Der Botschafter machte deutlich, dass in Südafrika die Einwanderung ein großes Thema darstelle, während hierzulande über die Einwanderung UND Religion debattiert werde. „Der Islam gehört ganz klar zu Südafrika.“ Stofile spielt die kontrovers geführte Auseinandersetzung im Hinblick auf den Umgang mit Muslimen und dem Islam in Deutschland an.

© Südafrikas höchster Repräsentant in Deutschland sprach die deutsche Islamdebatte an. Mit ein wenig Verwunderung erläuterte Botschafter Stofile den Standpunkt seines Landes, dass der Umgang mit dem Islam und den Muslimen am Kap völlig normal ist und keineswegs kontroverse Debatten auslöst. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

© Südafrikas höchster Repräsentant in Deutschland sprach die deutsche Islamdebatte an. Mit ein wenig Verwunderung erläuterte Botschafter Stofile den Standpunkt seines Landes, dass der Umgang mit dem Islam und den Muslimen am Kap völlig normal ist und keineswegs kontroverse Debatten auslöst. (Quelle: Ranem/ SÜDAFRIKA – Land der Kontraste)

Ich wünsche mir …
Botschafter Stofile hielt zum Ende der Veranstaltung fest, dass er sich einen Ausbau des Zugangs der Bevölkerung zu Wasser und Strom wünsche. Vor allem die „rural areas“, die ländlichen Gegenden Südafrikas, weisen weiterhin große Entwicklungsdefizite auf – gesteht er ein. „Alles außerhalb von Kapstadt braucht weitere Unterstützung. Südafrika ist ein armes Land.“ Aus diesem Grund verfolgt der Botschafter das Bestreben, dass die südafrikanischen Minister für ländliche Entwicklung nach Deutschland kommen. Außerdem bewertet Stofile den Landwirtschaftssektor, welcher im Vergleich zu anderen Sektoren wie den Minen an ökonomischer Bedeutung abgenommen hat, als wichtig. Die Landwirtschaft trägt zur Wohlstandsentwicklung der Nation bei. Diese schaffe viele Arbeitsplätze und produziere Nahrungsmittel, lautet seine Begründung. „Beides brauchen wir“, so Stofile. Ferner muss das Land noch große Anstrengungen im Bildungsbereich und beim Klima- bzw. Umweltschutz unternehmen. Die gegenwärtigen Machtkämpfe innerhalb des ANC bewertet das langjährige Parteimitglied als „sehr, sehr, sehr traurig“.