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Mandela im Kampf gegen die Apartheid

Mit Gewalt die Gewalt bekämpfen. Der Widerstand und seine Folgen

(Autorin: Nadja Krupke)

– MANDELA-Spezial –

Nelson Mandelas jahrelanger Kampf gegen das autoritär-rassistische Regime der Apartheid war sein Leben. Sein Glaube an eine andere, an eine bessere Zukunft für Südafrika, resultierte in einer 27-jährigen Inhaftierung auf der Gefängnisinsel Robben Island vor der Küste Kapstadts. Trotzdem verlor Nelson Rolihlahla Mandela nie den Mut und die Hoffnung, dass Südafrika eines Tages ein Land der Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Medien- und Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und des Zusammenlebens unterschiedlicher Ethnien werden würde. Nicht nur er fand durch seine Vision Halt, sondern durch sie verlieh er seinen Anhängern und Befürwortern die nötige Kraft, unter den menschenunwürdigen Bedingungen der Apartheid zu leben.

© Nelson Mandela widmete sein Leben dem Kampf gegen das autoritär-rassistische Regime der Apartheid. Der Freiheitskämpfer verbüßte für seinen Widerstand ganze 27 Jahre im Gefängnis. (Quelle: flickr/ decafinata)

© Nelson Mandela widmete sein Leben dem Kampf gegen das autoritär-rassistische Regime der Apartheid. Der Freiheitskämpfer verbüßte für seinen Widerstand ganze 27 Jahre im Gefängnis. (Quelle: flickr/ decafinata)

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Kreatives Unternehmertum aus Limpopo

Jungunternehmer Ludwick Marishane macht aus der Not eine Tugend: Waschen ohne Wasserhahn

(Autor: Ghassan Abid)

Ludwick Marishane erinnert sich noch gut an seine Jugend, als er noch in der nördlichsten Provinz Südafrikas lebte. Als Siebzehnjähriger fragte er sich bereits, dass bedingt durch die extreme Hitze und den eingeschränkten Wasserzugang in Limpopo ein Waschen doch möglich sein müsse.

© Der aus der Provinz Limpopo stammende Ludwick Marishane hat DryBath mit Unterstützung der Universität Kapstadt entwickelt. Es ist für Menschen gedacht, die keinen Wasserzugang haben, sich aber dennoch waschen möchten. Die deutsche Airline Lufthansa testet bereits die Lotion. Eine Zulassung des Produkts mit der geheimen Formel steht bisweilen aus.

© Der aus der Provinz Limpopo stammende Ludwick Marishane hat DryBath mit Unterstützung der Universität Kapstadt entwickelt. Es ist für Menschen gedacht, die keinen Wasserzugang haben, sich aber dennoch waschen möchten. Die deutsche Airline Lufthansa testet bereits die Lotion. Eine Zulassung des Produkts mit der geheimen Formel steht bisweilen aus.

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Scientology als „Psychosekte“

Im Interview mit Wilfried Handl, Scientology-Kritiker und Blogger: Der Austritt war richtig

(Autor: Ghassan Abid)

© Wilfried Handl ist einer der populärsten Scientology-Aussteiger im deutschsprachigen Raum. Der Österreicher engagiert sich, unter anderem als Betreiber von “Blog gegen Scientology“, gegen die US-Sekte. Scientology versucht derzeit ihren ehemaligen Österreich-Leiter mit Rechtsstreitigkeiten mundtot zu machen. Sein Austritt aus dieser Organisation ist mit der Trennung von seiner Familie verbunden.

© Wilfried Handl ist einer der populärsten Scientology-Aussteiger im deutschsprachigen Raum. Der Österreicher engagiert sich, unter anderem als Betreiber von “Blog gegen Scientology“, gegen die US-Sekte. Scientology versucht derzeit ihren ehemaligen Österreich-Leiter mit Rechtsstreitigkeiten mundtot zu machen. Sein Austritt aus dieser Organisation ist mit der Trennung von seiner Familie verbunden.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ ganz herzlich Herrn Wilfried Handl, ehemaliger Leiter von Scientology Österreich und einer der bekanntesten Aussteiger im deutschsprachigen Raum. Über Freunde kamen Sie zur Organisation. Vor wenigen Jahren verließen Sie diese, verbunden mit der Konsequenz, dass der Kontakt zu Ihrer Ex-Frau und Ihren drei Söhnen komplett abgebrochen ist. War der Austritt im Nachhinein richtig?

Antwort: Ja, da bin ich mir mittlerweile ganz sicher. Ich stand vor einem Scheideweg und war mir über die Konsequenzen durchaus bewusst. Aber manchmal im Leben muss man Entscheidungen treffen, die weh tun, aber in der Sache richtig sind. Und was ich 2002 nur erahnen konnte, weiß ich mittlerweile: Ein Verbleib in der Psychosekte Scientology hätte mich noch viel mehr gekostet, nämlich das vollständige Absterben jeder Menschlichkeit.

Im Übrigen bin ich Optimist. Man verliert nur Scheckkarten oder Schlüssel. Irgendwann könnte es sein, dass meine Söhne wieder vor mir stehen!

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„Millionen von Menschen leiden Not“

Im Interview mit Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags

(Autor: Ghassan Abid)

© Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags (Quelle:  Bildarchiv Bayerischer Landtag)

© Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags (Quelle: Bildarchiv Bayerischer Landtag)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags. Vor wenigen Wochen kamen Sie mit dem Präsidium des Landtags von einem Arbeitsbesuch aus Südafrika zurück. Welchen Eindruck konnten Sie von Land und Leute sammeln?

Antwort: Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Bayern zurückgeflogen. Auf der einen Seite hat unsere Delegation ein Land erlebt, das vom Klima verwöhnt und reich ist an Bodenschätzen. Da diese nur ausgebeutet, aber nicht im Land veredelt werden, profitieren die Menschen davon nicht. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist riesig. Millionen von Menschen leiden Not. Mich treibt die Frage um, wie die Verantwortlichen in Südafrika die vielen Aufgaben bewältigen wollen, an der Spitze die Arbeitslosigkeit, vor allem die Jugendarbeitslosigkeit. Wir haben auf unserer Reise viel von der gefährlichen Mischung aus Perspektivlosigkeit, Drogen und Kriminalität erfahren.

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Südafrikas Staatsrundfunk in der Krise

SABC zwischen Regierungsabhängigkeit und Machtkonflikten

 (Autor: Ghassan Abid)

Building a Common Future“ lautet die Vision der staatlichen Rundfunkgruppe Südafrikas. Der „South African Broadcasting Corporation (SABC)“ unterstehen gegenwärtig die drei Fernsehsender SABC 1, SABC 2 sowie SABC 3 und 18 Radiostationen. Zwei weitere TV-Stationen sind zurzeit in Planung – SABC 4 und SABC 5. Rund 55,7 Millionen Zuschauer und Zuhörer greifen jede Woche auf den öffentlichen Rundfunk zurück, heißt es auf der rundfunkeigenen Homepage. Allerdings befindet sich die SABC seit längerer Zeit in einer ernsten Krise.

© Im Johannesburger Vorort Auckland Park sitzt das Staatsfernsehen SABC. Der öffentliche Rundfunk ist bemüht, einen Ein-Milliarden Rand Kredit abzubezahlen. Doch gefährden Machtkämpfe im SABC-Management, die ANC-Einflussnahme in die Berichterstattung und fehlende Transparenz bezüglich der eigenen Rundfunkfinanzen diesen harten Sparkurs. (Quelle: flickr/ lemoncat1)

© Im Johannesburger Vorort Auckland Park sitzt das Staatsfernsehen SABC. Der öffentliche Rundfunk ist bemüht, einen Ein-Milliarden-Rand-Kredit (rund 83 Millionen Euro) abzubezahlen. Doch gefährden Machtkämpfe im SABC-Management, die ANC-Einflussnahme in die Berichterstattung und fehlende Transparenz bezüglich der eigenen Rundfunkfinanzen diesen harten Sparkurs. (Quelle: flickr/ lemoncat1)

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Recyclingkunst aus Südafrika

Township House“ – ein Projekt zur Unterstützung von Künstlern aus den Townships

(Ein Gastbeitrag von Heide Bernecker, Initiatorin von Township House)

Township-Kunst ist bei uns weitgehend unbekannt. Die Erfahrung zeigt auch, dass viele Menschen gar nicht wissen, was Townships sind. Aber, auch das haben wir gelernt, dass Kunstgegenstände aus Südafrika begeistern können.

© Recycelte Township-Kunst, die begeistert und unterstützt

© Tischlampe von Künstlern aus den Townships

Wer die Townships in Südafrika mal besucht hat, weiß unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben. Von hier kommen unsere Künstler. Sie leben in einfachen Unterkünften und versuchen, ihre Kunst zu verkaufen, um mit den Einnahmen ihre Familien zu ernähren. Mal besser, mal schlechter. Abnehmer zu finden ist nicht einfach. Verkaufsversuche an Straßenampeln scheitern meist an ungehaltenen hupenden Autofahrern und an der Polizei.

Ich habe bei meinem Aufenthalt in Kapstadt einige dieser Künstler kennengelernt. Einfache und ehrliche Menschen, die aus einfachen Gegenständen einzigartige Kunstgegenstände herstellen.

Erst später in Deutschland ist die Vision gereift, einen Onlineshop zu eröffnen und das Township-Kunsthandwerk auf ausgewählten Märkten bekannt zu machen und zu vertreiben. Im Vordergrund steht für mich aber, die Künstler mit meinen Verkäufen zu unterstützen und ihnen zu einem Einkommen zu verhelfen. Fairtrade ist dabei selbstverständlich.

Was macht dieses Kunsthandwerk so einzigartig und faszinierend?

Ein einfaches Holzbrett, Farbe, Nägel, Draht und Blechdosen. Einfache Materialien, aus denen die Künstler lebendige 3D-Recycling-Bilder fertigen. Für mich ist das besondere an den Township-Paintings, dass die Künstler in ihren Bildern das Leben der Menschen in den Vorstädten – in den verschiedensten Zusammensetzungen von Farbe und Material – thematisieren und nach außen tragen. Der Kunststil geht von farbenfrohen und lebendigen bis hin zu traurig und schlicht wirkenden Bildern. Jeder Künstler hat seine eigene Art, seine Gefühle und Gedanken in die Bilder zu interpretieren. Das macht diese Bilder so einzigartig. Wahre Kunstwerke zu reellen Preisen, die sich jeder leisten kann.

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Was man aus recycelten Material noch so alles herstellen kann, ist schon beeindruckend. Tierfiguren aus Plastiktüten. Flugzeuge, Autos, Tischlampen oder afrikanische Schweine aus Blech/Getränkedosen. Zeitungsständer, Stifteköcher oder Untersetzer aus Kronkorken. Die Liste ist unendlich und jedes Teil ist für sich ein Unikat.

Tauchen Sie ein in die Welt der Township-Recyclingkunst; in die Welt der faszinierenden 3D-Bilder aus einfachen Materialien und stöbern Sie in der Erinnerung an Ihren letzten Aufenthalt in Südafrika.

Auf www.township-house.de finden Sie viele tolle außergewöhnliche Produkte, Geschenkideen und Wohnaccessoires die es in keinem herkömmlichen Ladengeschäft zu kaufen gibt. Verschenken Sie Township-Kunst oder verschönern Sie Ihr eigenes Zuhause. Was nicht jeder hat oder kennt, erzielt in Ihrem eigenen Umfeld mit Sicherheit große Aufmerksamkeit.

Kunsthandwerk, das begeistert & hilft; und dass den Künstlern in den Townships eine Chance auf ein besseres Leben und Einkommen ermöglicht.

Helen Zille – Visionärin am Kap

„20 Prozent aller DA-Wähler sind Schwarze“ – Interview-Termin bei Helen Zille

Ein Gastbeitrag von Silke Sandkötter, Journalistin und Bloggerin

Die Sessel und Sofas des Empfangszimmers im Regierungssitz an der Wale Street 7 in Kapstadt sind ziemlich plüschig. „Wo denn wohl die Premierministerin sitzt?“, lautet die Frage vor dem Gespräch. Die Empfangsdame zeigt auf den großen Ohrensessel an der Kopfseite des Tisches. Rund zehn Minuten später betritt Premierministerin Helen Zille den Raum. In der Hand eine Dose Cola light und unter dem Arm eine hellblaue Besprechungsmappe. Sie kommt alleine zum Interview. Ohne Pressesprecher. Ohne Mitarbeiterstab.

Noch erstaunlicher ist, dass sie prompt am großen Ohrensessel vorbei steuert und auf dem kleinen Sofa Platz nimmt. Da sitzt sie nun in ihrer hellblauen Rüschenbluse, blickt mit freundlichen und aufmerksamen Augen auf ihren Gesprächspartner. Ein überraschender und schneller Auftritt. Davon hat sie viele, die 60-jährige Powerfrau vom Kap. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu sagte laut Medienberichten einst über sie: „Sie ist eine bemerkenswerte Lady. Und sie ist gut für unser Land. Der rassistische Jugendführer des Afrikanischen Nationalkongresses (ANCYL), Julius Malema, nennt sie hingegen ein „rassistisches kleines Mädchen“. Konträrer könnten die Meinungen gar nicht sein.

© Helen Zille, vom Journalismus in die Politik (Quelle: Silke Sandkötter)

Weltbürgermeisterin 2008

Helen Zille provoziert. Sie, die Weltbürgermeisterin des Jahres 2008, die Vorsitzende der größten Oppositionspartei Südafrikas, der Demokratischen Allianz, ist zur größten Gegnerin für Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma geworden. 2009 schaffte sie das bis zu dem Zeitpunkt schier Unmögliche. Sie nahm dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) in der Provinz Westerkap die Mehrheit ab und wurde zur Premierministerin gewählt. Dort setzt sie zielstrebig und unermüdlich den Kampf gegen Korruption, gegen Rassismus und Armut fort.

Die Tochter deutscher Emigranten, die aus Nazi-Deutschland flohen, geht dabei mitunter sehr unkonventionelle Wege. Zille ruft ihre Wähler auch schon einmal über die Sozialen Netzwerke zu Flashmobs auf. „Ist doch klar, dass ich diese Netzwerke nutze“, erzählt Helen Zille an diesem Freitagmorgen im Regierungssitz. „Ich habe immerhin 83.000 Follower bei Twitter und über 210.000 Freunde bei Facebook.“ Näher und schneller kommt man nach Auffassung der deutschstämmigen Politikerin kaum an seine Wähler ran.

Eigener Twitteraccount

Wir nutzen Twitter, Facebook, SMS, E-Mail und verfügen über ein unglaubliches Netzwerk, das wir einsetzen können und mit dem wir sehr viele Menschen erreichen.“ Bereits früh um 6.30 Uhr hat die Politikerin an diesem Morgen die ersten Tweets gesendet, hat Anfragen ihrer Wähler und Nicht-Wähler beantwortet. Ob sie den verifizierten Twitter-Account tatsächlich selber bedient? „Selbstverständlich!“, ist ihre kurze Antwort.

Vor ihrer politischen Karriere hat Helen Zille als Journalistin für „The Rand Daily Mail“ gearbeitet. Dort deckte sie durch intensive Recherche die Wahrheit und die Hintergründe über den Tod des Bürgerrechtlers Steve Biko auf. Eine Geschichte, die ihr viel Respekt und Glaubwürdigkeit eingebracht hat.

Überhaupt hat ihr dieser Beruf als Journalistin viele Voraussetzungen beschert für ihre politische Karriere. „Ich kann umfangreiche Dokumente schnell erfassen und auf den Punkt bringen und ich kann zudem auch Druck gut ertragen“, weiß sie.
Und nicht zuletzt hat sie das schnelle Tippen dadurch gelernt. Eine Sache, die ihr bei Twitter sehr hilft. Dort gibt es mit 140 Zeichen den ganzen Tag Informationen zur Politik, zu aktuellen Themen und zur Person Helen Zilles. Oft mit viel Humor oder mit einem bissigen Kommentar.

© Logo der DA

Blick nach Europa

Helen Zille, deren Mutter gebürtig aus Essen kommt, verfolgt deutsche und europäische Politik sehr intensiv. Insbesondere die Euro-Krise beschäftigt sie. „Diese Krise hat viele Auswirkungen auf unser Land und die wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas. Wenn der Euro scheitert, dann bekommt unser Wirtschaftssystem einen Knockout“, ist sie überzeugt.

Viele Hoffnungen für ein Südafrika ohne Korruption und Rassismus ruhen auf den Schultern der Oppositionspartei. „Das wird mir immer wieder bestätigt, sogar von Wählern des ANC“, schmunzelt Helen Zille, die übrigens neben Englisch, Afrikaans und Deutsch auch noch Xhosa spricht.

Die Demokratische Allianz ist ihrer Meinung nach auf einem sehr guten Weg. Kontinuierlich hat die Partei bei jeder Wahl seit 1994 an Stimmen zugelegt. Dafür kämpft Helen Zille täglich. Bei der letzten Kommunalwahl hat die DA immerhin 24 Prozent geholt und damit jede vierte Stimmen gewonnen. Längst wird die Oppositionspartei nicht mehr nur von Weißen gewählt. „20 Prozent aller DA-Wähler sind Schwarze“, weiß Helen Zille. Zugleich ist sie überzeugt, dass sie noch einen längeren Weg vor sich hat.

Optimistische Zukunft

Warum, dafür hat sie eine Erklärung: „Die DA hat etwas gemacht, was bislang noch nie eine Partei auf der ganzen Welt gemacht hat. Und das ist, dass man ein Mehrheitsvotum für eine liberale Philosophie in einem tief geteilten, ethisch geteilten und historisch konflikt-geteilten Land bekommen will. Das hat noch nirgends eine Partei geschafft.“ Die Erfolge in Regionen, die sie bislang nie gewinnen konnten, lassen sie dabei optimistisch in die Zukunft blicken.

Helen Zille glaubt an eine gute Zukunft ihres Landes: „Südafrika zeigt jedes Mal, dass das Land die Zeichen der Zeit erkannt hat, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Wir sind eine Nation, die alle Probleme diskutiert. In Südafrika sagen wir immer, dass Dinge nie so schlimm, oder so gut sind, wie sie zuerst erscheinen. Die Menschen nehmen sich der Themen an, debattieren sie, machen sie sichtbar und sind hartnäckig dabei, sie zu lösen.

Ob sie jemals Präsidentin von Südafrika werden möchte? Eine Frage, die der Premierministerin häufig gestellt wird und die sie doch so gar nicht mag. Aber auch darauf hat Helen Zille eine Antwort: „Das Amt des Präsidenten ist es nicht, was mich und meine Arbeit motiviert. Was mich vielmehr motiviert, ist, dass dieses brillante, wundervolle, vielfältige und herrliche Land Erfolg hat. Der einzige Weg, wie wir das erreichen können, ist, dass wir ein System bekommen, das Rechte schützt, Möglichkeiten nutzt und es Menschen ermöglicht, ein Leben zu führen, das es wert ist. Das ist mein Ziel, seitdem ich als Teenager politisch aktiv bin, und das wird hoffentlich auch in Zukunft mein Ziel sein.

„You ANC nothing yet“

Eine Aufgabe, für die sie eine enorme Energie benötigt. Die sie aber zweifelsohne hat. Schon als Kind brauchte sie nach Aussage ihrer Mutter kaum Schlaf. Und das hat sich bis heute fortgesetzt. „Außerdem liebe ich meinen Beruf und ich brauche den Druck“, erzählt Helen Zille. Dann überlegt sie kurz, um im nächsten Satz festzustellen, dass sie sogar manchmal davon überzeugt ist „süchtig nach Druck zu sein“.

Und dann ist das Interview vorbei und Helen Zille greift als erstes wieder zu ihrem Blackberry und twittert. „ANC, ANC, ANC…“, lautet die Nachricht, die ihr ein Nutzer via Twitter geschickt hat. Grinsend kontert die Premierministerin „You ANC nothing yet, mate!“, was aus dem Song „You Ain‘t Seen Nothing yet“ stammt und soviel bedeutet wie „Du hast ja keine Ahnung, Kumpel“. Sprichts, schickt den Tweet ab und erhebt sich aus dem plüschigen Sofa. Und wieder geht ein Punkt an sie.

Silke Sandkötter im Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/12/29/nach-der-wm-euphorie-droht-die-presseregulierung/