Schlagwort-Archive: Vuvuzela

Goodbye Bafana Bafana?

Südafrika empfängt WM 2014-Gastgeber Brasilien im FNB-Stadion in Soweto

(Autor: Johannes Woywodt)

Ein gut gefülltes Stadion, das bienensummenartige Dröhnen der Vuvuzelas, ein international hochkarätiger Gegner und am Ende vielleicht ein Überraschungserfolg. Morgen Abend wird mit aller Wahrscheinlichkeit Gordon Igesunds letzter großer Auftritt als Nationaltrainer der südafrikanischen Fußballnationalmannschaft sein. Um 19.00 Uhr Ortszeit wird die südafrikanische Elf den fünffachen Fußballweltmeister und diesjährigen WM-Gastgeber Brasilien zu einem Freundschaftsspiel im FNB-Stadion in Soweto empfangen.

    © Im morgigen Freundschaftsspiel tritt Südafrika gegen die Auswahl Brasiliens an. Von einem Sieg Bafana Bafanas geht im Grunde genommen keiner aus. Vielmehr schaut die Fußballwelt auf die Spieler des WM 2014-Gastgebers, allen voran auf den Stürmer Neymar [Bildmitte] vom spanischen Profiklub FC Barcelona. (Quelle: flickr/ JOSHUAbrk)

© Im morgigen Freundschaftsspiel tritt Südafrika gegen die Auswahl Brasiliens an. Von einem Sieg Bafana Bafanas geht im Grunde genommen keiner aus. Vielmehr schaut die Fußballwelt auf die Spieler des WM 2014-Gastgebers, allen voran auf den Stürmer Neymar [Bildmitte] vom spanischen Profiklub FC Barcelona. (Quelle: flickr/ JOSHUAbrk)

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Spielergebnis: Südafrika vs. Kap Verde

Schwaches Spiel von Bafana Bafana: Passungenauigkeit und unzureichende Ballkontrolle

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

– Afrika-Cup 2013-Spezial –

Unter strömenden Regen trat um 16.45 Uhr MEZ Gastgeber Bafana Bafana in der ersten Spielbegegnung des Afrika Cups 2013 gegen Kap Verde an. Die unhörbaren Vuvuzela-Geräusche erinnern an die Stimmung der Weltmeisterschaft 2010. Dementsprechend war der Druck auf die Südafrikaner riesig, das erste Spiel gegen den westafrikanischen Außenseiter zu gewinnen. Als Schiedsrichter pfiff der Algerier Jamel Haimoudi an.

© Südafrikas Mittelfeldspieler Siphiwe Tshabalala vom Johannesburger Erstligisten Kaizer Chiefs war bemüht, dem Eröffnungspiel des Afrika Cups 2013 gegen den Inselstaat Kap Verde Struktur zu geben. Doch verbauten die unzähligen Passfehler und die unzureichende Ballkontrolle mehrerer Spieler von Bafana Bafana die Chance zum Sieg. Es blieb bei einem schwachen Spiel mit einem Ergebnis von 0:0. (Quelle: flickr/ coulsontom)

© Südafrikas Mittelfeldspieler Siphiwe Tshabalala vom Johannesburger Erstligisten Kaizer Chiefs war bemüht, dem Eröffnungspiel des Afrika Cups 2013 gegen den Inselstaat Kap Verde Struktur zu geben. Doch verbauten die unzähligen Passfehler und die unzureichende Ballkontrolle mehrerer Spieler von Bafana Bafana die Chance zum Sieg. Es blieb bei einem schwachen Spiel mit einem Ergebnis von 0:0. (Quelle: flickr/ coulsontom)

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424-Tagesbilanz zur Fußball-WM in Südafrika

Inwieweit konnte Südafrika von der WM 2010 profitieren?

(Autorin: Anne Schroeter)

Im letzen Jahr war die Aufregung groß – die erste Fußballweltmeisterschaft, die in Afrika stattfinden würde. War Südafrika bereit dieses Großevent auszutragen? Würde es nicht viel zu gefährlich sein? Ist die Organisation zuverlässig genug?

Vor der WM zeichnete sich Südafrika vor allem durch Negativschlagzeilen aus: Xenophobische Übergriffe auf Immigranten, hohe AIDS- und Kriminalitätsrate und Armut sind wohl die ersten Begriffe, die viele mit Südafrika assoziierten. All diese Fragen ließen sich relativ schnell während und noch kurz nach der WM beantworten. Shuttle-Busse von zentralen Plätzen, die zum Stadion fuhren, große neugebaute Stadien und Flughäfen, tolle Atmosphäre – wenn auch für einige zu „afrikanisch“, durch den Lärm der Vuvuzelas, Fans aus aller Welt die gemeinsam feierten. Viele Bilder erinnerten an die WM 2006 in Deutschland.

424 Tage nach der WM lässt sich nun auch eine klare Bilanz über die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften ziehen. Vor dem Beginn der WM wurde über hohe Kosten geklagt, für den Bau von neuen Stadien, Investitionen in die Infrastruktur und die Errichtung des neuen Gau-Trains geflossen sind.

Kurz nach der WM sagte Jacob Zuma, Präsident Südafrikas, dass die WM einen „Anfang einer besseren Zukunft für Südafrika und für ganz Afrika“ darstelle. Aber, inwieweit stimmt das? Für die WM wurden Stadien neu- und umgebaut, unter anderem das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, oft als das schönste Stadion der WM bezeichnet, das Greenpoint-Stadium in Kapstadt und Soccer City Stadium in Johannesburg. Dort werden nun andere Sportwettkämpfe ausgetragen und Konzerte (zum Beispiel Coldplay und Kings of Leon) gespielt. Während das Soccer City Stadium Profit erwirtschaftet und viele große Veranstaltungen austrägt, schreiben sowohl das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, als auch das Green-Point-Stadium in Kapstadt keine schwarzen Zahlen und gehen somit zu Lasten der Steuerzahler.

© Moses-Mabhida-Stadium in Durban (Quelle: Rodger Bosch/ MediaClubSouthAfrica.com)

Als große Infrastrukturmaßnahmen, sind vor allem der Bau von Gau-Train und eines neuen Flughafen in Durban genannt worden. Insgesamt flossen rund 30 Mrd. Rand in die beiden obengenannten Großprojekte, den Umbau des Flughafens von Johannesburg und die Erneuerung des Straßennetzes. Die prekären Verhältnisse in den Townships dagegen, wurden kaum angegangen, und erfuhren lediglich Nebenbeachtung.

Hinzu kamen Investitionen in Stadionneu- und -umbau sowie in die Sicherheit. Insgesamt wurden ca. 43 Mrd. Rand investiert, jedoch nur 13 Mrd. Rand Einnahmen verzeichnet, es entstand also ein Defizit von ca. 30 Mrd. Rand. Trotzdem hatte die WM auch eine positive Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum, das um 0,5% gestiegen ist. Dieses geringe Wachstum lässt sich jedoch direkt mit der WM in Zusammenhang bringen und zeugt nicht unbedingt von einer verbesserten wirtschaftlichen Lage, sowohl für die Bevölkerung als auch für Investoren. Zumindest die 500.000 Arbeitsplätze, die in der Baubranche entstanden waren, konnten für einige Zeit, vielen Familien das Leben erleichtern. Die meisten dieser Stellen waren Bauarbeiterstellen, die oft an Beschäftigte aus einkommensschwachen Familien vergeben werden. Hinzu kommt, dass in Südafrika weit mehr Personen von einem Gehalt ernährt werden, als es in Europa üblich ist.

Inwiefern der Neubau von Gau-Train und Flughäfen für die Bevölkerung Südafrikas von Nutzen ist, lässt sich relativ einfach sagen: Der überwiegende Großteil der Südafrikaner wird in naher Zukunft nicht in die Bedrullie kommen, zum Flughafen fahren zu müssen, und dafür den Gau-Train zu nutzen, um dann an einem super-modernen Flughafen abzufliegen.

© Der einfache Bürger profitiert kaum von einer WM (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

Südafrika ist ein fußballbegeistertes Volk, insbesondere unter den Schwarzen ist es der beliebteste Sport. Klar, dass viele Südafrikaner versuchen wollten, während der WM ein kleines wirtschaftliches Wunder zu erleben und liebevoll selbstgemachte Fußball-Souvenirs verkaufen wollten. Dies wurde ihnen schnell untersagt. Lediglich offizielle FIFA-Fan-Artikel durften in und in der Nähe der Stadien verkauft werden, sodass Händler gezwungen waren an weniger geeigneten Orten ihr Handwerk zu verkaufen. Dies sorgte für Abneigung gegenüber der FIFA, und der Ansicht, dass sie die höchsten Gewinne einnehmen würde.

Als nachhaltigen Gewinn der WM, ist das youthzones-Projekt zu nennen. Davon gibt es 13 verteilt in ganz Südafrika, und jeweils eins in Mozambik und Zimbabwe. Diese Youth Zones haben das Ziel durch Fußball spielenden Kindern und Jugendlichen eine bessere Zukunft zu ermöglichen, insbesondere durch die Vermittlung von Computerkenntnissen und sogenannten Life-Skills, wie zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein, Konfliktschlichtung, Teamwork, Gesundheit und ähnlichem. Dadurch sollen die Kinder Selbstvertrauen und ein positives Selbstwertgefühl entwickeln, dass es ihnen später ermöglicht ein erfolgreiches, und vor allem kriminell-freies, Leben zu leben.

Ähnliche Projekte, wie das der Youth Zones, wurden auch zu anderen Themengebieten initiiert, wie zum Beispiel Bildung, Umweltbewusstsein sowie –erhaltung und andere. Diese werden teilweise von der FIFA oder dem südafrikanischen Organisationskomitee in Kooperation mit anderen NGOs durchgeführt.

Kurz nach Ende der WM in Südafrika, wurde die Entstehung eines Fonds angekündigt. Dieser nennt sich Legacy Trust Fond und verfügt über insgesamt 100 Millionen Dollar, von denen bereits 20 Millionen Dollar vor Beginn der WM in den Bau einer neuen Geschäftsstelle für den Südafrikanischen Fußballverband (SAFA) flossen. Die verbleibenden 80 Millionen Dollar sollen nun zur weiteren positiven Entwicklung genutzt werden. Verwaltet wird der Fonds vom Beratungsunternehmen ´Ernst and Young´, geleitet von Vertretern von FIFA, SAFA, der südafrikanischen Regierung und privaten Investoren. Sie entscheiden, welche gemeinnützigen Projekte Zuschüsse für die Durchführung von sozialen Projekten erhalten.

Die WM in Südafrika hat die Einstellung vieler Touristen gegenüber dem Land verändert. Die niedrige Anzahl von Gewaltvorkommen, über die sich vorher so gesorgt wurde, brachte dem Land großes Vertrauen und Respekt ein. Viele Besucher der WM würden gerne wieder nach Südafrika fliegen (96%) oder ihren Freunden Südafrika als Reiseland empfehlen (94%). Dieser Reputationsgewinn kann sich noch lange auf Südafrikas Tourismus auswirken, eine der Haupteinnahmequellen des Landes, und somit langfristig einen positiven Effekt auf die volkswirtschaftliche Situation des Landes haben.

Außer einem Überfall auf Journalisten zu Beginn der WM, beschränkten sich die Vorfälle, die direkt mit dem Turnier in Verbindung zu bringen waren auf Diebstähle und ähnliche Delikte. An den 25 Spieltagen der WM, besuchten insgesamt 3.082.514 Besucher die Stadien. 704 Vorfälle wurden der Polizei gemeldet, die sich in einem 1,5 Kilometerradius um die Stadien herum zugetragen hatten. Das bedeutet, dass nur 0,02% der Besucher von Kriminalität betroffen waren. In den Stadien wurden im gleichen Zeitraum 290 Vorfälle gemeldet, so dass nur 0,009% der Besucher im Stadion kriminelle Erfahrungen machen mussten. Auch die Zahlen der Fan-Feste-Besucher liegen ähnlich tief, wie die der Stadionbesucher (0,13% im 1,5 Kilometerradius; 0,005% im Fan-Fest).

Somit hat sich auch der Ausspruch des südafrikanischen Polizeichefs, Jackie Selebi, vor der WM bestätigt, dass die WM problemlos kommen und gehen werde. Außerdem hatte Südafrika schon vor der WM viele große Sportereignisse ausgerichtet, so zum Beispiel Cricket -und Rugby-Weltmeisterschaften, oder Spiele der indischen Cricket-Liga, die aus Sicherheitsgründen nach Südafrika verlegt worden waren. Durch den zusätzlichen Einsatz von 44.000 neu ausgebildeten Polizisten und der Schaffung spezieller WM-Gerichte konnten Straftaten verhindert, beziehungsweise schnell aufgeklärt und Täter zeitnah verurteilt werden.

Gerade die positiven Kriminalstatistiken der WM beweisen, dass Touristen in Südafrika nicht mehr gefährdet sind, als an anderen Urlaubszielen. Mit den richtigen Verhaltensregeln und guter Vorbereitung, lässt es sich dort wunderbar urlauben, ohne sich selber in Gefahr zu bringen

Doch so drastisch, wie sich unser Empfinden gegenüber Südafrika verändert hat, so stark haben sich auch die Hoffnungen der Südafrikaner an die WM gewendet. Während der Vorbereitungen für das Turnier, hatte die Mehrheit der Südafrikaner angegeben, dass die WM vor allem die wirtschaftliche Lage verbessern und Arbeitsplätze schaffen würde. Am Ende des Turniers, sah dies anders aus. Die meisten der Befragten waren der Meinung, dass die FIFA der größte Profiteur der WM sei, gefolgt von „den Reichen“ und Unternehmen. Mit der Frage nach Nationalgefühl und dem Zusammenwachsen der Bürger, stellte es sich anders herum dar. Vor Beginn der WM dachten lediglich 2-4%, dass sich die WM positiv auf das gemeinsame Nationalgefühl auswirken könnte, nach der WM ist durch alle ethnischen, sozialen und wirtschaftlichen Schichten hindurch, die Meinung vertreten worden, dass die WM einen positiven Effekt hatte, mehr noch als auf das wirtschaftliche Vorankommen des Landes.

Schon während der WM, und auch kurz danach noch, wurde eine mögliche Olympiabewerbung Südafrikas diskutiert. Diese wurden nun doch erst mal wieder auf Glatteis gelegt. Offiziell lautet die Erklärung, dass man sich zunächst auf die Versorgung aller mit Wasser und Strom und die einhergehende Armutsbekämpfung konzentrieren wolle. Hätte die Fußball-WM den erhofften wirtschaftlichen Effekt gehabt, dann würde man gerne wieder ein sportliches Großereignis ausrichten, um somit die Probleme im Lande schneller angehen zu können.

So, wird der Wunsch nach einem weiteren Riesenevent, den viele Südafrikaner, den besonders die wirtschaftlich und sozial schwächer angesiedelten Bürger hegen, zunächst ein Traum bleiben. Aber zwischen der Arbeit für eine bessere Zukunft des Landes, ist es erlaubt zu Träumen, um seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Dieser Artikel basiert auf die Präsentationsprüfung zum Abitur (Mai 2011) von Konstantin Schroeter.

2010sdafrika-Artikel zum FIFA-Südafrika-Verhältnis:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel zu WM-Ausgaben:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel zum Bilbao-Effekt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/„bilbao-effekt“-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

Buchautorin Barbara Brühwiler im Interview

Johannesburg ist „unser neues Zuhause“

(Autor: Ghassan Abid)

© Buchautorin Barbara Brühwiler

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen bei „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die Schweizer Buchautorin Barbara Brühwiler. Frau Brühwiler, sie lebten in der Schweiz und wanderten schließlich 2006 aus beruflichen Gründen mit Ihrem Mann nach Johannesburg aus. Welchen Eindruck hatten Sie von Südafrika und speziell zu Johannesburg vor der Ausreise?

Antwort: Vor unserer Auswanderung kannten mein Mann und ich Südafrika von Reisen und von Besuchen bei Freunden. Deshalb hatten wir auch schon einen Eindruck davon, wie es sich in diesem Land lebt. Johannesburg aber, unser heutiges Zuhause, kannten wir überhaupt nicht. Wir sind zwar jeweils über den dortigen Flughafen eingereist, haben dann aber gleich einen Mietwagen geholt und sind schnurstracks zu unserer Wunschdestination gefahren, zum Beispiel Sun City oder zum Krüger Park. Johannesburg hatte eigentlich keine Attraktion, die wir unbedingt besuchen wollten, und schien uns auch sehr gefährlich – nach all’ den Geschichten, die man so hörte…

2010sdafrika-Redaktion: Inwieweit konnte sich dieser Eindruck während Ihres Aufenthaltes in Johannesburg verändern?

Antwort: Nachdem Johannesburg seit einigen Jahren mein Zuhause ist, kenne ich es natürlich besser. Die Stadt bietet dem Einwohner extrem viel, finde ich. Wir wohnen wunderschön im Grünen, aber auch sehr ländlich, mein Mann sieht auf seinem Arbeitsweg regelmässig Zebras, Gnus und Giraffen (durch den Zaun vom Lion Park, einem Wildreservat – aber das Klischee ist doch schön, nicht?), und Konzerte von Weltstars wie Elton John, Céline Dion, aber auch Theateraufführungen sind nur 15-20 Autominuten von uns entfernt. Dazu kommt der südafrikanische Lebensstil, beim dem man viel im Freien ist, mit viel Sport und Essen und Kochen auf der Terrasse und immer wieder einmal einem Sprung in den Pool. Johannesburg rühmt sich, eins der besten Klimas auf der Welt zu haben, und da ist wohl was dran. Durchschnittlich scheint hier die Sonne mehr als 8 Stunden pro Tag, und während 8 Monaten im Jahr können wir mit kurzen Ärmeln durch den Tag gehen.

Als Touristendestination finde ich Johannesburg aber immer noch nicht erstklassig. Obwohl ich die Stadt liebe, finde ich, dass es in Südafrika lohnendere Ziele gibt für ausländische Besucher. Vor der Kriminalität in Johannesburg habe ich immer noch Respekt, denn Freunde von mir haben schon bewaffnete Einbrüche, Überfälle im Auto und ähnliches erlebt. Ich selber und meine Familie, wir waren nie in irgendeiner Art bedroht. Wir schützen uns, indem wir in einem gesicherten Dorf wohnen (man nennt das hier „Estate“, ich habe es in meinem Buch ausführlicher beschrieben), das Auto von innen verschliessen, Handtaschen nicht sichtbar im Auto mitführen, und ähnliche Massnahmen befolgen. Die meisten Südafrikaner sind sehr nett, aber man weiss halt nie, welches die schwarzen Schafe sind.

2010sdafrika-Redaktion: Die Fußball-WM 2010 ist nun einige Monate her. Wie bewerten Sie abschließend das größte interkulturelle Spektakel im Hinblick auf die Verständigung von weißhäutigen und dunkelhäutigen Südafrikanern? Konnte mit der WM dem Nation-Building Rechnung getragen werden und falls ja, wie lange wird dieser Effekt Ihrer Meinung nach anhalten?

Antwort: Für das Land die Gastgeberrolle bei der Fussball-WM ein grossartiges „Projekt“, das vom grössten Teil der Bevölkerung unterstützt und getragen wurde. Das fühlten die ausländischen Gäste auch, von denen ich nur begeisterte Stimmen hörte.
Im Kleinen, das heisst zwischen den einzelnen Menschen, ist es etwas anders. Vor und während der Fussball-WM fieberten die Südafrikaner im allgemeinen mit. Menschen aller Farben trugen das südafrikanische National-Trikot, schwenkten Fahnen und bliesen die Vuvuzela. Man lächelte sich zu oder wechselte auch einmal einen Satz, aber einen tieferen Kontakt ermöglichte diese besondere Situation meiner Erfahrung nicht. Die Trennung der verschiedenen Rassen ist weiterhin deutlich sichtbar, scheint mir. Sehe ich in einer Mall zum Beispiel Freundinnen beim Bummeln oder im Café, so sind sie fast immer derselben Hautfarbe.

© Cover des Buches ´Boerewors und Chardonnay – Ein Jahr in Südafrika´

2010sdafrika-Redaktion: 2009 veröffentlichten Sie das Buch „Boerewors und Chardonnay – Ein Jahr in Südafrika“, eine interessante Lektüre, die das Auswandern nach Südafrika thematisiert. Als Protagonisten im Buch beschreiben Sie das Paar Sandra und Lukas, die mit ihren beiden Kindern Tim und Max das Lebensglück in Johannesburg suchen. Warum wählten Sie Johannesburg, einer Stadt mit mehr Ermordeten als Verkehrstoten, und nicht das populäre Kapstadt, Durban oder Pretoria?

Antwort: Johannesburg ist ein faszinierender Ort zum Wohnen, es ist viel “afrikanischer“ als die anderen von Ihnen genannten Städte. Mit meinem Buch wollte ich auch ein paar Vorurteile abbauen, von wegen man kann sich hier nur im gepanzerten Fahrzeug bewegen und so. Ausserdem wohne ich selber in Johannesburg, da fiel es mir natürlich leicht, die Geschichte dort anzusiedeln.

2010sdafrika-Redaktion: Eine nicht unerhebliche Zahl von weißhäutigen Südafrikanern sucht seit Jahren den Weg ins Ausland und gleichzeitig die Flucht vor der labilen Sicherheitslage im Lande. Auch ist die gegenwärtige Presse- und Meinungsfreiheit mehr als fragil. Halten Sie es für grundsätzlich möglich, dass sich Sandra und Lukas in eventuell 10 Jahren ebenfalls diesem Abwanderungsprozess – dem „brain drain“ – anschließen könnten?

Antwort: Sandra und Lukas sind typische „expatriotes“, die für eine Firma in ein Land geschickt werden und dort eine gewisse Zeit leben. Das Ziel ist nicht, sich dort für immer anzusiedeln. Es wird sich aber zeigen, ob sie eventuell bereit sind, für immer zu bleiben – es gefällt ihnen ja durchaus sehr gut! Während es der südafrikanischen Wirtschaft sehr gut geht, stimmen die Entwicklungen in der regierungsbildenden Partei Südafrikas, dem ANC, ein bisschen nachdenklich. Viele Leute hier versuchen, einen zweiten Pass zu bekommen, damit sie das Land im Notfall verlassen können. Aber viele kommen auch zurück, weil es für sie doch das schönste Land der Welt ist. Und viele Ausländer leisten sich in Südafrika ein (Zweit-)Haus, weil das Land so wunderschön ist und der Lebensstil so viel Spass macht.

2010sdafrika-Redaktion: Welche persönlichen Träume möchten Sie gerne noch verwirklichen? Planen Sie ein weiteres Buch?

Antwort: Ich habe einen Vertrag für ein weiteres Buch; doch im Moment arbeite ich an ein paar anderen Projekten. Ich möchte sicher noch gerne mehr in Afrika reisen: Botswana, Namibia und vielleicht Sambia stehen auf meiner Wunschliste für die nächsten Jahre. Safari macht süchtig!

2010sdafrika-Redaktion: Wenn Sie einem Auswanderer das Land Südafrika in drei Schlagwörter beschreiben müssten, welche wären das dann?

Antwort: Tut mir leid, mit der Antwort auf diese Frage tue ich mich schwer. Es fällt mir zu viel ein…

2010sdafrika-Redaktion: Barbara Brühwiler, eine in Südafrika lebende Schweizer Buchautorin, vielen Dank für das Interview!

Gastbeitrag von Barbara Brühwiler für das Südafrika-Portal – „Leben in der “Stadt des Goldes”:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/24/leben-in-der-stadt-des-goldes/

Website von Barbara Brühwiler:

www.ein-jahr-in-suedafrika.com

Percy kickt die Armut

Wie der Fußball in Südafrika Selbstbewusstsein und Ehrgeiz schafft

Ein Gastbeitrag von Sandra Bulling, stellv. Pressesprecherin von CARE Deutschland-Luxemburg e.V.

© Fußball-Turnier im Township (Quelle CARE/ Sandra Bulling)

Slash ist auf dem Bolzplatz ein absoluter Profi. Er rast über den roten Staubplatz, kickt sich nach vorne, schiebt sich an den Gegnern vorbei – und schießt das erste Tor gegen Block H. Seine Mannschaftskollegen jubeln, klopfen ihm auf die Schultern. Slash lässt den Triumph ungerührt über sich ergehen. Er bricht gleich wieder aus dem Pulk aus und bringt sich in Position. Schnell zieht er noch seine geliehenen Fußballschuhe aus. „Zu heiß und zu unbequem“, sagt er. Kurz danach schießt er das zweite Tor. Der Jubel wird größer, die Mädchen am Rande schreien: „Slash, Slash“ und tröten mit ihren Vuvuzelas. Doch Slash lächelt nur kurz und stürmt sofort wieder nach vorne. Ein echter Profi eben.

Nach 40 Minuten Spielzeit ist das Match zu Ende. Trainerin Portia scharrt ihr Team um sich. Slash ist der Star, jetzt endlich bricht ein großes Grinsen aus ihm heraus. Der Jubel legt sich etwas, die nächsten beiden Teams stehen schon zum Spielen bereit. Und langsam verändert sich Slash. Er ist jetzt wieder Percy. Percy Mduduzi Kama, der 13jährige Junge aus Soshanguve, Südafrika. Dessen Mutter vor einem Jahr gestorben ist und dessen Vater auszog, um die Trauer und den Frust mit Alkohol zu betäuben. Der Junge, der sich auf dem Bolzplatz selbstbewusst Slash nennt und kickt und rennt und alles aus sich herausholt, ist nun wieder der schüchterne Schüler Percy.

Traumlos in Soshanguve

In seiner Heimat Soshanguve, dem Township in der Nähe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria leben 2,2 Millionen Menschen. Es ist eine Stadt voller kleiner Hütten und einstöckiger Häuser, die meisten kaum größer als Bungalows. Es gibt keine Straßennamen, die Viertel sind in Blocks eingeteilt. Als ob eine Straße hier keinen eigenen Namen verdiene. Die Townships sind die Spiegelstädte der großen südafrikanischen Metropolen. Hier lebte früher die schwarze Bevölkerung in Elend und Armut, klar abgegrenzt vom weißen Reichtum. Heute, fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid, haben immerhin die meisten Einwohner ein festes Dach über dem Kopf. Die Regierung stellt die kleinen Häuser zur Verfügung, mit einem Vorgarten und finanzieller Unterstützung für diejenigen, die gar kein Einkommen haben. Und das sind die meisten. Denn in Soshanguve gibt es keine Jobs. Es gibt keine Industrie, keine Unternehmen, keine Dienstleistungen. Die Jugendlichen sind frustriert, fast jeder zweite ist hier arbeitslos. Ihren Frust leben sie in Kriminalität und Aggression aus, angespornt durch Drogen und Alkohol. Wer nichts hat, der hat auch nichts zu verlieren.

© Percy Mduduzi Kama (Quelle CARE/ Sandra Bulling)

Percy ist mit dieser Realität aufgewachsen. Seine Mutter hat er an die Krankheit AIDS verloren, die sich in Sohanguve festgesetzt hat und den Kindern ihre Eltern raubt. Percys 26-jähriger Bruder Patrick hat keinen Job, er verdingt sich als Tagelöhner. Und sein Vater, der trinkt. Er hat die Familie verlassen und lässt sich kaum blicken. Nur seine Großmutter ist noch für ihn da; doch die hatte sich ihren Lebensabend anders vorgestellt. Anstatt sich von Percy und Patrick im hohen Alter pflegen zu lassen, muss sie nun Mutter und Vater ersetzen. Von der Regierung erhält Percy kein Geld. „Ich habe keine Geburtsurkunde, bin nicht registriert und erhalte auch keine staatliche Unterstützung“, sagt er, und blickt dabei schüchtern auf den Boden. Doch dann erzählt er vom Fußball. Und auf einmal blitzt Slashs Eifer in seinen Augen durch.

Der pünktliche Star

Als Percy vor einem Jahr am Bolzplatz in Block W vorbei kam, sah er, wie die energische Portia ein Fußballteam trainierte. Erst schaute er vom Rand aus zu, doch dann überwand er sich und fragte, ob er mitspielen dürfe. Portia ließ in sofort ins Team. Denn sie ist eine Trainerin von Kick-It, dem Fußballprojekt von CARE Deutschland-Luxemburg. Kick-It will Jungen wie Percy von der Straße holen, ihnen mit Sport eine Abwechslung vom tristen Alltag und eine Perspektive für eine bessere Zukunft geben. „Sport zeigt Jungs wie Percy, dass sie für ihre Ziele kämpfen müssen“, sagt die 27jährige Portia und schiebt sich lässig die schwarze Kappe aus dem Gesicht. „Fußball schafft Teamgeist, Disziplin, Ehrgeiz. Das brauchen die Kids hier, damit sie nicht an der Realität verzweifeln.“ Portia weiß, wovon sie spricht. Sie trainiert mit ihrem Team dreimal die Woche und bereitet die Kids für die Turniere vor, die an manchen Samstagen stattfinden. „Percy ist enorm engagiert. Er kommt pünktlich zu jedem Training und gibt immer sein Bestes. Nicht nur beim Fußball, sondern auch bei den Kick-It-Spielen“, lobt Portia ihren Spieler, schützend legt sie den Arm um ihn. Die Kick-It-Spiele nutzt Portia, um mit den Kindern und Jugendlichen über AIDS zu diskutieren. Sie zeigt ihnen, wie man sich schützt, dass man AIDS nicht mit bloßem Auge erkennt und dass man Infizierte nicht diskriminieren darf. Percy hat es erkannt: „Wenn ich einen dünnen und einen dicken Mann sehe, dann denke ich automatisch, dass nur der dünne AIDS haben kann. Doch das muss nicht sein. Wir urteilen nur, nach dem was wir sehen. Das ist falsch.

© Percy Mduduzi Kama im Fußball-Fieber (Quelle CARE/ Sandra Bulling)

Die Trainings haben Percy gezeigt, dass ihm das Leben mehr bieten kann als Drogen, Kriminalität und AIDS. Er muss sich anstrengen und herauskämpfen aus der Armut. Zwar kann der Sport alleine keine Arbeitsplätze schaffen und eine sichere Zukunft garantieren. Aber er kann persönliche Leistungen steigern. „Wenn ich erwachsen bin, möchte ich keine schlimmen Dinge tun“, sagt Percy leise. „Ich möchte kein Alkohol trinken oder rauchen. Ich möchte ein guter Mann werden.“ Sein größter Traum ist es, professioneller Fußballstar zu werden, so wie sein Idol Lionel Messi. Auch wenn er dafür barfuss oder in geliehen Schuhen kicken, auch wenn er den Bolzplatz vor jedem Turnier von Müll und Scherben befreien muss – Fußball hat Percys Leben verändert. Er hat ihn zu Slash gebracht, dem selbstbewussten starken Kicker, der Tore schießt und von allen bejubelt wird.

Die 2010sdafrika-Redaktion möchte sich ganz herzlich bei CARE für die Bereitstellung von Text und Fotos bedanken.

Informationen zum „Kick-It Projekt“ von CARE:

http://www.care.de/suedafrika_kickit.html

Südafrika im totalen WM-Fieber

Fußball-Fans dominieren das öffentliche Leben

Heute ist es endlich soweit, wenn das Eröffnungsspiel zwischen Bafana Bafana und Mexiko vor ungefähr 95.000 Zuschauern im Johannesburger Soccer City Stadion  angepfiffen und das Land für vier Wochen vom WM-Rausch angesteckt wird. In neun Städten werden in zehn Stadien die Begegnungen der Fußball-WM 2010 ausgetragen. Die Südafrika-Repräsentanz der 2010sdafrika-Redaktion verfolgt den Verlauf dieses Großspektakels. Anbei einige Impressionen aus Südafrikas Städten, die die WM-Stimmung des Volkes zum Ausdruck bringen.

Überall hört man die Geräusche der Vuvuzelas. Überall sieht man verschiedene Flaggen und Trikots. Überall steigt die Spannung und Freude!

© WM-Stimmung in Kapstadt

© WM-Stimmung in Sandton/ Johannesburg

© WM-Stimmung im Central Business District/ Johannesburg