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In Österreich gibt es keine Kängurus

Peter Koblmiller, österreichischer Publizist in Südafrika, im Interview

(Autor: Ghassan Abid)

© Der in Kapstadt lebende Publizist Peter Koblmiller ist Herausgeber des Magazins „Kapstadt auf gut Deutsch“ und des Online-Mediums Kapstadt.com.

© Der in Kapstadt lebende Publizist Peter Koblmiller ist Herausgeber des Magazins „Kapstadt auf gut Deutsch“ und Betreiber des Online-Mediums Kapstadt.com.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Peter Koblmiller, österreichischer Publizist in Südafrika. Zuerst ein großes Servus an Sie! Wie lange leben Sie schon am Kap und wie kam es dazu, dass Sie sich dort niedergelassen haben?

Antwort: Es ist eine lustige Geschichte: Nach acht Wochen Urlaub hatte ich meinen Rückflug am 20. Februar 1989 um 00.20 Uhr. Ich war an dem Tag – meiner damaligen Ansicht nach – pünktlich zwei Stunden vorher am Flughafen – und hab ganz schön dumm geguckt, als mir gesagt wurde, dass ich zwölf Stunden zu spät sei – ich hätte schon am 19. Februar da sein sollen. Einen neuen Rückflug konnte ich mir nicht mehr leisten – und so habe ich meinen Ex-Chef in München erfolgreich um sechs Monate unbezahlten Urlaub gebeten und in Kapstadt zu arbeiten angefangen. Um es kurz zu machen: Das Wetter und die Stadt waren einfach zu schön, und schließlich hielt diese Liebe mich hier fest.

2010sdafrika-Redaktion: Sie leben in Kapstadt und wollen diese kosmopolitische Stadt wohl nicht mehr verlassen. Können bitte die Unterschiede zwischen Kapstadt und Johannesburg für einen Nicht-Südafrika-Kenner erläutern; wie unterscheiden sich beide Städte und welche Gemeinsamkeiten haben diese womöglich?

Antwort: Ich bin eigentlich kein Johannesburg-Kenner, war nur zweimal beruflich dort, habe aber viele Freunde, die immer wieder ihren Urlaub in Kapstadt verbringen, und genau das ist der Unterschied. In Johannesburg arbeitet man, und in Kapstadt macht man Urlaub. Johannesburg ist die Business-Metropole Afrikas: Alle großen Firmen haben sich dort angesiedelt, und das Leben ist hektisch und schnell, so ungefähr, wie in Deutschland. Kapstadt hingegen wird die Mutterstadt genannt, und deshalb dauert hier alles neun Monate. Im Gegensatz zu Joburg findet man in Kapstadt alles auf einmal: Weinberge, Sandstrände, den Tafelberg, die Waterfront – und man entdeckt jeden Tag wieder Neues. Gemeinsamkeiten gibt es meiner Meinung nach nicht – die beiden Städte sind wie Tag und Nacht.

© Kapstadt unterschiedet sich in vieler Hinsicht massiv von anderen südafrikansichen Städten wie Johannesburg. Diese kosmopolitische Stadt, nach Joburg und Durban die drittgrößte Stadt des Landes, zieht Touristen aus aller Welt an. Mittlerweile leben in dieser City rund 3,5 Mio. Menschen. Die Mutterstadt erfreut sich besonderer Beliebtheit auch von Künstlern, Filmschaffenden und Models.

© Kapstadt unterschiedet sich in vieler Hinsicht massiv von anderen südafrikansichen Städten wie Johannesburg. Diese kosmopolitische Stadt, nach Joburg und Durban die drittgrößte Stadt des Landes, zieht Touristen aus aller Welt an. Mittlerweile leben in dieser City rund 3,5 Mio. Menschen. Die Mutterstadt erfreut sich besonderer Beliebtheit auch von Künstlern, Filmschaffenden und Models.

© Magazin „Kapstadt auf gut Deutsch“

© Magazin „Kapstadt auf gut Deutsch“

2010sdafrika-Redaktion: Sie publizieren das Magazin „Kapstadt auf gut Deutsch“ und betreiben darüber hinaus das Online-Medium Kapstadt.com. Was bedeutet es für Sie persönlich, publizistisch aktiv zu werden?

Antwort: Ich liebe meine Arbeit und freue mich, wenn ich dadurch auch nur einige Leute dazu bewegen kann, uns zu besuchen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, ist Kapstadt – von seinen Vororten einmal abgesehen – die sicherste Stadt in Afrika. Man fährt mit offenem Autofenster, man lebt nicht in Festungen, und man kann sich auch nachts sicher und frei bewegen. Das alles möchte ich in meinem Magazin zum Ausdruck bringen und an das gute Marketing der WM 2010 anknüpfen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Ambitionen verfolgen Sie mit Magazin und Internetmedium?

Antwort: Das Internet hat die Welt verändert, auf Knopfdruck kann jede Information abgerufen werden, und ein Ende der Entwicklung ist nicht in abzusehen. Facebook, Twitter, Blog, iPhone und iPad werden die Medienlandschaft weiteren Wechseln unterwerfen, und wir versuchen, auch hier immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und alles aus erster Hand zu berichten. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Land & Leuten, aber auch Freizeit & Abenteuer, politische Themen werden nur angerissen.

2010sdafrika-Redaktion: Mit Ihrem Beitrag „Sex and Slaves in the City“, veröffentlicht in der 17. Ausgabe Ihres Magazins im Sommer 2012, sprechen Sie von Sex als Machtinstrumentarium. Könnten Sie bitte den historischen Kontext erläutern und wie die Kaptstädter heutzutage mit dem Thema Sex umgehen?

Antwort: In den ersten Ausgaben unseres Magazins habe ich über die Entstehung Kapstadts geschrieben und mich im Stadtarchiv in die Geschichte eingelesen. Es gab nicht viel Gutes aus der „Guten Alten Zeit“ zu berichten, und mir wurde bewusst, das Kapstadt von Sklaven erbaut wurde, die zudem noch miserabel behandelt wurden und am späteren geschäftlichen Erfolg des Kaps nicht teilhaben konnten. Folter und Vergewaltigung waren an der Tagesordnung, Sklaven hatten einen niedrigeren Stellenwert als Hunde, und schon Kinder im Alter von sechs Jahren wurden oftmals als Ware verschachert. Sexthemen sind grundsätzlich Tabu in Südafrika, und noch vor 20 Jahren war der reine Besitz zum Beispiel des Magazins Playboy strafbar – viele Touristen im Besitz solcher Publikationen durften nicht einreisen bzw. wurden umgehend des Landes verwiesen. Das muss man sich mal vorstellen!

2010sdafrika-Redaktion: Haben Sie bereits mit einem Artikel für viel (negative) Aufmerksamkeit gesorgt? Oder lassen Sie mich anders fragen – kennen Sie publizistische Tabuthemen?

Antwort: Politische Themen werden heutzutage grundsätzlich negativ behandelt, die goldenen Mandela-Jahre sind lange vorbei. Gab es unter Nelson Mandela nur Positives zu berichten, ist es nun umgekehrt: Korruption, Misswirtschaft, die Unfähigkeit der Behörden und politische Untauglichkeit passen nicht in ein Tourismus-Magazin.

2010sdafrika-Redaktion: Sie stehen in engem Kontakt zu vielen Akteuren in Kapstadt. Welches Bild haben Kapstädter eigentlich von Österreichern und Deutschen?

Antwort: Deutsche sind sehr beliebt – Ihnen wird nachgesagt, dass sie sogar ihr eigenes Gästezimmer vor der Abreise noch putzen. Hochachtung hat man vor allem vor der Qualität deutscher Marken. Mercedes, BMW, Audi und Volkswagen sind die beliebtesten Autoproduzenten in Südafrika. Österreicher haben es etwas schwerer und, wie am eigenen Leib erfahren, werden wir immer mit Australiern verwechselt. Ich habe es lange aufgegeben zu erklären, dass es in Austria keine Kängurus gibt und wir auch nicht Rugby spielen.

© Man mag es nicht glauben. Der eine oder andere Südafrikaner verwechselt Australia, also Australien, gerne mit  Austria, also Österreich. Österreicher müssen ihrem Gegenüber dann erklären, warum es in Österreich keine Kängurus gibt. Lustig ist es schon.^^ (Quelle: Tannin/ Wikimedia)

© Man mag es nicht glauben. Der eine oder andere Südafrikaner verwechselt Australia, also Australien, gerne mit Austria, also Österreich. Österreicher müssen ihrem Gegenüber dann erklären, warum es in Österreich keine Kängurus gibt. Lustig ist es schon.^^ (Quelle: Tannin/ Wikimedia)

2010sdafrika-Redaktion: Vermissen Sie ihre alte Heimat oder fühlen Sie sich mittlerweile als quasi echter Südafrikaner?

Antwort: Mittlerweile bin ich von ganzem Herzen Kapstädter, habe Familie und mich der Stadt gänzlich angepasst. Österreich vermisse ich sehr selten, habe aber ein großes Foto meines Heimatortes über meinem Schreibtisch hängen. Hin und wieder besuche ich meine Mutter, die es aber bevorzugt, mich mit ihren Enkeln hier zu besuchen.

2010sdafrika-Redaktion: Peter Koblmiller, Publizist mit einer Leidenschaft für Kapstadt, vielen Dank für das Interview!

Urlaub in Kapstadt – ohne Mietauto‎

Ein Reisebericht zu Kapstadt- Teil 1

(Autorin: Annemarie Köster)

Oft wird behauptet, es gebe in Kapstadt keinen öffentlichen Nahverkehr, weshalb man unbedingt ein Mietauto brauche. Das stimmt so nicht ganz. Da ich 2007 für Kapstadt kein Ausflugsprogramm gebucht hatte und meine Gastmutter nicht über Gebühr als „Taxi“ in Anspruch nehmen wollte, habe ich den öffentlichen Nahverkehr genutzt. Natürlich beziehen ‎sich meine Erfahrungen mit Zug, Bus und Minibus-Taxi nur auf Zeiten mit Tageslicht. Das ‎endete leider schon zwischen 18.00 Uhr und 18.30 Uhr. Danach brauchte man gute Freunde ‎mit Auto oder ein Taxi.‎

© Im Zug

Ostermontag bin ich nach Simonstown gefahren – Pinguine gucken. Der Fahrkartenschalter ‎am Bahnhof Newlands ist an Sonn- und Feiertagen nicht besetzt. Man wartet also während ‎der Zugfahrt auf den Schaffner, um eine Fahrkarte zu kaufen. (manchmal kommt sogar einer). Von einem Security Guard (die gibt es auf jedem Bahnsteig und auch oft in den Zügen) ‎habe ich mich durch den Fußgängertunnel zum anderen Bahnsteig begleiten lassen. Es war ‎noch recht früh am Morgen und kaum Reisende zu sehen. Auch der Zug war ziemlich leer ‎und das gefiel mir nicht so sonderlich.‎

In Simonstown gibt es Rikki-Taxis, die vom Bahnhof zu den Pinguinen fahren. Das Glück ‎hatte ich leider nicht, einen freien Platz zu erwischen. Bis zum Badestrand bin ich von der ‎Ortsmitte mit einem normalen Taxi gefahren und dann etwas oberhalb des Wassers einen hölzernen Pfad entlang gelaufen. Im Gebüsch gab es massig Pinguine zu sehen. Der Pfad ‎endete am offiziellen Eingang zum „Pinguin-Strand“.

Den Weg zurück zum Bahnhof kannte ‎ich von der Taxifahrt. Es war keineswegs zu weit und komplett schattig, was ich an dem Tag besonders wohltuend fand. In Simonstown waren auch genügend Geschäfte geöffnet, um ‎sich ein wenig umzusehen. ‎ Auf dem Rückweg habe ich in Kalkbay Station gemacht, um ein zweites Mal im Schirocco ‎‎(ein Restaurant am Bahnhof komplett im Freien, nur die Toilette hat Wände, Tür und ein ‎Dach) meinen Lunch zu essen und anschließend mal wieder durch die zahlreichen Trödel- ‎und Antiquitätenläden zu bummeln.‎

An einem Sonntagnachmittag bin ich zusammen mit meinem Hostbruder aus Angola nach ‎Falsebay gefahren zum Konzert eines Sängers, der Filmschlager aus alten amerikanischen ‎Filmen dargeboten hat. In Muizenberg hatten wir unseren Lunch und haben dabei das ‎Strandleben beobachtet. Das Masque Theatre befindet sich unmittelbar am Bahnhof Falsebay und so war der letzte Zug bei Tageslicht bequem zu erreichen. Am Wochenende gibt es ‎immer Nachmittagsvorstellungen, die sich aber nur durch ihren geringeren Preis von denen ‎am Abend unterscheiden. Wenn man nur zum Strand will, steigt man natürlich direkt am ‎Bahnhof Muizenberg aus.‎

An einem Montagnachmittag war ich zu einer Geburtstagsparty in Fischhoek eingeladen. ‎Auch das war bequem per Zug zu erreichen. Ich war zwar die Einzige, die in Fishhoek zu ‎Fuß unterwegs war, habe mich aber keineswegs unsicher gefühlt. Einheimische hatten mir ‎zuvor versichert, daß man im „Rentnerdorf“ Fischhoek am Tage gefahrlos herumspazieren ‎kann.‎

Um an die Waterfront zu kommen, habe ich den Zug bis Cape Town Station benutzt und bin ‎dann vor dem Bahnhof in den Golden Arrow Bus umgestiegen. ‎

© Im Linienbus

Für die Fahrt zum Baxter Theatre auf dem Universitätsgelände kann man den Bus ebenfalls ‎benutzen. Busfahrer sind freundliche Leute und halten schon mal da, wo man aussteigen ‎möchte. Für die Rückfahrt muß man dann aber ein Taxi bestellen. Das ist eine Erfahrung ‎meiner Gastmutter. Selbst ausprobiert habe ich es nicht, weil ich immer eine Mitfahrgelegenheit hatte und tagsüber auch schon mal zu Fuß gelaufen bin.‎

Wenn‘s mal schnell in die Stadt gehen sollte, habe ich ein Minibus-Taxi bevorzugt. Es gab ‎die schnellen – zwischen Cape Town Station und Claremont ohne Zwischenstop – oder die ‎interessanten durch die Vororte, die auch der Zug passiert. Das einzige, worauf ich geachtet ‎habe war, daß immer genügend Leute im Taxi saßen bevor ich eingestiegen bin. Mit Fahrer ‎und Kassierer allein oder vielleicht nur ein bis zwei Fahrgästen wäre ich sicher nicht gefahren. Das war aber an einem Wochentag nachmittags sowieso nicht zu erwarten.‎

© Red Bus Rundfahrt

Eine gute Sache waren auch die Sightseeing-Busse, sogenannte Red Buses, die eine „rote“ ‎und eine „blaue“ Runde durch die Stadt fahren. Nach einer wunderschönen Wanderung von ‎ca. 45 Minuten am Sonntag Vormittag habe ich am Tor 2 des Botanischen Gartens Kirstenbosch den Bus der blauen Route bestiegen und bin erst mal nur eine Station bis zur World of ‎Birds mitgefahren. Es ist nunmehr kein reiner Vogelpark mehr sondern beherbergt auch kleine Äffchen (mit denen man zum Teil spielen kann), Meerschweinchen, Schildkröten, Alpakas ‎und vieles mehr. Nach zwei Stunden habe ich die Fahrt dann fortgesetzt, um nach einer gemütlichen Rundfahrt mit 20 Minuten Aufenthalt in Hout Bay am Hafen wieder nach Kirsten-‎bosch zurück zu kommen. (Meinen schönen neuen Paß der „Republik of Hout Bay“, den ich ‎mit dem Busticket, das auch andere Vergünstigungen enthält, bekommen habe, wollte aber ‎niemand sehen). Die Rundfahrt kostete zumindest weniger als ein Taxi zum Vogelpark und ‎zurück.‎

Die rote Route führt unter anderem auch zur Talstation der Tafelberg-Seilbahn. Meine einzige Zusteigemöglichkeit wäre an der Waterfront gewesen. Es soll allerdings auch funktionieren, den Bus einfach am Bahnhof anzuhalten, aber darauf habe ich mich dann lieber doch ‎nicht verlassen. Der erste Red Bus kam vormittags leider so spät an der Talstation an, daß ‎ich – Wartezeit an der Seilbahn eingerechnet – kaum Zeit auf dem Berg gehabt hätte bevor ‎ich die Rückfahrt antreten mußte. So habe ich diesmal auf den Tafelberg und auch auf die ‎gesamte rote Route verzichtet. Es muß ja auch noch was für die nächste Reise bleiben.‎

Für einige Tage in Kapstadt gibt es also wirklich genug zu sehen, was man mit öffentlichen ‎Verkehrsmitteln erreichen kann.‎

Weitere Reiseberichte von Annemarie Köster hier abrufbar.

Cape Town is not South Africa

Südafrikas Tourismussektor als Hoffnung einer vielfältigen Nation

(Autorin: Susanne Zeckler)

Südafrika ist ein Land der Kontraste, wie es dem Titel dieses Webportals bereits zu entnehmen ist. Nicht nur in sozialen Dingen unterscheidet sich die südafrikanische Bevölkerung drastisch voneinander, sondern auch von ihrer jeweiligen Kultur, vom regionalen Erlebnisangebot und vom Klima ihres Wohnsitzes. Während im Südosten eher eine tropische Umwelt vorzufinden ist, erhält man in der Zentralregion einen Einblick in ein trockenes Wüstenklima. Das Western Cape mit Kapstadt entfaltet hingegen ein mediterranes Feeling und modernes Stadtbild, sodass diese City vor allem bei deutschen Anreisenden sehr beliebt ist. „Cape Town is not South Africa„, äußerte sich mal eine südafrikanische Beamtin uns gegenüber auf die Frage, was an Kapstadt so besonders sei. Die Stadt hat eine Menge anzubieten, jedoch muss diese lebendige Destination in einem gesonderten Artikel untergebracht werden. Mit über 20 Nationalparks und vielfältigen Lodges im ganzen Lande, erweist sich Südafrika auch als Reisetipp für Safari-Fans.

© Victoria & Alfred Waterfront-Stadtgebiet von Kapstadt

Den Tourismussektor gab es schon vor dem ersten Weltkrieg und auch während der Apartheid. Doch als 1994 die Demokratisierung des Landes offiziell ihren Gang nahm, sprang der Tourismus sprunghaft an. Waren es 1994 nur 3,9 Millionen Personen an ausländischen Gästen, kletterte diese Zahl im letzten Jahr auf über 9,9 Millionen an. Vor allem US-Amerikaner und Europäer suchen das südlichste Land Afrikas auf, aber zunehmend auch Gäste aus Lateinamerika und Asien. Mit etwa einer Viertelmillion an deutschen Touristen, gehört diese Nationalität zu einer der größten Besuchergruppen. Die sehr gastfreundlichen Einreisebestimmungen für EU-Bürger, indem man bei der Ankunft am Airport eine dreimonatige Besuchsgenehmigung (visitor´s permit) erhält, stimulieren diesen Trend.

Der Tourismus ist nach wie vor eine der am schnellsten wachsenden Branchen des Landes, in welchem rund 7 Prozent der Erwerbstätigen des Landes (etwa 1,3 Millionen Bürger) unmittelbar und mittelbar beschäftigt sind. Der Tourismus steuert am BIP des Landes einen Anteil von rund 8 Prozent bei. Speziell zur Fußball-WM 2010 ist festzuhalten, dass rund eine halbe Million Besucher aus Übersee erwartet wurden, jedoch allerhöchtens nur 250.000 Gäste nach Südafrika kamen. Begründet wird das Verfehlen dieser Erwartungshaltung unter anderem mit den überteuerten Preisen für Flug sowie Unterkunft.

Insgesamt unterhält das Kapland, wie es gerne von deutschen Touristen bezeichnet wird, acht Welterbestätten, die alle nach dem Ende der Apartheid in die Liste der UNESCO aufgenommen wurden. 1999 wurde das Feuchtgebiet iSimangaliso-Wetland-Park, mit den größten Krokodil- und Flusspferdbeständen Südafrikas, zum Weltnaturerbe erklärt. Hingegen wurde die Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt zum Weltkulturerbe, in welchem Nelson Mandela den Großteil seiner 27-jährigen Haftzeit abgesessen hatte. Ebenfalls 1999 erhielten die Fundstätten fossiler Hominiden (also Menschenaffen)  den Status des Weltkulturerbes, welche 2005 um weitere Fundorte ausgedehnt wurde. 2000 sind die Drakensberge bei Lesotho bisweilen einmalig in Südafrika zum Weltnatur- und zugleich Weltkulturerbe deklariert worden. 2003 folgte der  Mapungubwe-Hügel mit seinen archäologischen Fundstätten, 2004 das Naturschutzgebiet Cape Floral, 2005 der Meteoritenkrater Vredefort als größte Einschlagsstelle weltweit sowie 2007 die von Ureinwohnern der Nama bewohnte Landschaft Richtersveld bei Namibia.

© UNESCO-Weltkulturerbe Robben Island

Es wird einem schnell ersichtlich, dass Südafrika sehr vielfältig ist und genau aus diesem Grund zu einem der beliebtesten Reiseziele der Welt hinzugezählt werden kann. Paradoxerweise gehört diese Nation auch zu den kriminellsten Ländern auf dem Globus, wo Mord- und Vergewaltigungsrate die Lebensqualität der Südafrikaner erheblich einschränken. Immer mehr vor allem weiße Bürger kehren ihrer Heimat den Rücken zu und emigrieren nach Australien, Neuseeland oder in das Vereinigte Königreich. Dieses Phänomen, in Fachkreisen als „brain drain“ bezeichnet, wird mit traurigen Rekorden bei HIV/AIDS und ungleichen sozialen Lebenslagen ergänzt. Demnach kann Südafrika als das Land aufgefasst werden, in welchem das Paradies in gleicher Augenhöhe zum absoluten Elend auftritt.

Offizielle Tourismusseite „SouthAfrica.info“ zur Branche:

http://www.southafrica.info/overview/deutsch/tourismus.htm

UNESCO-Welterbestätten in Südafrika:

http://www.unesco.org/new/en/unesco/worldwide/unesco-regions/africa/south-africa/

WELT ONLINE-Artikel zum Tourismussektor Südafrikas:

http://www.welt.de/reise/article8387933/Jetzt-peilt-Suedafrika-Tourismus-Rekorde-an.html

Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu Südafrika:

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Suedafrika/Sicherheitshinweise.html#t4