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In eigener Sache: Über 10.000 Visits in 10/2012

Gewinnspiel: 2 Großformat-Kalender von „Südafrika 2013“ zu verlosen

(2010sdafrika-Redaktion)

Das Online-Medium „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ hat im Oktober 2012 erstmalig die 10.000 Usergrenze erreicht. In den Vormonaten pendelten die Visits stets knapp unterhalb dieser monatlichen Marke. Die Auswertung der Statistik zeigt, dass die Seitenabrufe stetig zunehmen. Im Mai 2013 dürfte dann die Viertelmillion-Usergrenze geknackt werden.

© Großformat-KALENDER "Südafrika 2013", Christian Heeb, 14 Seiten, 60 x 48 cm, 12 Abbildungen, Dreisprachiges Kalendarium mit kurzen Bildbeschreibungen auf jedem Kalenderblatt, WIRE-O-Bindung. Preis: 27,95 Euro.

© Großformat-KALENDER „Südafrika 2013“, Christian Heeb, 14 Seiten, 60 x 48 cm, 12 Abbildungen, Dreisprachiges Kalendarium mit kurzen Bildbeschreibungen auf jedem Kalenderblatt, WIRE-O-Bindung. Preis: 27,95 Euro.

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In Österreich gibt es keine Kängurus

Peter Koblmiller, österreichischer Publizist in Südafrika, im Interview

(Autor: Ghassan Abid)

© Der in Kapstadt lebende Publizist Peter Koblmiller ist Herausgeber des Magazins „Kapstadt auf gut Deutsch“ und des Online-Mediums Kapstadt.com.

© Der in Kapstadt lebende Publizist Peter Koblmiller ist Herausgeber des Magazins „Kapstadt auf gut Deutsch“ und Betreiber des Online-Mediums Kapstadt.com.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Peter Koblmiller, österreichischer Publizist in Südafrika. Zuerst ein großes Servus an Sie! Wie lange leben Sie schon am Kap und wie kam es dazu, dass Sie sich dort niedergelassen haben?

Antwort: Es ist eine lustige Geschichte: Nach acht Wochen Urlaub hatte ich meinen Rückflug am 20. Februar 1989 um 00.20 Uhr. Ich war an dem Tag – meiner damaligen Ansicht nach – pünktlich zwei Stunden vorher am Flughafen – und hab ganz schön dumm geguckt, als mir gesagt wurde, dass ich zwölf Stunden zu spät sei – ich hätte schon am 19. Februar da sein sollen. Einen neuen Rückflug konnte ich mir nicht mehr leisten – und so habe ich meinen Ex-Chef in München erfolgreich um sechs Monate unbezahlten Urlaub gebeten und in Kapstadt zu arbeiten angefangen. Um es kurz zu machen: Das Wetter und die Stadt waren einfach zu schön, und schließlich hielt diese Liebe mich hier fest.

2010sdafrika-Redaktion: Sie leben in Kapstadt und wollen diese kosmopolitische Stadt wohl nicht mehr verlassen. Können bitte die Unterschiede zwischen Kapstadt und Johannesburg für einen Nicht-Südafrika-Kenner erläutern; wie unterscheiden sich beide Städte und welche Gemeinsamkeiten haben diese womöglich?

Antwort: Ich bin eigentlich kein Johannesburg-Kenner, war nur zweimal beruflich dort, habe aber viele Freunde, die immer wieder ihren Urlaub in Kapstadt verbringen, und genau das ist der Unterschied. In Johannesburg arbeitet man, und in Kapstadt macht man Urlaub. Johannesburg ist die Business-Metropole Afrikas: Alle großen Firmen haben sich dort angesiedelt, und das Leben ist hektisch und schnell, so ungefähr, wie in Deutschland. Kapstadt hingegen wird die Mutterstadt genannt, und deshalb dauert hier alles neun Monate. Im Gegensatz zu Joburg findet man in Kapstadt alles auf einmal: Weinberge, Sandstrände, den Tafelberg, die Waterfront – und man entdeckt jeden Tag wieder Neues. Gemeinsamkeiten gibt es meiner Meinung nach nicht – die beiden Städte sind wie Tag und Nacht.

© Kapstadt unterschiedet sich in vieler Hinsicht massiv von anderen südafrikansichen Städten wie Johannesburg. Diese kosmopolitische Stadt, nach Joburg und Durban die drittgrößte Stadt des Landes, zieht Touristen aus aller Welt an. Mittlerweile leben in dieser City rund 3,5 Mio. Menschen. Die Mutterstadt erfreut sich besonderer Beliebtheit auch von Künstlern, Filmschaffenden und Models.

© Kapstadt unterschiedet sich in vieler Hinsicht massiv von anderen südafrikansichen Städten wie Johannesburg. Diese kosmopolitische Stadt, nach Joburg und Durban die drittgrößte Stadt des Landes, zieht Touristen aus aller Welt an. Mittlerweile leben in dieser City rund 3,5 Mio. Menschen. Die Mutterstadt erfreut sich besonderer Beliebtheit auch von Künstlern, Filmschaffenden und Models.

© Magazin „Kapstadt auf gut Deutsch“

© Magazin „Kapstadt auf gut Deutsch“

2010sdafrika-Redaktion: Sie publizieren das Magazin „Kapstadt auf gut Deutsch“ und betreiben darüber hinaus das Online-Medium Kapstadt.com. Was bedeutet es für Sie persönlich, publizistisch aktiv zu werden?

Antwort: Ich liebe meine Arbeit und freue mich, wenn ich dadurch auch nur einige Leute dazu bewegen kann, uns zu besuchen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, ist Kapstadt – von seinen Vororten einmal abgesehen – die sicherste Stadt in Afrika. Man fährt mit offenem Autofenster, man lebt nicht in Festungen, und man kann sich auch nachts sicher und frei bewegen. Das alles möchte ich in meinem Magazin zum Ausdruck bringen und an das gute Marketing der WM 2010 anknüpfen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Ambitionen verfolgen Sie mit Magazin und Internetmedium?

Antwort: Das Internet hat die Welt verändert, auf Knopfdruck kann jede Information abgerufen werden, und ein Ende der Entwicklung ist nicht in abzusehen. Facebook, Twitter, Blog, iPhone und iPad werden die Medienlandschaft weiteren Wechseln unterwerfen, und wir versuchen, auch hier immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und alles aus erster Hand zu berichten. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Land & Leuten, aber auch Freizeit & Abenteuer, politische Themen werden nur angerissen.

2010sdafrika-Redaktion: Mit Ihrem Beitrag „Sex and Slaves in the City“, veröffentlicht in der 17. Ausgabe Ihres Magazins im Sommer 2012, sprechen Sie von Sex als Machtinstrumentarium. Könnten Sie bitte den historischen Kontext erläutern und wie die Kaptstädter heutzutage mit dem Thema Sex umgehen?

Antwort: In den ersten Ausgaben unseres Magazins habe ich über die Entstehung Kapstadts geschrieben und mich im Stadtarchiv in die Geschichte eingelesen. Es gab nicht viel Gutes aus der „Guten Alten Zeit“ zu berichten, und mir wurde bewusst, das Kapstadt von Sklaven erbaut wurde, die zudem noch miserabel behandelt wurden und am späteren geschäftlichen Erfolg des Kaps nicht teilhaben konnten. Folter und Vergewaltigung waren an der Tagesordnung, Sklaven hatten einen niedrigeren Stellenwert als Hunde, und schon Kinder im Alter von sechs Jahren wurden oftmals als Ware verschachert. Sexthemen sind grundsätzlich Tabu in Südafrika, und noch vor 20 Jahren war der reine Besitz zum Beispiel des Magazins Playboy strafbar – viele Touristen im Besitz solcher Publikationen durften nicht einreisen bzw. wurden umgehend des Landes verwiesen. Das muss man sich mal vorstellen!

2010sdafrika-Redaktion: Haben Sie bereits mit einem Artikel für viel (negative) Aufmerksamkeit gesorgt? Oder lassen Sie mich anders fragen – kennen Sie publizistische Tabuthemen?

Antwort: Politische Themen werden heutzutage grundsätzlich negativ behandelt, die goldenen Mandela-Jahre sind lange vorbei. Gab es unter Nelson Mandela nur Positives zu berichten, ist es nun umgekehrt: Korruption, Misswirtschaft, die Unfähigkeit der Behörden und politische Untauglichkeit passen nicht in ein Tourismus-Magazin.

2010sdafrika-Redaktion: Sie stehen in engem Kontakt zu vielen Akteuren in Kapstadt. Welches Bild haben Kapstädter eigentlich von Österreichern und Deutschen?

Antwort: Deutsche sind sehr beliebt – Ihnen wird nachgesagt, dass sie sogar ihr eigenes Gästezimmer vor der Abreise noch putzen. Hochachtung hat man vor allem vor der Qualität deutscher Marken. Mercedes, BMW, Audi und Volkswagen sind die beliebtesten Autoproduzenten in Südafrika. Österreicher haben es etwas schwerer und, wie am eigenen Leib erfahren, werden wir immer mit Australiern verwechselt. Ich habe es lange aufgegeben zu erklären, dass es in Austria keine Kängurus gibt und wir auch nicht Rugby spielen.

© Man mag es nicht glauben. Der eine oder andere Südafrikaner verwechselt Australia, also Australien, gerne mit  Austria, also Österreich. Österreicher müssen ihrem Gegenüber dann erklären, warum es in Österreich keine Kängurus gibt. Lustig ist es schon.^^ (Quelle: Tannin/ Wikimedia)

© Man mag es nicht glauben. Der eine oder andere Südafrikaner verwechselt Australia, also Australien, gerne mit Austria, also Österreich. Österreicher müssen ihrem Gegenüber dann erklären, warum es in Österreich keine Kängurus gibt. Lustig ist es schon.^^ (Quelle: Tannin/ Wikimedia)

2010sdafrika-Redaktion: Vermissen Sie ihre alte Heimat oder fühlen Sie sich mittlerweile als quasi echter Südafrikaner?

Antwort: Mittlerweile bin ich von ganzem Herzen Kapstädter, habe Familie und mich der Stadt gänzlich angepasst. Österreich vermisse ich sehr selten, habe aber ein großes Foto meines Heimatortes über meinem Schreibtisch hängen. Hin und wieder besuche ich meine Mutter, die es aber bevorzugt, mich mit ihren Enkeln hier zu besuchen.

2010sdafrika-Redaktion: Peter Koblmiller, Publizist mit einer Leidenschaft für Kapstadt, vielen Dank für das Interview!

Brutaler Alltag im Township

Ein Erlebnisbericht über die harte Realität von Kindern und dem Hoffnungsprojekt „Siyabonga“

(Autor: Weina)

Nach einer kurzen Fahrt durch das Armutsviertel, sogenannten Townships in denen überwiegend farbige Südafrikaner wohnen,  die an der untersten Gesellschaftsstufe stehen und bei der Apartheid dazu verdonnert wurden die Städte den Weißen zu überlassen, hält der Bus vor einem zwei Meter hohen Zaun. Nichts Besonderes, schließlich durchziehen zig Kilometer davon das Township; bevorzugt billiger Maschendrahtzaun.

© Township Edendale

Der abklingende Frühling und die üppige Vegetation sorgen  dafür,  dass  in den eingezäunten Gärten vereinzelt wunderschön violett blühende Jakaranda-Bäume hervorstechen und bei genauerer Betrachtung erkennt man auch die zwischen dem hohen Gras liegenden Gemüsebeete. Wüsste man es nicht besser,  könnte man glatt meinen sich in einem heruntergekommenen Schrebergarten verirrt zu haben. Doch spätestens bei objektiver Betrachtung der einfach gehaltenen Hütten, die meist nur mit einem oder zwei Zimmern ausgestattet sind, besteht kein Zweifel mehr. Zwar sind diese – im Gegensatz zu den auf dieser Reise schon öfters gesehenen – mit Holz, Wellblech, Planen ja sogar einfachen Decken improvisierten und zusammengeflickten Behausungen, aus Betonsteinen fest vermauert. Jedoch lassen die allerorts stehenden Plumpsklos auf fehlende sanitäre Einrichtungen schließen. Keine Seltenheit, denn der eh schon knapp bemessene Raum in den Hütten beherbergt fast immer mehr Menschen als eigentlich zumutbar ist.

© Logo des Siyabonga-Projektes

In dieser Gegend  steht das von „Siyabonga – Helfende Hände für Afrika“ finanzierte und aufgebaute Schul-  und Bildungszentrum. Der Bus öffnet die Türen und wir werden von einem Angestellten der Schule durch das stabile Tor hereingelassen. Wie wir später erfahren  werden,  ist der Komplex kürzlich erst fertig gestellt worden und steht erst seit einigen Wochen der benachbarten Schule zur Verfügung. Die Gruppe wird in einem etwas größeren Raum geführt, wo uns der nahezu perfekt deutschsprechende,  führende Stellvertreter der Organisation in einen umfangreichen Vortrag über das Township,  die  Probleme dieses Projektes und seine Zukunftsvisionen erzählt. Uns wird berichtet, von der hohen Gewaltbereitschaft die durch Langeweile, Unterdrückung oder der Aussichtslosigkeit der Jugendlichen hervorgerufen wird, die ohne die notwendigen schulischen Kenntnisse dem Arbeitsmarkt ausgeliefert sind und keine Perspektiven auf anständige Jobs haben, nicht zuletzt auch oder gerade wegen ihrer Hautfarbe. Es wird noch Generationen dauern bis die Rassendiskriminierung aus den alltäglichen Leben der Südafrikaner verschwindet.

Ein weiteres sehr ernstes Thema das leider nur sehr schwer in den Griff zu bekommen ist, betrifft die Krankheit Aids. Südafrika hat eine der höchsten Aids-Infizierungsraten der Welt. Offiziell 21.5 % der Bevölkerung zwischen 15-49 Jahren sind HIV-positiv. Inoffiziell wird von wesentlich mehr Infizierten berichtet. Dazu kommt bei der männlichen Bevölkerung der irrtümliche Glaube, mit einer Jungfrau Sex zu praktizieren heile die Krankheit. Ein mehr als fataler Fehler. Es wird versucht Jugendliche, ja sogar Kinder, zum Sex zu überreden und wenn nötig auch unter Gewaltandrohungen dazu zu zwingen. Statistisch gesehen muss jede zweite Südafrikanerin damit rechnen einmal in ihrem Leben vergewaltigt zu werden. Damit liegt die Wahrscheinlichkeit vergewaltigt zu werden höher als lesen zu lernen. Eine traurige Bilanz! Deswegen auch das schwere Tor und der hohe Zaun um das Schulgelände. Es wird immer wieder versucht Schulmädchen vom Aufenthaltshof weg zu locken. Auch der Weg zur Schule und wieder zurück nach Hause ist für die Mädchen nicht einfach wie unser Redner berichtet, denn zwischen 14 und 18 Uhr besteht erfahrungsgemäß das höchste Risiko, Opfer eines Sexualverbrechens zu werden. Es kommt immer wieder vor, dass die Mädchen von ihrer Familie nach ersichtlichen Symptomen der Vergewaltigung verstoßen werden und viele diese somit verschweigen. Vielen der Zuhörer ist die Betroffenheit anzusehen. Bei all den wunderbaren Tagen die man bisher in Südafrika verbracht hat, etwa am Kap, den Weinbergen oder der Garden Route entlang, vergisst man trotz der ständig präsenten Townships die bittere Armut der Bewohner. Unser Referendar lässt uns wissen, dass natürlich jederzeit Spenden für die Organisation oder andere helfende Unterstützung dankend angenommen werden.

Vor unserem Zimmer wird’s langsam laut.  Um die 20 Kinder warten darauf uns eine Tanz- und Singvorstellung anzubieten, die mit Begeisterung vorgeführt wird.  Jeder versucht die Darbietung der Kleinen per Kamera festzuhalten. Bewundernswert,  wie die Kinder mit einfachen Mitteln verstehen Spaß zu haben. Ihnen gefällt es sichtlich uns ihre Kultur und Traditionstänze zu präsentieren.  Wir haben in dieser knappen Stunde mehr von Südafrika und seinen Einheimischen erfahren,  als auf unserer bisherigen Rundreise. Nach einem kurzen Besuch der Klassenzimmer, wo uns überall strahlende Gesichter empfangen, verlassen wir die  Esigodini Primary School im Township Edendale das zu der Stadt Pietermaritzburg gehört, welche zugleich die Provinzhauptstadt von Kwa Zulu Natal ist. Warum ich nicht schon eher erwähnt habe, wo wir zu Besuch waren?  Ganz einfach, es könnte überall in Südafrika gewesen sein

© Klassenraum der Esigodini Primary School

… Wieder Zuhause bei der Fotosichtung blieb ich bei der Schule hängen und mir fiel erst richtig auf, wie groß der Unterschied zwischen Bayern/Deutschland und Kwa Zulu Natal/Südafrika ist. Ich habe die Webpräsenz der Organisation (www.Siyabonga.org)  besucht und mich entschlossen dieses Projekt mit einem monatlichen Beitrag zu unterstützen. Schließlich ist es wünschenswert  solche Organisationen am Leben zu erhalten.

Die 2010sdafrika-Redaktion möchte sich ganz herzlich beim Autor Weina für die Bereitstellung von Text und Fotos bedanken, welcher 2009 Südafrika bereiste.

Webpräsenz des Vereins „Siyabonga – Helfende Hände für Afrika e.V.“:

www.Siyabonga.org