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424-Tagesbilanz zur Fußball-WM in Südafrika

Inwieweit konnte Südafrika von der WM 2010 profitieren?

(Autorin: Anne Schroeter)

Im letzen Jahr war die Aufregung groß – die erste Fußballweltmeisterschaft, die in Afrika stattfinden würde. War Südafrika bereit dieses Großevent auszutragen? Würde es nicht viel zu gefährlich sein? Ist die Organisation zuverlässig genug?

Vor der WM zeichnete sich Südafrika vor allem durch Negativschlagzeilen aus: Xenophobische Übergriffe auf Immigranten, hohe AIDS- und Kriminalitätsrate und Armut sind wohl die ersten Begriffe, die viele mit Südafrika assoziierten. All diese Fragen ließen sich relativ schnell während und noch kurz nach der WM beantworten. Shuttle-Busse von zentralen Plätzen, die zum Stadion fuhren, große neugebaute Stadien und Flughäfen, tolle Atmosphäre – wenn auch für einige zu „afrikanisch“, durch den Lärm der Vuvuzelas, Fans aus aller Welt die gemeinsam feierten. Viele Bilder erinnerten an die WM 2006 in Deutschland.

424 Tage nach der WM lässt sich nun auch eine klare Bilanz über die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften ziehen. Vor dem Beginn der WM wurde über hohe Kosten geklagt, für den Bau von neuen Stadien, Investitionen in die Infrastruktur und die Errichtung des neuen Gau-Trains geflossen sind.

Kurz nach der WM sagte Jacob Zuma, Präsident Südafrikas, dass die WM einen „Anfang einer besseren Zukunft für Südafrika und für ganz Afrika“ darstelle. Aber, inwieweit stimmt das? Für die WM wurden Stadien neu- und umgebaut, unter anderem das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, oft als das schönste Stadion der WM bezeichnet, das Greenpoint-Stadium in Kapstadt und Soccer City Stadium in Johannesburg. Dort werden nun andere Sportwettkämpfe ausgetragen und Konzerte (zum Beispiel Coldplay und Kings of Leon) gespielt. Während das Soccer City Stadium Profit erwirtschaftet und viele große Veranstaltungen austrägt, schreiben sowohl das Moses-Mabhida-Stadium in Durban, als auch das Green-Point-Stadium in Kapstadt keine schwarzen Zahlen und gehen somit zu Lasten der Steuerzahler.

© Moses-Mabhida-Stadium in Durban (Quelle: Rodger Bosch/ MediaClubSouthAfrica.com)

Als große Infrastrukturmaßnahmen, sind vor allem der Bau von Gau-Train und eines neuen Flughafen in Durban genannt worden. Insgesamt flossen rund 30 Mrd. Rand in die beiden obengenannten Großprojekte, den Umbau des Flughafens von Johannesburg und die Erneuerung des Straßennetzes. Die prekären Verhältnisse in den Townships dagegen, wurden kaum angegangen, und erfuhren lediglich Nebenbeachtung.

Hinzu kamen Investitionen in Stadionneu- und -umbau sowie in die Sicherheit. Insgesamt wurden ca. 43 Mrd. Rand investiert, jedoch nur 13 Mrd. Rand Einnahmen verzeichnet, es entstand also ein Defizit von ca. 30 Mrd. Rand. Trotzdem hatte die WM auch eine positive Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum, das um 0,5% gestiegen ist. Dieses geringe Wachstum lässt sich jedoch direkt mit der WM in Zusammenhang bringen und zeugt nicht unbedingt von einer verbesserten wirtschaftlichen Lage, sowohl für die Bevölkerung als auch für Investoren. Zumindest die 500.000 Arbeitsplätze, die in der Baubranche entstanden waren, konnten für einige Zeit, vielen Familien das Leben erleichtern. Die meisten dieser Stellen waren Bauarbeiterstellen, die oft an Beschäftigte aus einkommensschwachen Familien vergeben werden. Hinzu kommt, dass in Südafrika weit mehr Personen von einem Gehalt ernährt werden, als es in Europa üblich ist.

Inwiefern der Neubau von Gau-Train und Flughäfen für die Bevölkerung Südafrikas von Nutzen ist, lässt sich relativ einfach sagen: Der überwiegende Großteil der Südafrikaner wird in naher Zukunft nicht in die Bedrullie kommen, zum Flughafen fahren zu müssen, und dafür den Gau-Train zu nutzen, um dann an einem super-modernen Flughafen abzufliegen.

© Der einfache Bürger profitiert kaum von einer WM (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

Südafrika ist ein fußballbegeistertes Volk, insbesondere unter den Schwarzen ist es der beliebteste Sport. Klar, dass viele Südafrikaner versuchen wollten, während der WM ein kleines wirtschaftliches Wunder zu erleben und liebevoll selbstgemachte Fußball-Souvenirs verkaufen wollten. Dies wurde ihnen schnell untersagt. Lediglich offizielle FIFA-Fan-Artikel durften in und in der Nähe der Stadien verkauft werden, sodass Händler gezwungen waren an weniger geeigneten Orten ihr Handwerk zu verkaufen. Dies sorgte für Abneigung gegenüber der FIFA, und der Ansicht, dass sie die höchsten Gewinne einnehmen würde.

Als nachhaltigen Gewinn der WM, ist das youthzones-Projekt zu nennen. Davon gibt es 13 verteilt in ganz Südafrika, und jeweils eins in Mozambik und Zimbabwe. Diese Youth Zones haben das Ziel durch Fußball spielenden Kindern und Jugendlichen eine bessere Zukunft zu ermöglichen, insbesondere durch die Vermittlung von Computerkenntnissen und sogenannten Life-Skills, wie zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein, Konfliktschlichtung, Teamwork, Gesundheit und ähnlichem. Dadurch sollen die Kinder Selbstvertrauen und ein positives Selbstwertgefühl entwickeln, dass es ihnen später ermöglicht ein erfolgreiches, und vor allem kriminell-freies, Leben zu leben.

Ähnliche Projekte, wie das der Youth Zones, wurden auch zu anderen Themengebieten initiiert, wie zum Beispiel Bildung, Umweltbewusstsein sowie –erhaltung und andere. Diese werden teilweise von der FIFA oder dem südafrikanischen Organisationskomitee in Kooperation mit anderen NGOs durchgeführt.

Kurz nach Ende der WM in Südafrika, wurde die Entstehung eines Fonds angekündigt. Dieser nennt sich Legacy Trust Fond und verfügt über insgesamt 100 Millionen Dollar, von denen bereits 20 Millionen Dollar vor Beginn der WM in den Bau einer neuen Geschäftsstelle für den Südafrikanischen Fußballverband (SAFA) flossen. Die verbleibenden 80 Millionen Dollar sollen nun zur weiteren positiven Entwicklung genutzt werden. Verwaltet wird der Fonds vom Beratungsunternehmen ´Ernst and Young´, geleitet von Vertretern von FIFA, SAFA, der südafrikanischen Regierung und privaten Investoren. Sie entscheiden, welche gemeinnützigen Projekte Zuschüsse für die Durchführung von sozialen Projekten erhalten.

Die WM in Südafrika hat die Einstellung vieler Touristen gegenüber dem Land verändert. Die niedrige Anzahl von Gewaltvorkommen, über die sich vorher so gesorgt wurde, brachte dem Land großes Vertrauen und Respekt ein. Viele Besucher der WM würden gerne wieder nach Südafrika fliegen (96%) oder ihren Freunden Südafrika als Reiseland empfehlen (94%). Dieser Reputationsgewinn kann sich noch lange auf Südafrikas Tourismus auswirken, eine der Haupteinnahmequellen des Landes, und somit langfristig einen positiven Effekt auf die volkswirtschaftliche Situation des Landes haben.

Außer einem Überfall auf Journalisten zu Beginn der WM, beschränkten sich die Vorfälle, die direkt mit dem Turnier in Verbindung zu bringen waren auf Diebstähle und ähnliche Delikte. An den 25 Spieltagen der WM, besuchten insgesamt 3.082.514 Besucher die Stadien. 704 Vorfälle wurden der Polizei gemeldet, die sich in einem 1,5 Kilometerradius um die Stadien herum zugetragen hatten. Das bedeutet, dass nur 0,02% der Besucher von Kriminalität betroffen waren. In den Stadien wurden im gleichen Zeitraum 290 Vorfälle gemeldet, so dass nur 0,009% der Besucher im Stadion kriminelle Erfahrungen machen mussten. Auch die Zahlen der Fan-Feste-Besucher liegen ähnlich tief, wie die der Stadionbesucher (0,13% im 1,5 Kilometerradius; 0,005% im Fan-Fest).

Somit hat sich auch der Ausspruch des südafrikanischen Polizeichefs, Jackie Selebi, vor der WM bestätigt, dass die WM problemlos kommen und gehen werde. Außerdem hatte Südafrika schon vor der WM viele große Sportereignisse ausgerichtet, so zum Beispiel Cricket -und Rugby-Weltmeisterschaften, oder Spiele der indischen Cricket-Liga, die aus Sicherheitsgründen nach Südafrika verlegt worden waren. Durch den zusätzlichen Einsatz von 44.000 neu ausgebildeten Polizisten und der Schaffung spezieller WM-Gerichte konnten Straftaten verhindert, beziehungsweise schnell aufgeklärt und Täter zeitnah verurteilt werden.

Gerade die positiven Kriminalstatistiken der WM beweisen, dass Touristen in Südafrika nicht mehr gefährdet sind, als an anderen Urlaubszielen. Mit den richtigen Verhaltensregeln und guter Vorbereitung, lässt es sich dort wunderbar urlauben, ohne sich selber in Gefahr zu bringen

Doch so drastisch, wie sich unser Empfinden gegenüber Südafrika verändert hat, so stark haben sich auch die Hoffnungen der Südafrikaner an die WM gewendet. Während der Vorbereitungen für das Turnier, hatte die Mehrheit der Südafrikaner angegeben, dass die WM vor allem die wirtschaftliche Lage verbessern und Arbeitsplätze schaffen würde. Am Ende des Turniers, sah dies anders aus. Die meisten der Befragten waren der Meinung, dass die FIFA der größte Profiteur der WM sei, gefolgt von „den Reichen“ und Unternehmen. Mit der Frage nach Nationalgefühl und dem Zusammenwachsen der Bürger, stellte es sich anders herum dar. Vor Beginn der WM dachten lediglich 2-4%, dass sich die WM positiv auf das gemeinsame Nationalgefühl auswirken könnte, nach der WM ist durch alle ethnischen, sozialen und wirtschaftlichen Schichten hindurch, die Meinung vertreten worden, dass die WM einen positiven Effekt hatte, mehr noch als auf das wirtschaftliche Vorankommen des Landes.

Schon während der WM, und auch kurz danach noch, wurde eine mögliche Olympiabewerbung Südafrikas diskutiert. Diese wurden nun doch erst mal wieder auf Glatteis gelegt. Offiziell lautet die Erklärung, dass man sich zunächst auf die Versorgung aller mit Wasser und Strom und die einhergehende Armutsbekämpfung konzentrieren wolle. Hätte die Fußball-WM den erhofften wirtschaftlichen Effekt gehabt, dann würde man gerne wieder ein sportliches Großereignis ausrichten, um somit die Probleme im Lande schneller angehen zu können.

So, wird der Wunsch nach einem weiteren Riesenevent, den viele Südafrikaner, den besonders die wirtschaftlich und sozial schwächer angesiedelten Bürger hegen, zunächst ein Traum bleiben. Aber zwischen der Arbeit für eine bessere Zukunft des Landes, ist es erlaubt zu Träumen, um seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Dieser Artikel basiert auf die Präsentationsprüfung zum Abitur (Mai 2011) von Konstantin Schroeter.

2010sdafrika-Artikel zum FIFA-Südafrika-Verhältnis:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel zu WM-Ausgaben:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel zum Bilbao-Effekt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/„bilbao-effekt“-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

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„Weltneugier“ berichtet übers Südafrika-Portal

Ghassan Abid im Interview mit Weltneugier

Wir hatten ja in der letzten Woche bereits einen Gastartikel von Ghassan Abid für unsere Themenwochen Südafrika veröffentlicht. Heute möchte die Weltneugier den Herausgeber und die Arbeit des Webportals „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ etwas näher und ausführlicher vorstellen. Zunächst ein paar Worte zur Arbeit des Webportals. Abid und seine Redaktion sind mit dem Anspruch angetreten, anhand von Analysen, Beobachtungen und Hintergrundberichten das Land am Kap der guten Hoffnung seinen Lesern näher zu bringen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem deutschen Engagement in Südafrika, wobei die Redaktion insgesamt fünf thematische Ressorts bedient: Business, Kultur & Gesellschaft, Literatur & Wissenschaft, Politik sowie dieses Jahr vor allem auch die WM 2010.

Gerade aufgrund des aktuell sehr großen Interesses an Südafrika konnte man innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Kooperationen mit Institutionen der Öffentlichen Verwaltung, Medien, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft aus Deutschland und Südafrika etablieren.

Wir hatten in den letzten Tagen die Möglichkeit mit Herrn Abid ein kleines Interview per E-Mail zu führen, in dem wir ihn zu verschiedenen Punkten hinsichtlich des Themas Südafrika befragt haben. Und natürlich wollten wir auch wissen, welches Team er als WM-Favoriten sieht 😉 (…) aber lest selbst, was er zu berichten hat.

© Screenshot: Südafrika-Portal bei Weltneugier/ Stepin GmbH

Hallo Herr Abid. Vielen Dank, dass Sie sich etwas Zeit für uns und unsere Fragen genommen haben. Erzählen Sie doch bitte zunächst etwas über sich und Ihren Werdegang.

Guten Tag. Ich bin studierter Diplom-Politikwissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt Südafrika in Kombination mit deutscher Außenpolitik. Ich absolvierte in den Jahren 2008 bis 2009 mehrere Arbeitseinsätze bei deutschen Regierungsinstitutionen in Südafrika und nach meiner Rückkehr in Deutschland, führte ich unabhängig von meinen praktischen Erfahrungen umfangreiche Forschungsarbeiten durch, welche als Fachbuch unter dem Titel „Deutschlands Engagement in Südafrika: Staatliche und privatwirtschaftliche Interessen in Analyse zu den Theorien der IB“ (ISBN: 978-3-941482-63-0) veröffentlicht wurden. In der Nacht vom 29. zum 30. Januar 2010 gründete ich schließlich das Webportal „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Gegenwärtig plane ich ein weiteres deutsch-südafrikanisches Forschungsprojekt.

Wie sind Sie überhaupt zu dem Thema Südafrika gekommen bzw. was war Ihre Motivation, das Webportal zu starten?

Wer sich in Deutschland über Südafrika informieren möchte, dem stehen in erster Linie zahlreiche deutsche Medien zur Verfügung. Kritisch finde ich hierbei zwei Aspekte: Zum Einen übernimmt die überwiegende Mehrheit der Presse eins zu eins die Meldungen von Presseagenturen, namentlich der dpa. Ich finde, man sollte gemäß dem aufklärerischen Ideal von Immanuel Kant sich ganz seines eigenen Verstandes bedienen. Zum Andern lesen sich zahlreiche Artikel völlig losgelöst vom soziopolitischen und kulturellen Kontext. Diesem Anspruch kommen wir im Südafrika-Portal nach. Als Beispiel möchte ich die praktizierte Polygamie des Präsidenten Jacob Zuma mit drei Ehefrauen und einer Verlobten an seiner Seite nennen, die man durchaus kritisieren kann. Jedoch sollte man zur Kenntnis nehmen, dass die Ethnie der Zulus, dem der Präsident angehört, die Mehrehe schon allein aus der traditionellen Identität heraus beansprucht. Dieses interkulturelle Verständnis fehlt leider hierzulande zu oft und wir Deutsche neigen dazu, alles aus unserem Blickwinkel her zu bewerten.

Außerdem ist mir persönlich ganz wichtig, dass die Südafrikaner selbst öfters zu Wort kommen sollten. So haben wir im Webportal den Romanautor Roger Smith, die Künstlerin Zanele Muholi und andere interviewt. Aber auch deutschsprachige Personen behalten wir stets im Blickfeld unserer Arbeit, wie die nach Südafrika ausgewanderte Schweizer Buchautorin Barbara Brühwiler, die Afrika-Zuständige der DEUTSCHEN WELLE oder eine Praktikantin von IBM South Africa

Ein paar Fragen zur Arbeit des Portals. Seit wann gibt es „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ und wie viele Leute arbeiten in der Redaktion bzw. aus welchen Bereichen kommen die Mitarbeiter?

Die 2010sdafrika-Redaktion besteht aus einem jungen Team der verschiedenen akademischen Disziplinen, teilweise noch im Studium. Gegenwärtig sind wir nach fünf Monaten seit Bestehen des Südafrika-Portals acht Personen, erhalten aber in Kürze von zwei weiteren Personen Verstärkung, da die Arbeit im Vorfeld der WM gewaltig ist. Unser Angebot entspringt bisweilen gemeinnütziger Natur, jedoch sind wir seit wenigen Tagen nun offiziell auf Sponsoren- bzw. Werbepartner-Suche.

Wie finanziert sich das Portal?

Das Portal ist wie bereits angesprochen noch ein gemeinnütziges Projekt, wie viele Portale zum Anfang ihres Werdeganges. Ich bin zuversichtlich, dass wir demnächst einen Sponsor finden werden, der unser Ziel hinsichtlich der Herstellung einer soziokulturellen Verbindung zwischen Berlin und Pretoria unterstützten wird. Wir verfügen über eine steigende und aktive Leserschaft und konnten in der Presse mehrfach in Erscheinung treten. Wir sind nun in der Lage, das Interesse von möglichen Sponsoren auf uns zu ziehen. Da wir vor allem viele junge Leute ansprechen, wird sich das Sponsoring auf diese Zielgruppe konzentrieren.

Zurück zum Thema Südafrika. Gerade im Vorfeld der WM scheint die allgemeine Wahrnehmung Südafrikas in Deutschland ja zwischen traumhaftem Urlaubsziel und einem der gefährlichsten Länder der Welt zu pendeln. Gerade in Bezug auf den zweiten Aspekt wird immer wieder auf die hohe Kriminalitätsrate und die innenpolitischen Turbulenzen bzw. gesellschaftlichen Spannungen verwiesen. Woher denken Sie kommt diese Divergenz und inwiefern würden Sie sagen, dass Aspekte der beiden Positionen der Realität entsprechen?

Unser Webportal trägt den Namen „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Dieser im Titel abgeleitete Gegensatz entspringt der Apartheid, welche mit den ersten demokratischen Wahlen von 1994 offiziell ihr Ende fand. Inoffiziell jedoch bestimmen nach wie vor verschiedene Entwicklungsprozesse das Land Südafrika. Wenn man sich nur Johannesburg mit seinen gegenwärtig 3,9 Millionen Einwohnern anschaut, dann wird schnell ersichtlich, dass im Norden dieser Metropole vor allem weiße und wohlhabende Bürger leben, etwa in den Stadtteilen Sandton und Parktown, während im Süden der Stadt vor allem Bedürftige und Arme (über)leben müssen, etwa in Hillbrow oder Soweto.

Die Apartheid hat die Weichen für die heutigen Probleme des Landes gestellt, welche übrigens als diesbezügliche Annahme in den Politikwissenschaften weitgehender Konsens ist. Die Wahrnehmung Südafrikas wird auch innerhalb der südafrikanischen Gesellschaft differenziert aufgefasst. Während vor allem Weiße ihre Heimat mit viel Pessimismus begegnen, verknüpfen vor allem junge Schwarze mit dem Modernen Südafrika viel Hoffnung; zumindest noch. Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Einschätzung fragen, dann würde ich sagen, dass das Land noch erhebliche Defizite zu bewerkstelligen hat. Deutschland tritt hierbei nach der Europäischen Union als wichtigster entwicklungspolitischer Partner der „Regenbogennation“ auf.

Die angesprochene Kriminalität erweist sich als ein kleines Mosaik zu den zahlreichen Herausforderungen der jungen Demokratie. Diese dramatische Sicherheitslage spiegelt sich vor allem in Johannesburg wieder, mit dem Ruf der gefährlichsten Stadt der Welt, wo die Zahl der Morde die der Verkehrstoten übersteigt! Immer mehr gut ausgebildete Südafrikaner entziehen sich dieser Unsicherheit und wandern zum Nachteil des nationalen Arbeitsmarktes ins Ausland ab, welches in Fachkreisen als „brain drain“ bezeichnet wird.

Wenn man sich etwas näher mit der Bedeutung der WM 2010 für das Land beschäftigt, zeigt sich, dass die öffentliche Meinung in Südafrika immer kritischer dem Fifa Turnier gegenübersteht. Wie schätzen Sie die Bedeutung der WM ein – eher eine Chance für das Land oder nur eine Großveranstaltung, die Südafrika eigentlich nichts außer modernen Stadien und ein paar Touristen bringen wird?

Als Wissenschaftler und Online-Journalist obliegt es mir, sämtliche Informationen nach ihrem Wahrheitsgehalt zu überprüfen; konkret nach den Kriterien Reliabilität und Validität zu bewerten. Die WM-Organisatoren gehen davon aus, dass dieser Sport-Event ein wirtschaftlicher Gewinn für Südafrika sein wird. Jedoch kann diese Erwartungshaltung auf Basis statistischer Zahlen wohl nicht bestätigt werden. Wolfgang Männing, Professor für Ökonomie an der Universität Hamburg, geht seit Jahren genau dieser Fragestellung nach. Seinen Berechnungen und Beobachtungen zufolge, wird die WM 2010 kaum positive Effekte auf die Volkswirtschaft Südafrikas entfalten können.

Erfahrungsgemäß werden bei Mega-Events, wie der Fußball-EM 2004 in Portugal oder der Fußball-WM 1998 in Frankreich, beispielsweise sämtliche Hotelbuchungen innerhalb des betreffenden Jahreszeitraumes unmittelbar zeitnah an der Sportveranstaltung in Erwägung gezogen. Dieses Phänomen wird als „Time-Switching“ bezeichnet. Auch sind bei der WM 2006 in Deutschland kaum spürbare Umsätze im Tourismus, in der Gastronomie, beim Einzelhandel bzw. Handel zu beobachten gewesen. Der „couch potatoe-Effekt“ besagt, dass sämtliche Branchen einer Volkswirtschaft zumindest für den Zeitraum des Mega-Events eher Gewinneinbrüche zu bewältigen haben, da sich das gesellschaftliche Leben für diese wenigen Wochen verstärkt in den privaten Lebensbereich umverlagert.

Zu Südafrika kann ich hinzufügen, dass die erwarteten 500.000 Besucher aus Übersee, wie 2009 von der südafrikanischen Regierung erhofft, nun ganz aktuell auf 350.000 Gäste abgesenkt wurde. Ich persönlich pflege enge Kontakte nach Südafrika, auch zu Hoteliers, die mir ihre Enttäuschung zu leerstehenden Zimmern nicht vorenthalten konnten. Das einzig Positive dieser WM speziell für das Land Südafrika wird die Tatsache sein, dass die verschiedenen Ethnien, Hautfarben und Kulturen miteinander feiern, lachen und diskutieren werden – wie es bei der Rugby-WM 1995 bereits zu beobachten war.

In Anbetracht der Apartheid erweist sich dieser Umstand als wichtiger denn je. Auch bewerte ich die Infrastrukturmaßnahmen in den WM-Ausrichterstädten für sinnvolle Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, vor allem für die Stadtentwicklung Johannesburgs.

In Bezug auf die WM wird auch immer wieder die Bedeutung des Turniers für den gesamten afrikanischen Kontinent hervorgehoben. Als Beispiel könnte man hier die Aussagen des ehemaligen Präsidenten Thabo Mbeki während der letzten Bewerbungsrunde vor dem Fifa-Komitee im Mai 2004 nehmen. Würden Sie dieser Bedeutung zustimmen?

Durchaus! Die WM 2010 ist deshalb eine afrikanische WM, weil diese zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. Die Afrikanische Union, als Abbild zur EU, hat diese WM bereits zum gesamtafrikanischen Spektakel erklärt. Mich persönlich würde interessieren, wie viele Fußball-Fans aus welchen Staaten Afrikas nach Südafrika anreisen werden. Leider liegen mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Statistiken zu den erwartenden afrikanischen WM-Fans vor.

Bevor wir zum Schluss kommen – natürlich noch die Frage, wer Ihr Favorit für den WM-Titel ist?

Die meisten Interviewten im Südafrika-Portal haben uns bezüglich dieser Frage die Antwort „Deutschland oder Südafrika“ gegeben. Diese Standardaussage will ich nicht treffen, zumal ich mehrere Favoriten gleichzeitig habe. Ich kann hierzu nur folgendes sagen – ich hoffe, dass bei dieser WM auf dem afrikanischen Kontinent die afrikanischen Mannschaften besser abschneiden können, als in der Vergangenheit; also Südafrika, Ghana, Nigeria, Elfenbeinküste, Kamerun und Algerien. Deutschland und Frankreich drücke ich aber auch die Daumen!

Zum Abschluss. Haben Sie konkrete Pläne oder Ziele, die Sie mit dem Webportal in naher Zukunft erreichen wollen?

Als Herausgeber des Südafrika-Portals muss ich stets neue Pläne parat haben und mit peppigen Ideen meine Redaktion bei Laune halten. Auf jeden Fall wollen wir einen Sponsor bzw. Werbepartner von unserem Webportal überzeugen. Ferner möchten wir die Anzahl unserer Redaktionsmitglieder von bald zehn bis zum Ende des Jahres auf zwanzig erhöhen, um das Arbeitspensum so besser verteilen zu können.

Außerdem ist uns wichtig, unsere bisherige Leserschaft und Pressepartner halten und weitere hinzugewinnen zu können. Dem kommen wir nach, indem wir verstärkt mit dem Who-is-Who in den deutsch-südafrikanischen Beziehungen sprechen, neue Bewegungen der Kulturszene aufdecken und Dinge thematisieren, die durch die Presseagenturen für nichtig gehalten werden.

Mein ganz persönlicher Traum wäre es, eines Tages das Aushängeschild Südafrikas in Hollywood interviewen zu dürfen; Charlize Theron.

Viel Erfolg mit dem Projekt und vielen Dank. P.S.: Und übermitteln Sie unsere Grüße an Frau Theron. 😉

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Artikel bei Weltneugier/ Stepin GmbH veröffentlicht:

http://www.stepin.de/weltneugier/interview-mit-ghassan-abid-suedafrika-land-der-kontraste/

Johannesburg im Architektur-Boom

Luyanda Mpahlwa, Architekt und Mitglied des Organisationskomitees der FIFA

(Autor:  Ghassan Abid)

© Architekt Luyanda Mpahlwa (Quelle: http://www.dbretschneider.de)

Heute in 25 Tagen wird die Spielbegegnung zwischen Bafana Bafana und der mexikanischen Nationalmannschaft im Soccer City Stadion in Johannesburg angepfiffen und die Fußball Weltmeisterschaft 2010 auf diesem Wege ihre Eröffnung finden. Beachtliche Summen hat die südafrikanische Regierung in die Infrastruktur des Landes investiert, doch ungeklärt bleiben die tatsächlichen Auswirkungen dieses Sportspektakels auf die Entwicklung der neun Ausrichterstädte.

Luyanda Mpahlwa, Architekt und Mitglied des „South African Local Organising Committee“ der FIFA in Südafrika, diskutierte während seines Berlin-Aufenthaltes im Mai 2010 mit uns Chancen und Herausforderungen der Fußball-Weltmeisterschaft für die größte Stadt Südafrikas: Johannesburg.

„Johannesburg ist eine Stadt, wo jeder Gold sucht“
Luyanda Mpahlwa erläuterte seine Arbeit im südafrikanischen Organisationskomitee, wonach Stadienfertigstellung, Kostenmanagement und die Erfüllung von FIFA-Richtlinien seine drei zentralen Anliegen waren. Geprägt von seinen Erlebnissen als Beobachter vor und nach der WM 2006 in Deutschland, erläuterte er die historische Entwicklung Johannesburgs. Als anfängliche Goldgräberstadt wurde Johannesburg 1886 offiziell gegründet und erhielt 1928 den Status einer Stadt. Mit gegenwärtig 3,9 Millionen Einwohnern und 13 gesprochenen Sprachen auf 1.645 km² Fläche, wächst diese Metropole hinsichtlich der Einwohnerzahl jährlich um 2,5 Prozent an.

Gegenwärtige Stadtentwicklung Johannesburgs durch die Apartheid geprägt

© Innenstadt von Johannesburg

Das besondere an dieser Stadt ist, dass diese mit Old Downtown, Sandton und dem Central Business District (CBD) gleich drei Zentren anzubieten hat, im Gegensatz zu Shanghai beispielsweise, welche nur ein Zentrum aufweist. „Der Immobilienmarkt bestimmt, wie sich die Stadt entwickelt“, begründete Mpahlwa diese Entwicklung, welche in Johannesburg deutlicher zu beobachten sei, als sonst wo in Südafrika. Zahlreiche Unternehmen verließen infolge der hohen Kriminalitätsrate die Innenstadt (CBD) und wanderten dementsprechend in den Norden Johannesburgs ab, während die sozialschwache Bevölkerung, mehrheitlich Bewohner aus den Townships, es vorzogen sich in der Innenstadt niederzulassen. Diese doppelte Migrationsbewegung ist vor allem im Hinblick auf die Apartheid zu bewerten. Denn der Norden mit seinen noblen Stadtteilen, z.B. Sandton oder Parktown, wird hauptsächlich durch weiße und wohlhabende Südafrikaner aufgesucht, während im Süden, z.B. Hillbrow oder Soweto, mehrheitlich Schwarze und Bedürftige leben müssen. Mpahlwa hob hervor, dass entlang der Autobahn M 1 eine große Wohndichte zu lokalisieren ist, die vor allem Arme mit  schwarzer Hautfarbe anzieht.

Bus Rapid Transit als große Chance
Lobenswert sind nach Ansicht Mpahlwas die zahlreichen Architekturprojekte in Johannesburg, etwa das „New Commercial Centre“, einem Business-Komplex in Sandton und das „Melrose Arch“, ein Wohn- und Shopping-Areal, welches als „Experimental New Urbanism“ Johannesburg ein neues Stadtbild verschaffen wird. Ebenfalls sei zur Kenntnis zu nehmen, dass in Johannesburg Projekte des „Inner City Regeneration“ umgesetzt werden, wonach in öffentlichen Gebäuden erneuerbare Energien ihren Einzug finden, wie z.B. beim Verfassungsgerichtshof (Constitutional Court of South Africa). Die „city squares“, das Einrichten von großen unbebauten Plätzen, ist jedoch nach seiner Ansicht zu bemängeln, „da man damit nicht umgehen kann“ und eine Kulturbelebung somit nicht möglich sei. Insbesondere die neuen Verkehrssysteme würden Johannesburg aus stadtentwicklungspolitischer Sicht wichtige Impulse verschaffen. Das für die Weltmeisterschaft eingerichtete „Transport Interchange“ oder „Bus Rapid Transit System (BRT)“ sind für die gesamte Entwicklung dieser Metropole als Chance aufzufassen, zumal beim letzteren die Stadtteile Sandton, Innenstadt und Soweto somit zum ersten Mal unmittelbar miteinander verbunden sind. Außerdem führte Mpahlwa einige „Legal Projects“ des Weltfußballverbandes FIFA an, vor allem das „Foot Centre in Soweto“ mit seinen vier Fußballfeldern, welches von bis zu 1.200 Clubs genutzt werden kann.


Ellis Park Stadion wird größte Auswirkung auf Stadtentwicklung entfalten
Das Soccer City Stadion in Soweto, als wichtigste WM-Stätte des Landes, ist für 4 Milliarden Rands gebaut worden, während das Ellis Park Stadion aufgrund von Umbaumaßnahmen Kosten in Höhe von 230 Millionen Rands veranschlagte. Bedingt durch die geographische Lage des Ellis Park Stadions, wird dieses nach Einschätzung Mpahlwas die größte Auswirkung auf die Entwicklung der Stadt Johannesburg entfalten.

Das Mitglied im South African Local Organising Committee der FIFA schloss seine Expertise hinsichtlich der WM-Vorbereitungen seines Landes äußerst optimistisch ab: „Ich bin ganz sicher, dass es [die WM] ein Erfolg werden wird, da alle Maßnahmen getroffen wurden, die nötig waren“.

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2010sdafrika-Artikel auf Kap Express veröffentlicht:

http://www.kapexpress.com/index.php?option=com_k2&view=item&id=254:johannesburg-im-architektur-boom

Mit freundlicher Unterstützung des Fotografen Danilo Bretschneider: www.dbretschneider.de.

 

„Bilbao-Effekt“ bestimmt Erfolg sportlicher Events

Wolfgang Männing, Professor für Ökonomie an der Universität Hamburg, über WM-Effekte

(Autor: Ghassan Abid)

Am 11. Juni 2010 ist es soweit, wenn im Johannesburger Soccer City Stadion das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko angepfiffen wird. Für vier Wochen wird die mediale Aufmerksamkeit ununterbrochen auf die Regenbogennation, wie es mal der Erzbischof und Nobelpreisträger Desmond Tutu formuliert hatte, gerichtet sein. Doch was bringt die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 konkret für Südafrika? Welche Gewinne kann das Land für sich ziehen? Was bedeutet dieses Sportspektakel für die nationalen Unternehmen? Kann das Ausrichterland längerfristig hiervon profitieren? Nehmen vielleicht die sozialen Spannungen im Lande ab? Hierüber sind sich Experten uneinig.

Wenn man sich jedoch mit den Expertisen der Wissenschaft auseinandersetzt, dann fällt eines auf. Die Effekte der FIFA-WM für Südafrika werden nicht so rosarot ausfallen, wie es gegenwärtig die Politik und der Weltfußballverband für richtig halten. Eine dieser Meinungen stammt von Wolfgang Männing, Professor für Ökonomie an der Universität Hamburg, der mit uns über die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Fußball-Weltmeisterschaft auf Südafrika diskutierte.

Effekte von Mega-Events auf Südafrika

© Prof. Wolfgang Männing (Quelle: http://www.dbretschneider.de)

Wolfgang Männing betonte die Bedeutung der Weltmeisterschaft für Südafrika, deutete jedoch auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ernüchternde Auswirkungen der WM auf das Kapland an. Demnach müsse man die Effekte von Mega-Events nach verschiedenen Auswirkungsperioden differenzieren: Kurzfristige Effekte, Imageeffekte und stadtökonomische Effekte.

Die kurzfristigen Effekte der WM, etwa die erwarteten 400.000 Besucher aus Übersee, stellen für die Volkswirtschaft Südafrikas keinen Netto-Gewinn dar. Erfahrungsgemäß werden bei Mega-Events, wie der Fußball-EM 2004 in Portugal oder der Fußball-WM 1998 in Frankreich, beispielsweise sämtliche Hotelbuchungen innerhalb des betreffenden Jahreszeitraumes unmittelbar zeitnah an der Sportveranstaltung in Erwägung gezogen. Dieses Phänomen wird in Fachkreisen als „Time-Switching“ bezeichnet.
Auch sind bei der WM 2006 in Deutschland kaum spürbare Umsätze im Tourismus, in der Gastronomie, beim Einzelhandel bzw. Handel zu beobachten gewesen. Der „couch potatoe-Effekt“ besagt, dass sämtliche Branchen einer Volkswirtschaft zumindest für den Zeitraum des Mega-Events eher Gewinneinbrüche zu bewältigen haben, da sich das gesellschaftliche Leben für diese wenigen Wochen verstärkt in den privaten Lebensbereich umverlagert.

Imageeffekte und Bilbao-Effekt wichtig für Stadtentwicklung

Männing bemängelt die überhöhten Preise bei Hotels, innerafrikanischen Flügen und Stadien. Dementsprechend sind nur 20.000 Tickets nach Deutschland verkauft worden. Kritisch sei ebenfalls der Auktionscharakter der FIFA, ein Monopolist des kommerziellen Fußballs, da die betreffenden Zuschläge an Geschäftspartner meistens mit unternehmerischen Verlusten verbunden sind. Jedoch bringen Imageeffekte für das WM-Land unerschwingliche Feel-Good-Vorteile, etwa wie bei der WM 2006, die als „Sommermärchen“ in Erinnerung bleiben. Nach der Studie „GMI-Anholt Nations Branch Index“, wonach 17 Kriterien zur Imagewahrnehmung einer Nation gemessen werden, konnte sich Deutschland durch die WM im eigenen Land hierbei verbessern.

Bei den langfristigen bzw. stadtökonomischen Effekten erläuterte Männing den sogenannten „Bilbao-Effekt“, benannt nach dem Guggenheim Museum im spanischen Bilbao, wonach eine ganze Stadt durch den Bau eines einzigen Gebäudes für sich stadtentwicklungspolitische Effekte ziehen kann.

© WM-Infrastrukturprojekte im ganzen Land

Dieses Phänomen ist auch beim Sydney Opera House oder beim Tate Gallery of Modern Art in London eingetreten. Voraussetzungen eines Bilbao-Effektes sei, dass die „Iconic Buildings“ vier Prämissen erfüllen müssen: Zentrale Lage, in der Umgebung von Gewässer, mit innovativer/unpraktischer Architektur, die zugleich provokativ wirkt. Diese ikonischen Bauwerke würden dementsprechend die Immobilienpreise ihrer Umgebung nach oben treiben, sodass dies aus volkswirtschaftlicher Sicht positiv zu bewerten ist.

Soccer City und Ellis Park Stadien werden nur begrenzte Effekte entfalten

Hinsichtlich der Einschätzung der WM-Stadien in Johannesburg betonte Männing, dass das Soccer City Stadion, welches übrigens in Form eines Topfes errichtet wurde, nur begrenzte positive Effekte auf die Stadt entwickeln wird, da es nicht an einem Gewässer errichtet wurde: „Gutes Design an falscher Stelle“. Das Ellis Park Stadion hingegen befinde sich in einer guten Lage, verfüge jedoch über ein schlechtes Design – also das genaue Gegenteil vom Soccer City Stadion. Daher wird zumindest in Johannesburg der Bilbao-Effekt ausbleiben. Abschließend hielt der Hamburger Professor fest, dass bei der WM 2010 in Südafrika keine kurzfristigen und längerfristigen Effekte erwartet werden könnten, jedoch dieses Mega-Event eine große Chance für das Reiseziel Südafrika darstelle.

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2010sdafrika-Artikel auf Business-On veröffentlicht:

http://www.business-on.de/mega-event-suedafrika-wm-2010-wolfgang-maenning-_id24074.html

Mit freundlicher Unterstützung des Fotografen Danilo Bretschneider: www.dbretschneider.de.