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Multimedia projects by Louis Vorster

Interview about multimedia design, South African photography and arts

(Editor/ Autor: Ghassan Abid)

Deutsche Interview-Zusammenfassung:

© Louis Vorster, Südafrikas bekanntester Werbefotograf

Vodacom, Nike oder The South African Airways – die südafrikanischen und ausländischen Konzerne haben bei der Beauftragung von Werbekampagnen einen Ansprechpartner: Louis Vorster. Vorster zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Fotografen Südafrikas. Einst unterrichtete er Studenten im Studiengang  Multimedia Design, nun liebt er es, den Menschen in Bilder einzufangen. Seine Inspiration erhält er aus Deutschland, von den Fotografen Wolfgang Tillmans und Jürgen Telle. Vorster hält fest, dass sich in Südafrika keine homogene Fotografieszene entwickelt hat, sondern vielmehr verschiedene Stile entstanden sind. Umso trauriger ist es, dass die gegenwärtige Regierung des Landes keine Förderung der Fotografen für wichtig erachtet, obwohl diese – nachgewiesen in den USA – als eigene Wirtschaftsbranche zum BIP beisteuern kann. Die kontrovers diskutierte künstlerische Arbeit seiner schwarz-lesbischen Kollegin Zanele Muholi, die die Intimität von Frauen abbildet, verteidigt er.

2010sdafrika-editorial staff: We welcome on „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ – the German gateway to South Africa – the South African commercial portrait photographer Louis Vorster. You studied Industrial Design in Johannesburg and Cape Town. One day you switched to photography, for which reason and why photography?

Answer: In the late 90’s after I graduated in Industrial design I drifted into multimedia design and for 2 years taught multimedia design. At the university where I taught, our department shared a building with the photography department, I found myself spending more time at the photography department creating content for multimedia projects than designing the actual projects. After my two years teaching, I decided I wanted to be a professional photographer and assisted other photographers for a couple of years.

2010sdafrika-editorial staff: You are known for your expressive portraits. What does it mean for you from artistic viewpoint to photograph people?

Answer: I find it easier to express myself as a photographer when I photograph people as opposed to when I shoot landscapes or still lives, not only because people can be directed but because people move me more than other subjects, I like people.

2010sdafrika-editorial staff: South Africa is becoming more and more an global player in arts. However, the United States are the leading nation in photography. Is the South African government supporting their photographers by funding or connecting?

Answer: No, I think generally our goverment and individuals representing the goverment don’t understand the role or importance of photographers. Fine art, commercial  or press photographers. 

2010sdafrika-editorial staff: You still haven´t in Germany yet. What do you think about Germany as a country and about German arts. Which impressions do you have from this nation and Germans?

Answer: This is an interesting question because my documentary work is influenced by two German photographers more than anything else, Wolfgang Tillmans and Juergen Teller. Both of them are very well known, I have looked at their work since 2001. 

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Please note: All arts are property and under copyright licence of Louis Vorster.

2010sdafrika-editorial staff: You worked already for several big enterprises, like Vodacom, Nike or The South African Airways. On the one hand, you are producing portraits. On the other hand, you are capturing pictures from landscapes, music events and polaroids. Your collection „Portraits #1“ is really interesting – what is your message to the public?

Answer: Smile!

2010sdafrika-editorial staff: In the past, we have interviewed Zanele Muholi, a lesbian black photographer from Durban. She told us, that photographer will be in social trouble, if they are focussing on intimacy. Does the South African society being ready for ´spunky´ arts?

Answer: South Africa is such a diverse society. Communities not only range from liberal to conservative but we also have different cultural backgrounds. Topics that may be everyday conversation in one community could be a big taboo in others. Unfortunately some people will always be blinded by the subject matter of a photograph to such an extent that they will never be able to appreciate any other value that the work may have. Artists like Zanele Muholi face challenges not always understood by us who express and present our work to more liberal (and tolerant) audiences.

2010sdafrika-editorial staff: Which upcoming projects are you preparing?

Answer: I started shooting a documentary on violence under farm workers in the Cape winelands about a year ago, I would like to push this project a bit harder and maybe realize it in the next few months.

2010sdafrika-editorial staff: Which dreams would you like to realize?

Answer: I would like to shoot a big documentary, something I can sink my teeth into. Something important that will keep me occupied for 6 months to a year. Also. I would like to get paid for it. 

2010sdafrika-editorial staff: Louis Vorster, portrait photographer from Cape Town in South Africa, thank you very much for this interview!

2010sdafrika-article to photographer Roger Ballen:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/03/20/photos-with-reflection-on-the-psyche-roger-ballen-in-interview/

„Kultur-in-Potsdam.de“ berichtet übers Südafrika-Portal

„SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ –  ein Projekt der politischen Bildungs- und Kulturarbeit

Das gemeinnützige Portal „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ – kurz: Südafrika-Portal – beobachtet, berichtet und analysiert Sachverhalte der Republik Südafrika, unter Einbeziehung deutschen Engagements in der jungen afrikanischen Demokratie am Kap der guten Hoffnung.

Hintergründe, Fakten und Meinungen werden für die deutschsprachige Leserschaft und Presseinstitutionen aufbereitet und zur Verfügung gestellt. Hierbei deckt das Südafrika-Portal fünf Ressorts ab:
1.) Business,
2.) Kultur und Gesellschaft,
3.) Literatur und Wissenschaft,
4.) Politik und
5.) Sport.

© Screenshot: Südafrika-Portal auf "KulturinPotsdam.de"

Hierbei werden zwei Ziele verfolgt: Einerseits soll mit dem Südafrika-Portal die Bereitstellung von Informationen zu Südafrika erfolgen, unter Einbeziehung deutschen Engagements – eine Aufklärungsarbeit für deutschsprachige Bürger. Die Öffentlichkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiß nach wie vor trotz der Weltmeisterschaft 2010 zu wenig über Land, Leute, Hintergründe und aktuelle Geschehnisse im südlichen Afrika, sodass sich dieses auf PHP-basierende Blog als ein Projekt der Bildungsarbeit etablieren konnte und einer großen Beliebtheit erfreut.

Neben der Komponente der Bildungsarbeit, hat sich als zweite Zielvorstellung der interkulturelle Austausch zwischen der deutschen und südafrikanischen Gesellschaft herauskristallisiert. Führende südafrikanische und deutsche Promis sind im Portal bereits in Erscheinung getreten und thematisierten unter anderem ihre Perzeption von Deutschland bzw. von Südafrika. Die Kommunikation mit Persönlichkeiten der deutsch-südafrikanischen Beziehungen ermöglichte der 2010sdafrika-Redaktion, dem ehrenamtlichen Betreiber-Team, einen weiteren Zuwachs in Popularität. Hier eine Auswahl der Promis, die sie interviewen durften:

© Ghassan Abid mit Kindern der Provinz Limpopo

– Schriftsteller: Roger Smith
– Band: Freshlyground
– Fotokünstlerin: Zanele Muholi
– Graffiti-Künstler: Falko Starr
– Topmodel: Sam Pegg
– Band: The Parlotones
– Maler: Mbongeni Buthelezi
– Politiker: Oliver Krischer
– Filmregisseur: Teboho Edkins
– Journalistin: Ute Schaeffer und andere.

Das wichtigste Resultat ihrer Arbeit besteht demnach darin, in erster Linie die deutsche Öffentlichkeit über sämtliche Ereignisse auf der staatlichen und nicht-staatlichen Ebene in der Regenbogennation zu informieren sowie zur Diskussion anzuregen. Auch die interkulturelle Kulturvermittlung liegt in ihrem Fokus, sodass sie auf Südafrika bezogene Veranstaltungen verstärkt in Potsdam und Berlin aufsuchen.

Für das kommende Jahr 2011 möchten sie ihr Engagement ausbauen und professionalisieren. Das heißt, dass sie eine eigene hochwertige Webseite entwickeln möchten und sich zusätzlich als gemeinnützigen Verein beim Amtsgericht eintragen lassen wollen. Auch sind sie bestrebt eine finanzielle Grundlage zur dauerhaften Absicherung ihrer Arbeit zu etablieren. Für diesen ressourcenintensiven Prozess in punkto Geld und Zeit braucht das Team von Ghassan Abid, Südafrika-Forscher und Initiator dieses Mediums, noch weitere Partner und Mitwirkende, sodass jeder diesbezügliche Kooperationsvorschlag höchst willkommen ist!

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Artikel bei Kultur-in-Potsdam.de veröffentlicht:

http://www.kultur-in-potsdam.de/kultur-international/648-suedafrika-land-der-kontraste.html

Südafrika-Portal bei „Weltneugier“

Das Südafrika-Portal ist zum Chamäleon mutiert

© Südafrika-Portal mutiert zum Chamäleon (Quelle: Wikimedia)

Das Südafrika-Portal  ist weiterhin am Wachsen, muss sich jedoch zahlreichen neuen und schwierigen Herausforderungen stellen. Während mit dem Ende der Fußball-WM 2010 einige unserer Partner den Betrieb ihrer Webseite eingestellt haben, verzeichnen wir weiterhin ein Interesse an unserem Webangebot. Mit Kreativität, angesagten Ideen und spannenden Themen halten wir die Neugier auf  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aufrecht. Das Südafrika-Portal muss hierbei wie ein Chamäleon auftreten. Zum Ersten benötigen wir einen regelmäßigen Farbwechsel, also eine ständige Design-Aktualisierung und technisch-konzeptionelle Transformation. Zum Zweiten müssen wir wie das Chamäleon unsere Schleuderzunge nach der Beute schneller ausfahren, schneller und aktueller über Ereignisse in Südafrika berichten. Zum Dritten sind wir wie der Wurmzüngler, wie das Chamäleon auch gerne bezeichnet werden, mit einem guten Sehvermögen ausgestattet, um stets interessante Themen aufgreifen zu können. Und zum Vierten verharren wir oft in einer verteidigungsähnlichen Stellung.

Konkret kann dieses Chamäleon-Verhalten wie folgt dem Portal entnommen werden:

Zum Beispiel errichteten wir im September 2010 eine neue Rubrik unter dem Titel „Interviews„. Hier sind alle Promis der deutsch-südafrikanischen Beziehungen aufgelistet, welche dem Südafrika-Portal als Interviewpartner zur Verfügung standen. Falko Starr (Graffiti-Künstler), Oliver Krischer (Bundestagsabgeordneter), Teboho Edkins (Filmregisseur), Zanele Muholi (Fotokünstlerin), Roger Smith (Krimiautor) und andere befragten wir zu ihrer Arbeit und zum deutsch-südafrikanischen Verhältnis – mit teils interessanten Antworten. Ferner haben wir nun eine Archivierung unserer monatlichen Umfragen etabliert, ganz dem ersten Charakter des Chamäleons – dem Farbwechsel.

Inhaltlich nehmen wir nach wie vor kein Blatt vor den Mund und sagen, was wir zu bestimmten Ereignissen in Südafrika denken. Die Fußball-WM ist nun einige Monate her, sodass wir uns in der Redaktion die Frage gestellt haben, ob die überaus positive Bewertung der WM seitens der deutschen Presse wirklich so positiv eingetreten ist?

© Screenshot: Südafrika-Portal bei Weltneugier/ Stepin GmbH

Wir sind dem nachgegangen und haben hierzu zwei Artikel verfasst, einen zu den Statements der südafrikanischen Regierung und einen aus der Sicht von NGOs sowie eigenen Recherchen. Während der Finanzminister Südafrikas, Pravin Gordhan, keinen Zweifel bei den mittelfristigen positiven Effekten der WM für Südafrikas Entwicklung aufkommen ließ, sind unsere Recherchen auf ganz andere Ergebnisse gestoßen. Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wolfgang Männing glaubt einerseits weniger an einem volkswirtschaftlichen Nutzen der WM für Südafrika, da Mega-Events wie die Weltmeisterschaft keinen Netto-Gewinn für den Ausrichter darstellen; wie von vielen Menschen fälschlicherweise angenommen. Andererseits haben wir das FIFA-Vertragsrecht mal genauer mit verschärftem Sehvermögen unter die Lupe genommen und mussten mit großer Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass das Ausrichterland Südafrika eher Ausgaben als Einnahmen zu verzeichnen hat. Der wahre fiskalische Profiteur der WM ist der Schweizer Weltfußballverband FIFA, welcher mit der WM zwischen zwei bis drei Milliarden Dollar einkassieren konnte. Sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen fallen hierbei zum Beispiel ausschließlich in den Topf dieses „gemeinnützigen“ Verbandes, während die südafrikanische Regierung allein für die nationale Ebene drei Milliarden Euro an Kosten für Infrastruktur- und Sicherheitsmaßnahmen erbringen musste und dementsprechend beim Ausrichter ein negatives Bilanzdefizit aufgetreten ist. Ferner ist zu bemängeln, dass nicht nur der offizielle WM-Song im Vorfeld dieses Wettbewerbs an keinen (süd)afrikanischen Künstler vergeben wurde – was übrigens für sehr viel Unmut beim südafrikanischen Volk sorgte – sondern auch sämtliche WM-Produkte wie Maskottchen, Trikots oder Fußbälle in Asien produziert wurden. Zusätzlich sind viele Jobs, die mit dem Bau der Stadien in Zusammenhang standen, nun weggefallen.

Kurz – die WM erweist sich als ein großartiges und interkulturelles Gemeinschaftsprojekt, jedoch weniger als eine Veranstaltung mit Nachhaltigkeitsfaktor für Volk und Volkswirtschaft. Der wahre Gewinner der WM ist demnach nicht das Ausrichterland Südafrika, sondern allein die FIFA, wie es auch bei der WM 2006 in Deutschland der Fall gewesen ist. Unsere schnelle Schleuderzunge und das ausgeprägte Sehvermögen hatten schließlich zur Konsequenz, dass wir zustimmende und ablehnende Rückmeldung von Deutschen und Südafrikanern erhalten haben. Ein gemischtes Echo ist per se ein gutes Zeichen, denn da weiß man, dass man alles richtig gemacht hat. (:

Mit diesen vier Eigenschaften des Chamäleons werden wir weiterhin das Südafrika-Portal lebendig halten. Jedoch bleibt nach wie vor unsere größte Herausforderung, Sponsoren oder Spender zu finden, die dieses interkulturelle und lebendige Projekt unterstützen möchten. Ansonsten müssen wir weiterhin in der Verteidigungsstellung ausharren und unsere Aktivitäten limitieren – halt wie ein Chamäleon!

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Artikel bei Weltneugier/ Stepin GmbH veröffentlicht:

http://www.stepin.de/weltneugier/gastartikel-das-suedafrika-portal-ist-zum-chamaeleon-mutiert/

2010sdafrika-Artikel – Finanzminister Gordhan bekräftigt WM als Gewinn für Südafrika:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel – Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel – „Bilbao-Effekt“ bestimmt Erfolg sportlicher Mega-Events:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/%E2%80%9Ebilbao-effekt%E2%80%9C-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

„Weltneugier“ berichtet übers Südafrika-Portal

Ghassan Abid im Interview mit Weltneugier

Wir hatten ja in der letzten Woche bereits einen Gastartikel von Ghassan Abid für unsere Themenwochen Südafrika veröffentlicht. Heute möchte die Weltneugier den Herausgeber und die Arbeit des Webportals „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ etwas näher und ausführlicher vorstellen. Zunächst ein paar Worte zur Arbeit des Webportals. Abid und seine Redaktion sind mit dem Anspruch angetreten, anhand von Analysen, Beobachtungen und Hintergrundberichten das Land am Kap der guten Hoffnung seinen Lesern näher zu bringen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem deutschen Engagement in Südafrika, wobei die Redaktion insgesamt fünf thematische Ressorts bedient: Business, Kultur & Gesellschaft, Literatur & Wissenschaft, Politik sowie dieses Jahr vor allem auch die WM 2010.

Gerade aufgrund des aktuell sehr großen Interesses an Südafrika konnte man innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Kooperationen mit Institutionen der Öffentlichen Verwaltung, Medien, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft aus Deutschland und Südafrika etablieren.

Wir hatten in den letzten Tagen die Möglichkeit mit Herrn Abid ein kleines Interview per E-Mail zu führen, in dem wir ihn zu verschiedenen Punkten hinsichtlich des Themas Südafrika befragt haben. Und natürlich wollten wir auch wissen, welches Team er als WM-Favoriten sieht 😉 (…) aber lest selbst, was er zu berichten hat.

© Screenshot: Südafrika-Portal bei Weltneugier/ Stepin GmbH

Hallo Herr Abid. Vielen Dank, dass Sie sich etwas Zeit für uns und unsere Fragen genommen haben. Erzählen Sie doch bitte zunächst etwas über sich und Ihren Werdegang.

Guten Tag. Ich bin studierter Diplom-Politikwissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt Südafrika in Kombination mit deutscher Außenpolitik. Ich absolvierte in den Jahren 2008 bis 2009 mehrere Arbeitseinsätze bei deutschen Regierungsinstitutionen in Südafrika und nach meiner Rückkehr in Deutschland, führte ich unabhängig von meinen praktischen Erfahrungen umfangreiche Forschungsarbeiten durch, welche als Fachbuch unter dem Titel „Deutschlands Engagement in Südafrika: Staatliche und privatwirtschaftliche Interessen in Analyse zu den Theorien der IB“ (ISBN: 978-3-941482-63-0) veröffentlicht wurden. In der Nacht vom 29. zum 30. Januar 2010 gründete ich schließlich das Webportal „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Gegenwärtig plane ich ein weiteres deutsch-südafrikanisches Forschungsprojekt.

Wie sind Sie überhaupt zu dem Thema Südafrika gekommen bzw. was war Ihre Motivation, das Webportal zu starten?

Wer sich in Deutschland über Südafrika informieren möchte, dem stehen in erster Linie zahlreiche deutsche Medien zur Verfügung. Kritisch finde ich hierbei zwei Aspekte: Zum Einen übernimmt die überwiegende Mehrheit der Presse eins zu eins die Meldungen von Presseagenturen, namentlich der dpa. Ich finde, man sollte gemäß dem aufklärerischen Ideal von Immanuel Kant sich ganz seines eigenen Verstandes bedienen. Zum Andern lesen sich zahlreiche Artikel völlig losgelöst vom soziopolitischen und kulturellen Kontext. Diesem Anspruch kommen wir im Südafrika-Portal nach. Als Beispiel möchte ich die praktizierte Polygamie des Präsidenten Jacob Zuma mit drei Ehefrauen und einer Verlobten an seiner Seite nennen, die man durchaus kritisieren kann. Jedoch sollte man zur Kenntnis nehmen, dass die Ethnie der Zulus, dem der Präsident angehört, die Mehrehe schon allein aus der traditionellen Identität heraus beansprucht. Dieses interkulturelle Verständnis fehlt leider hierzulande zu oft und wir Deutsche neigen dazu, alles aus unserem Blickwinkel her zu bewerten.

Außerdem ist mir persönlich ganz wichtig, dass die Südafrikaner selbst öfters zu Wort kommen sollten. So haben wir im Webportal den Romanautor Roger Smith, die Künstlerin Zanele Muholi und andere interviewt. Aber auch deutschsprachige Personen behalten wir stets im Blickfeld unserer Arbeit, wie die nach Südafrika ausgewanderte Schweizer Buchautorin Barbara Brühwiler, die Afrika-Zuständige der DEUTSCHEN WELLE oder eine Praktikantin von IBM South Africa

Ein paar Fragen zur Arbeit des Portals. Seit wann gibt es „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ und wie viele Leute arbeiten in der Redaktion bzw. aus welchen Bereichen kommen die Mitarbeiter?

Die 2010sdafrika-Redaktion besteht aus einem jungen Team der verschiedenen akademischen Disziplinen, teilweise noch im Studium. Gegenwärtig sind wir nach fünf Monaten seit Bestehen des Südafrika-Portals acht Personen, erhalten aber in Kürze von zwei weiteren Personen Verstärkung, da die Arbeit im Vorfeld der WM gewaltig ist. Unser Angebot entspringt bisweilen gemeinnütziger Natur, jedoch sind wir seit wenigen Tagen nun offiziell auf Sponsoren- bzw. Werbepartner-Suche.

Wie finanziert sich das Portal?

Das Portal ist wie bereits angesprochen noch ein gemeinnütziges Projekt, wie viele Portale zum Anfang ihres Werdeganges. Ich bin zuversichtlich, dass wir demnächst einen Sponsor finden werden, der unser Ziel hinsichtlich der Herstellung einer soziokulturellen Verbindung zwischen Berlin und Pretoria unterstützten wird. Wir verfügen über eine steigende und aktive Leserschaft und konnten in der Presse mehrfach in Erscheinung treten. Wir sind nun in der Lage, das Interesse von möglichen Sponsoren auf uns zu ziehen. Da wir vor allem viele junge Leute ansprechen, wird sich das Sponsoring auf diese Zielgruppe konzentrieren.

Zurück zum Thema Südafrika. Gerade im Vorfeld der WM scheint die allgemeine Wahrnehmung Südafrikas in Deutschland ja zwischen traumhaftem Urlaubsziel und einem der gefährlichsten Länder der Welt zu pendeln. Gerade in Bezug auf den zweiten Aspekt wird immer wieder auf die hohe Kriminalitätsrate und die innenpolitischen Turbulenzen bzw. gesellschaftlichen Spannungen verwiesen. Woher denken Sie kommt diese Divergenz und inwiefern würden Sie sagen, dass Aspekte der beiden Positionen der Realität entsprechen?

Unser Webportal trägt den Namen „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Dieser im Titel abgeleitete Gegensatz entspringt der Apartheid, welche mit den ersten demokratischen Wahlen von 1994 offiziell ihr Ende fand. Inoffiziell jedoch bestimmen nach wie vor verschiedene Entwicklungsprozesse das Land Südafrika. Wenn man sich nur Johannesburg mit seinen gegenwärtig 3,9 Millionen Einwohnern anschaut, dann wird schnell ersichtlich, dass im Norden dieser Metropole vor allem weiße und wohlhabende Bürger leben, etwa in den Stadtteilen Sandton und Parktown, während im Süden der Stadt vor allem Bedürftige und Arme (über)leben müssen, etwa in Hillbrow oder Soweto.

Die Apartheid hat die Weichen für die heutigen Probleme des Landes gestellt, welche übrigens als diesbezügliche Annahme in den Politikwissenschaften weitgehender Konsens ist. Die Wahrnehmung Südafrikas wird auch innerhalb der südafrikanischen Gesellschaft differenziert aufgefasst. Während vor allem Weiße ihre Heimat mit viel Pessimismus begegnen, verknüpfen vor allem junge Schwarze mit dem Modernen Südafrika viel Hoffnung; zumindest noch. Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Einschätzung fragen, dann würde ich sagen, dass das Land noch erhebliche Defizite zu bewerkstelligen hat. Deutschland tritt hierbei nach der Europäischen Union als wichtigster entwicklungspolitischer Partner der „Regenbogennation“ auf.

Die angesprochene Kriminalität erweist sich als ein kleines Mosaik zu den zahlreichen Herausforderungen der jungen Demokratie. Diese dramatische Sicherheitslage spiegelt sich vor allem in Johannesburg wieder, mit dem Ruf der gefährlichsten Stadt der Welt, wo die Zahl der Morde die der Verkehrstoten übersteigt! Immer mehr gut ausgebildete Südafrikaner entziehen sich dieser Unsicherheit und wandern zum Nachteil des nationalen Arbeitsmarktes ins Ausland ab, welches in Fachkreisen als „brain drain“ bezeichnet wird.

Wenn man sich etwas näher mit der Bedeutung der WM 2010 für das Land beschäftigt, zeigt sich, dass die öffentliche Meinung in Südafrika immer kritischer dem Fifa Turnier gegenübersteht. Wie schätzen Sie die Bedeutung der WM ein – eher eine Chance für das Land oder nur eine Großveranstaltung, die Südafrika eigentlich nichts außer modernen Stadien und ein paar Touristen bringen wird?

Als Wissenschaftler und Online-Journalist obliegt es mir, sämtliche Informationen nach ihrem Wahrheitsgehalt zu überprüfen; konkret nach den Kriterien Reliabilität und Validität zu bewerten. Die WM-Organisatoren gehen davon aus, dass dieser Sport-Event ein wirtschaftlicher Gewinn für Südafrika sein wird. Jedoch kann diese Erwartungshaltung auf Basis statistischer Zahlen wohl nicht bestätigt werden. Wolfgang Männing, Professor für Ökonomie an der Universität Hamburg, geht seit Jahren genau dieser Fragestellung nach. Seinen Berechnungen und Beobachtungen zufolge, wird die WM 2010 kaum positive Effekte auf die Volkswirtschaft Südafrikas entfalten können.

Erfahrungsgemäß werden bei Mega-Events, wie der Fußball-EM 2004 in Portugal oder der Fußball-WM 1998 in Frankreich, beispielsweise sämtliche Hotelbuchungen innerhalb des betreffenden Jahreszeitraumes unmittelbar zeitnah an der Sportveranstaltung in Erwägung gezogen. Dieses Phänomen wird als „Time-Switching“ bezeichnet. Auch sind bei der WM 2006 in Deutschland kaum spürbare Umsätze im Tourismus, in der Gastronomie, beim Einzelhandel bzw. Handel zu beobachten gewesen. Der „couch potatoe-Effekt“ besagt, dass sämtliche Branchen einer Volkswirtschaft zumindest für den Zeitraum des Mega-Events eher Gewinneinbrüche zu bewältigen haben, da sich das gesellschaftliche Leben für diese wenigen Wochen verstärkt in den privaten Lebensbereich umverlagert.

Zu Südafrika kann ich hinzufügen, dass die erwarteten 500.000 Besucher aus Übersee, wie 2009 von der südafrikanischen Regierung erhofft, nun ganz aktuell auf 350.000 Gäste abgesenkt wurde. Ich persönlich pflege enge Kontakte nach Südafrika, auch zu Hoteliers, die mir ihre Enttäuschung zu leerstehenden Zimmern nicht vorenthalten konnten. Das einzig Positive dieser WM speziell für das Land Südafrika wird die Tatsache sein, dass die verschiedenen Ethnien, Hautfarben und Kulturen miteinander feiern, lachen und diskutieren werden – wie es bei der Rugby-WM 1995 bereits zu beobachten war.

In Anbetracht der Apartheid erweist sich dieser Umstand als wichtiger denn je. Auch bewerte ich die Infrastrukturmaßnahmen in den WM-Ausrichterstädten für sinnvolle Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, vor allem für die Stadtentwicklung Johannesburgs.

In Bezug auf die WM wird auch immer wieder die Bedeutung des Turniers für den gesamten afrikanischen Kontinent hervorgehoben. Als Beispiel könnte man hier die Aussagen des ehemaligen Präsidenten Thabo Mbeki während der letzten Bewerbungsrunde vor dem Fifa-Komitee im Mai 2004 nehmen. Würden Sie dieser Bedeutung zustimmen?

Durchaus! Die WM 2010 ist deshalb eine afrikanische WM, weil diese zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. Die Afrikanische Union, als Abbild zur EU, hat diese WM bereits zum gesamtafrikanischen Spektakel erklärt. Mich persönlich würde interessieren, wie viele Fußball-Fans aus welchen Staaten Afrikas nach Südafrika anreisen werden. Leider liegen mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Statistiken zu den erwartenden afrikanischen WM-Fans vor.

Bevor wir zum Schluss kommen – natürlich noch die Frage, wer Ihr Favorit für den WM-Titel ist?

Die meisten Interviewten im Südafrika-Portal haben uns bezüglich dieser Frage die Antwort „Deutschland oder Südafrika“ gegeben. Diese Standardaussage will ich nicht treffen, zumal ich mehrere Favoriten gleichzeitig habe. Ich kann hierzu nur folgendes sagen – ich hoffe, dass bei dieser WM auf dem afrikanischen Kontinent die afrikanischen Mannschaften besser abschneiden können, als in der Vergangenheit; also Südafrika, Ghana, Nigeria, Elfenbeinküste, Kamerun und Algerien. Deutschland und Frankreich drücke ich aber auch die Daumen!

Zum Abschluss. Haben Sie konkrete Pläne oder Ziele, die Sie mit dem Webportal in naher Zukunft erreichen wollen?

Als Herausgeber des Südafrika-Portals muss ich stets neue Pläne parat haben und mit peppigen Ideen meine Redaktion bei Laune halten. Auf jeden Fall wollen wir einen Sponsor bzw. Werbepartner von unserem Webportal überzeugen. Ferner möchten wir die Anzahl unserer Redaktionsmitglieder von bald zehn bis zum Ende des Jahres auf zwanzig erhöhen, um das Arbeitspensum so besser verteilen zu können.

Außerdem ist uns wichtig, unsere bisherige Leserschaft und Pressepartner halten und weitere hinzugewinnen zu können. Dem kommen wir nach, indem wir verstärkt mit dem Who-is-Who in den deutsch-südafrikanischen Beziehungen sprechen, neue Bewegungen der Kulturszene aufdecken und Dinge thematisieren, die durch die Presseagenturen für nichtig gehalten werden.

Mein ganz persönlicher Traum wäre es, eines Tages das Aushängeschild Südafrikas in Hollywood interviewen zu dürfen; Charlize Theron.

Viel Erfolg mit dem Projekt und vielen Dank. P.S.: Und übermitteln Sie unsere Grüße an Frau Theron. 😉

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Artikel bei Weltneugier/ Stepin GmbH veröffentlicht:

http://www.stepin.de/weltneugier/interview-mit-ghassan-abid-suedafrika-land-der-kontraste/

Exklusiv-Interview mit Zanele Muholi

Im exklusiven Hintergrundgespräch mit der wohl provokantesten Künstlerin Südafrikas

(Autor: Ghassan Abid)

© Künstlerin Zanele Muholi

Zanele Muholi, 1972 im Township Umlazi/Durban geboren, ist ausgebildete Fotografin sowie Aktivistin für Frauenrechte und gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Ihre Foto-Kunstwerke präsentieren den Körper schwarzer Frauen, insbesondere deren Intimität. Im konservativen Südafrika stößt dieser offene Umgang mit dem weiblichen Körper nicht immer auf Gegenliebe.  Als im März 2010 die südafrikanische Kulturministerin Lulu Xingwana eine Ausstellung mehrerer schwarzer Künstlerinnen in Johannesburg eröffnen sollte, jedoch diese die Fotos von Zanele Muholi zu Gesicht bekam, denunzierte die Ministerin ihre Kunst als „unmoralisch, pornografisch und entgegen eines nationalen Zusammenwachsens“ und verließ daraufhin empört die Ausstellung. Nicht desto trotz erhält Zanele Muholi, welche in einer lesbischen Beziehungen lebt, seitens der internationalen Kunstszene viel Zuspruch, Respekt und Auszeichnungen. Das Südafrika-Portal freut sich umso mehr, diese interessante „Power-Frau“, die keinen Blatt vor den Mund nimmt, interviewen zu dürfen.

2010sdafrika-Redaktion: Zanele Muholi, wir freuen uns Sie auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ begrüßen zu dürfen! Die Mehrheit der südafrikanischen Gesellschaft, vor allem Männer, verabscheuen Homosexualität. In Deutschland ist diese aggressive Atmosphäre gegenüber diesen Bürgern ebenfalls existent. Ich habe von Ihrer lesbischen Beziehung erfahren. Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie und Ihre Partnerin bereits machen müssen?

Antwort:Es sind nicht nur Männer, die mit der Homosexualität Schwierigkeiten haben, sondern auch die Frauen. Wir können nicht sagen, dass das Problem der Homosexualität einer patriarchalischen Natur unterliegt – es geht vielmehr um die Tatsache, dass unsere Gesellschaft nach heterosexuellen Wertmaßstäben ausgerichtet ist. Ja, Männer sind diejenigen, die Lesben zwecks „Heilung“ zu einer „richtigen“ Frau vergewaltigen. Mir sind aber auch Fälle bekannt, wonach Familienangehörige – gerade Mütter – Männer zur Vergewaltigung ihrer lesbischen Tochter bitten, damit diese zu einer sauberen „Afrikanischen“ Frau rückgängig gemacht wird; gemeint ist hierbei eine Frau die heiratet und ein Kind gebärt. Das ist der Zustand, in welcher das Patriarchat und die Heterosexualität sich überkreuzen und eine falsche Auffassung darüber erzeugen, wonach nur heterosexuelle Frauen heiraten und Kinder zur Welt bringen können. Aber es gibt in meiner Gemeinschaft so viele lesbische Mütter, deren Kinder unter den verschiedensten Umständen gezeugt wurden.

Ich persönlich musste vor vielen Jahren zuvor ein aus Hass begangenes Verbrechen erfahren, als die Mutter meiner Partnerin mich aufgrund meiner lesbischen Ausrichtung geschlagen hatte. Sie beschuldigte mich ihre Tochter zu „solchen Dingen“ zu beeinflussen und beschimpfte mich als „Perversling“.

So habe ich die Homophobie begreifen und diesbezügliche Erfahrungen mit der Mutter meiner Ex-Freundin machen müssen. Aber andererseits habe ich niemals eine schlimme homofeindliche Erfahrung in meiner eigenen Familie, als auch bei meinen Freunden gemacht.

© Fotografie: Musa Ngubane and Mabongi Ndlovu, Johannesburg

Meine geliebte Mutter Bester Ziqubu Muholi, die am 27. September 2009 von uns ging, betrachtete alle meine Partnerinnen als ein Bestandteil ihrer Familie. Sie lehrte uns jeden zu lieben und zu akzeptieren. Meine Ex-Partnerinnen sind weiterhin bei uns zu Hause seitens meiner Brüder und Schwestern willkommen, auch nachdem meine Mutter von uns gegangen ist, weil sie meiner Familie die Akzeptanz und den Respekt der Vertrautheit lehrte, als auch die Liebe zwischen mir und meinen Partnerinnen. Sie akzeptierte jede Einzelne nicht als meinen Freund oder meine Schwester, sondern als meine Partnerinnen.

Als Aktivistin, bin ich gerade als schwarze Lesbe in Südafrika diskriminiert worden. 2004 schrieb mir ein Dienstleister einen Brief und erklärte, dass er kein Projekt finden könne, welches mit verworrener Homosexualität zu tun hat. Der aktuellste Vorfall ereignete sich als die Ministerin für Kunst und Kultur, Lulu Xingwana, eine Gruppenausstellung unter dem Titel „Innovative Women“ anlässlich meiner Fotografien verlassen hatte, da Sie der Überzeugung ist, dass diese Bilder nackter Lesben „unmoralisch“ und gegen das „nationale Zusammenwachsen“ seien.

2010sdafrika-Redaktion: Wie geht die südafrikanische Regierung unter Jacob Zuma mit diesem Intoleranz-Problem um?

Antwort:2006 ist Jacob Zuma von einer jungen Frau, einer langjährigen Freundin der Familie, der Vergewaltigung beschuldigt worden. Die Frau ist in den Medien unter dem Namen Khwezi bekannt, allerdings ist das nicht ihr richtiger Name. Der Fall landete vor Gericht und Zuma wurde von den Anklagevorwürfen freigesprochen. Die junge Frau ist als Lesbe identifiziert worden und die alten sexisischen Geschichten über weibliche Opfer sexueller Übergriffe sind vor Gericht zwecks Verunglimpfung weitergeführt worden – sie wollte Sex; sie sei eine unbeständige Frau und die ältere Männer-Version wurde zur glaubwürdigen des ganzen Falles. Das ist nicht neu. Aber was am Fall so erschreckend ist, dass gleichwohl Männer und Frauen Khwezi mit heftigen Reaktion und Gefühlen begegnet haben. Täglich sindDemonstrationen zur Verurteilung ihrer Person abgehalten worden, wenn nicht gar zu ihrem Tod. Khwezi ist heute ausgewandert und fühlt sich bei einer Rückkehr nach Südafrika nicht mehr sicher. Wenn man in dieser Dynamik die Handlungen der Ministerin für Kunst und Kultur, Lulu Xingwana,  bewertet – welche eine Frauen-Ausstellung verlassen hatte, weil sie die Fotografien von nackten Lesben als „unmoralisch“ und gegen das „nationale Zusammenwachsen“ auffasste – dann würde ich sagen, dass das Zusammengehörigkeitsprojekt in Südafrika über die bloßen Rechte auf Papier hinausgehen sollte, als in unserer Verfassung von 1996 niedergelegt.

2010sdafrika-Redaktion: Sie sind eine Angehörige der Zulus, einer ethnischen Gruppe im Osten Südafrikas. Welche Charakteristika prägen Zulus im Vergleich zu anderen Gruppen?

Antwort: Die Sprache, traditionelle Gewohnheiten auch als „ilobolo“ – in der Sprache Sesotho mit „Mahadi“ – bezeichnet; manchmal mit „bride price“ (= Brautpreis) übersetzt, stellt einen traditionellen Brauch im südlichen Afrika dar, wo der Mann bei einem Heiratsantrag der Familie seiner Verlobten Geld zahlt.

Wir haben traditionelle Medizin, Tanz, Musik, Essen, Religion – so steht die Shembe Kirche in Verbindung mit einigen Mitgliedern unseres Stammes, traditioneller Bekleidung und Dekoration wie zum Beispiel Perlen und vielen anderen Elementen, welche Tag für Tag aufgrund der Modernität entschwinden; von vielen als Kultur empfunden.

2010sdafrika-Redaktion: Viele Südafrikaner beurteilen Sangomas – traditionelle Heiler – wichtiger als westliche Mediziner. Welcher Bedeutung würden Sie den Sangomas Ihrer eigenen Gesundheitsversorgung geben? Wissenschaftler und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen kritisieren Sangomas für das Vorantreiben von Vergewaltigungen an Jungfrauen, um auf diesem Wege eine vermeintliche HIV-Infektion heilen zu können. Was ist Ihre Sicht der Dinge?

Antwort: Es ist grob vereinfacht zu behaupten, dass alle Sangomas der verschiedenen ethnischen Traditionen und Kulturen in Südafrika ihre Heilpraxis auf selben Wege betreiben, genauso es allzu simpel ist anzumaßen, dass alle westlich-ausgebildeten Mediziner über  selbe Werte, Ethik, Behandlungen und Wissen verfügen. Viele Sangomas sind bestrebt mit westlicher Medizin zu arbeiten und westliches Wissen in ihrer traditionellen Heilbehandlung zu berücksichtigen, insbesondere bei HIV/AIDS. Aber dies bedeutet nicht, dass ich auch nicht westliche Medizin annehme, sofern es mir helfen kann. Vielleicht gibt es einige Sangomas die behaupten, dass Sex mit einer Jungfrau HIV heilen wird, was nicht wahr ist. Allerdings habe ich Achtung vor alternativer Medizin. 2008 führte ich Regie einer Dokumentation mit dem Titel „Isangoma: Urban Shaman„, eine Geschichte über eine weibliche traditionelle Heilerin, die im kosmopolitischen Toronto behandelt. Jedoch ist es auch eine Story, die ihre Wiederholung findet, wie eine urbane Legende. Niemand weiß mehr wo diese Lehre anfing oder wer damit angefangen hat. Ja, es gibt Männer die glauben diese sei wahr. Aber nochmals – solche Volksmärchen zielen darauf ab, eher durch das Volk als durch die meisten Sangomas verbreitet zu werden.

2010sdafrika-Redaktion: Ihre Ausstellungen und Kunstwerke sind in einigen Fällen wirklich provokant, wie das Projekt „Massa“ and Mina(h)“. Über was handelt dieses und was bedeutet „Massa“ and „Mina(h)“?

Antwort: Das Projekt basiert auf das Leben und die Geschichte meiner Mutter. Ich beziehe mich auf meine eigenen Erinnerungen und zolle gegenüber ihrer domestizierten Rolle als Arbeiterin für die gleiche Familie seit 42 Jahren Achtung. Die Reihe soll alle häuslichen Angestellten auf der Welt anerkennen, die weiterhin ihre Würde abquälen, zumal sie am Arbeitsplatz oftmals körperlicher, finanzieller und emotionaler Gewalt begegnen.

© Fotografie aus der Ausstellung ´Massa and Mina(h)´

In dieser Reihe wandelte ich meinen eigenen schwarzen Körper in einen Kunstgegenstand um. Ich ermöglichte verschiedenen Fotografen mein Erscheinungsbild nach meinen Vorstellungen einzufangen. Ich benutze Performativität [= Begriff der Sprechakttheorie] um die rassischen Angelegenheiten von weiblicher Häuslichkeit anzusprechen – schwarze Frauen betreiben die Hausarbeit von weißen Familien. In der Vergangenheit und bis heute hören wir über Geschichten von vergewaltigten schwarzen weiblichen Hausangestellten oder von jenen, die ein intimes Verhältnis mit dem weißen männlichen Massa haben. Aber betrachten wir es i.S.v. Queer und stellen uns vor, dass diese weißen Damen ihre schwarzen Zimmermädchen lieben würden, mit ihnen intim seien. Vielleicht weil sie als zwei verliebte Frauen einfach etwas gemeinsames teilen oder vielleicht ist es eine völlig sinnliche Beziehung, entweder basierend auf wechselseitigen erotischen Bedürfnissen oder auf ungleicher Macht und Arbeitsbeziehungen, die zwischen schwarzen Frauen und weißen Frauen existieren, sodass die weißen Damen, wie die weiße Massa, aus dieser Situation für sich einen Vorteil ziehen.

Wir wissen es nicht. Und es ist weiterhin ein Tabu darüber zu sprechen. Aber ich werde die Leute darüber zum Sprechen und auf Ethnie, Geschlecht und Sexualität im Kontext von Hausarbeit zum Hinsehen bringen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche künstlerischen Ideen bereiten Sie demnächst vor?

Antwort: Ich habe eine „new posed-photographic series“ gestartet, die auf gleichgeschlechtliche Polygamie mit dem vorläufigen Titel ‘Mbhekeni’ abzielt, was „Geschlechtsspezifisches Spektakel“ bedeutet. Die Meisten meiner Projekte sind laufende Arbeiten, sodass ich im Augenblick das fortsetze womit ich begann. Es könnte entweder „Faces & Phases„, „Being„, „Beulahs“ oder meine Blut-Kunstreihe sein, in welcher ich den Schmerz und Verlust von Freunden bzw. Liebhabern durch die vielen Formen von aus Hass begangenen Verbrechen – „heilende Vergewaltigungen“ und Morde – zum Ausdruck bringe.

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie schon in Deutschland? Wie würden Sie die deutsche Kultur beschreiben und welche intuitiven Gefühle verbinden Sie mit Deutschland?

Antwort: Ich weiß nicht viel über deutsche Kultur, sodass ich keine Behauptungen aufstellen möchte. Ich war ein paar Mal in Deutschland und nahm 2006 an der Konferenz „Black Autonomy„, ADEFRA (www.adefra.de), in Berlin teil. Ich werde dieses Jahr nochmal da sein und schwarze lesbische Athleten fotografieren und unterstützen, die 2010 an den „Cologne Gay Games“ [= ´Olympische Spiele´ für Schwule und Lesben] partizipieren werden.

2010sdafrika-Redaktion: Bereiten Sie in Deutschland stattfindende Ausstellungen vor?

Antwort: Ich werde in der Staatsgalerie Stuttgart in einigen Tagen – ’11 Friends‘ – Identity & Otherness – die am 30. Mai 2010 eröffnende Ausstellung präsentieren.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Träume würden Sie noch verwirklichen und welche sind bereits erreicht worden?

Antwort: Ich möchte, dass meine Kunstwerke veröffentlicht werden. 2006 hatte ich meine erste veröffentlichte Kollektion – „Only Half the Picture„. 2010 werde ich meine zweite Publikation unter dem Titel ´Faces & Phases´ bei Prestel veröffentlichen.

2010sdafrika-Redaktion: Zanele Muholi, haben Sie vielen Dank für dieses sehr interessante Gespräch!

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Das Interview wurde in Englisch geführt und ist ins Deutsche übersetzt worden. Für das Original-Gespräch in englischer Sprache bitte folgenden Link anklicken: https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/31/exklusive-interview-with-zanele-muholi/.

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Homepage der südafrikanischen Fotokünstlerin Zanele Muholi:

http://www.zanelemuholi.com/

Exklusive Interview with Zanele Muholi

Exklusive interview with the if possible most provoking artist of South Africa

(Editor: Ghassan Abid)

© Artist Zanele Muholi

In 1972, Zanele Muholi was born in township Umlazi/Durban. She is  skilled photograph as well activist for women´s rights  and homosexual  relationships. Her photography is presenting black women, especially their intimacy. In conservative South Africa meets this open exposure with the female body with much resistance. In March 2010 was planned, that the Minister of Arts and Culture, Lulu Xingwana, should open an exhibition of black female artists in Johannesburg, but as she had seen photos of Zanele Muholi, she denounced her art as „immoral, pornographic and against nation-building„. In consequence of this feelings she leaved angry this exhibition. However, Zanele Muholi, who is living in a lesbian relationship, is receiving by the international art scene much encouragement, respect and awards. Our South Africa web portal is pleased as much more to interview this „power woman“, who don´t to mince one´s words. Weiterlesen