Schlagwort-Archive: Zensur

Durban International Film Festival

Spielfilm „Of Good Report“ als Kinderpornografie? Festival endet nach Behördenzensur im Eklat

(2010sdafrika-Redaktion)

Vom 18. bis 28. Juli 2013 fand zum 34. Mal das „Durban International Film Festival (DIFF)“ statt. An acht Orten konnte sich die südafrikanische Öffentlichkeit nationale und internationale Produktionen anschauen. Gefördert wurde das Festival unter anderem durch die Deutsche Botschaft Pretoria und das Goethe Institut in Johannesburg. Doch die Festivalleitung sorgte mit einem entscheidenden Film in ihrem Programm für einen Eklat. Die Regierung zeigte sich empört und die Filmbranche dafür missverstanden. Das DIFF könnte auf Dauer das Nachsehen haben, da es auf staatliche Gelder angewiesen ist.

© Der Spielfilm „Of Good Report“ [Sequenz im Bild] soll nach Angaben der Medienzulassungsbehörde „Film and Publication Board (FPB)“ kinderpornografische Szenen enthalten. Der Eröffnungsfilm des Durban International Film Festivals (DIFF) durfte nicht ausgestrahlt werden. Ein Eklat, der auf Dauer das Festival belasten könnte.

© Der Spielfilm „Of Good Report“ [Sequenz im Bild] soll nach Angaben der Medienzulassungsbehörde „Film and Publication Board (FPB)“ kinderpornografische Szenen enthalten. Der Eröffnungsfilm des Durban International Film Festivals (DIFF) durfte nicht ausgestrahlt werden. Ein Eklat, der auf Dauer das Festival belasten könnte.

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Kap-Kolumne: „Der Speer“ wurde begraben

Südafrika zwischen Himmel und Erde. Der irdische Streit entweicht den Sternen; zumindest vorerst.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Der Speer wurde begraben. Die Saga um das Gemälde „The Spear“ – Der Speer – des Künstlers Brett Murray hat vorerst ein versöhnliches Ende gefunden. Der ANC zieht seine Klage vor Gericht zurück, die Galerie hängt das Gemälde ab und die Zeitung City Press löscht das Bild von ihrer Website. Die Fragen jedoch, die dieser Streit aufgeworfen hat, stehen weiter im Raum.
Die Chefredakteurin der Zeitung City Press, Ferial Haffajee, schreibt in einer sehr persönlichen Kolumne: „Der Speer ist abgelegt, aus Fürsorge und Furcht.“ (The spear is down, out of care and fear.) Sie wolle zur Heilung in der Gesellschaft beitragen, meint Haffajee, die Hitze aus einer zunehmend überhitzten gesellschaftlichen Atmosphäre herausnehmen und ihre Redakteure sowie die Zeitungsverkäufer auf der Straße schützen wollte. Freilich schwirren zig Fotodateien davon im Internet herum. Aber darum geht es nicht.

Tausende Südafrikaner folgten dem ANC und demonstrierten gegen die Zeitung City Press. Diese Presseeinrichtung gab nach und der ANC zeigte, dass er weiterhin viel Macht am Kap genießt. Der Speer-Fall hat sich längst zu einem Paradebeispiel dafür etabliert, dass die Medien im Umgang mit dem ANC die Konsequenzen bedenken sollten.

Was zunächst als eine scharfe Debatte um Kunstfreiheit versus persönliche Rechte daherkam, wandelte sich innerhalb einer Woche zu einer teils bitteren Auseinandersetzung um die Gefühle einer ganzen Nation. Mehrere tausend Menschen demonstrierten am Dienstag – dem Aufruf des ANC und seiner Verbündeten folgend – in unmittelbarer Nähe zur Goodman Gallery in Johannesburg. „Hier geht es nicht um Zuma“, sagt ein Teilnehmer der Zeitung Mail&Guardian, „hier geht es um kulturelle Unterschiede. Brett Murray hat das Recht zu sagen, was er will. Aber er sollte sich im Klaren darüber sein, wen er beleidigt. Es ist vollkommen falsch einen Ältesten mit heraushängenden Genitalien zu porträtieren. Wie würden Sie empfinden, wenn man Ihren Vater so malt?“ Der Streit hat gezeigt, wie wund die Gesellschaft noch ist, nur achtzehn Jahre nach dem Ende einer 350-jährigen Geschichte kolonialer Herrschaft mit den letzten vierzig Jahren eines gnadenlos rassistischen Gewaltregimes namens Apartheid. Dies ist eine Seite der Medaille.

Mit dem Aufruf zum Boykott der Zeitung City Press sowie mit der Demonstration zur Galerie haben die ANC-Führung und ihre Verbündeten gewiss einen Nerv getroffen und ihre Muskeln spielen lassen. Sie müssen sich aber nun die Frage gefallen lassen, ob sie hier nicht auch die Gunst der Stunde nutzen, um politisch zu punkten – und dabei ziemlich heftig überziehen. Es ist daher gar nicht ausgemacht, ob der „Speerkampf“ am Ende dem ANC-Präsidenten Jacob Zuma zu seiner Wiederwahl im Dezember in Mangaung beim nationalen Parteitag des ANC verhelfen wird, wie dies so mancher Kommentator spekuliert. Mangaung ist noch ein paar Monate hin, in dieser Zeit fließt viel Wasser den Orange River hinunter.

Griff nach den Sternen

Während die Menschen also ihre Wunden lecken, kam die aufregende Nachricht vom größten internationalen wissenschaftlichen Projekt der nächsten Jahrzehnte gerade recht. Südafrika, und damit der Kontinent, erhielt den Löwenanteil (70 Prozent) des Baus der gigantischen Teleskopanlage SKA (Square Kilometre Array). Südafrika teilt sich dieses Projekt mit Australien und Neuseeland. Das SKA wird in der Halbwüste Karroo gebaut und soll, wenn fertiggestellt, weiter ins Weltall hineinsehen könne könne, als jedes bisherige Großteleskop. Die Wissenschaft erwartet damit neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums.

© Südafrika erhält mit einem Anteil von 70 Prozent den Zuschlag für das SKA-Forschungsprojekt. In der Halbwüste Karroo ist der Bau dieser gigantischen Anlage vorgesehen. Australien und Neuseeland beteiligen sich ebenfalls am Projekt. Die Teleskopanlage soll noch tiefer ins Weltall blicken können. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums. (Quelle: Dr Nadeem Oozeer/ SKA South Africa)

© Südafrika erhält mit einem Anteil von 70 Prozent den Zuschlag für das SKA-Forschungsprojekt. In der Halbwüste Karroo ist der Bau dieser gigantischen Anlage vorgesehen. Australien und Neuseeland beteiligen sich ebenfalls am Projekt. Die Teleskopanlage soll noch tiefer ins Weltall blicken können. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums. (Quelle: Dr Nadeem Oozeer/ SKA South Africa)

In den Weiten des Weltalls mag der „Streit um den Speer“ zu Winzigkeit schrumpfen. Die in diesem Streit aufgeworfenen und die Gesellschaft spaltendnen Probleme werden die Menschen hinieden in Südafrika noch sehr lange beschäftigen.

Kap-Kolumne: Die Never-Ending-Story

Grotesker „Speer-Fall“: Bürgerkrieg verhindert, weinender Zuma-Anwalt und Bill Clinton als Vorbild

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Es ist verrückt! Der „Speer-Fall“ wird immer grotesker. Das Hohe Gericht von Süd-Gauteng hat die Anhörung der Klage heute auf unbestimmte Zeit vertagt. Grund: Der Anwalt des Klägers Jacob Zuma, Gcina Malindi, brach während der Befragung durch die drei Richter(innen) in Tränen aus. Man kann davon ausgehen, dass dies keine Show, sondern eine tiefe emotionale Regung war, berichtet City Press-Journalist Adriaan Basson: „It was raw, deep pain and emotion.“ Das Bild des Künstlers Brett Murray, aber auch der Umgang damit durch die Medien und durch die Politik, hat die Nation in tiefe Turbulenzen gestürzt.

© Das in Johannesburg angesiedelte Hohe Gericht von Süd-Gauteng, der South Gauteng High Court, wird zunehmend politisiert. Den drei Richtern droht eine auferzwungene Partizipation an einer parteipolitischen Debatte. (Quelle: Barsov/ Wikimedia)

© Das in Johannesburg angesiedelte Hohe Gericht von Süd-Gauteng, der South Gauteng High Court, wird zunehmend politisiert. Den drei Richtern droht eine auferzwungene Partizipation an einer parteipolitischen Debatte. (Quelle: Barsov/ Wikimedia)

Der Anwalt stimmte während der Befragung mit dem Richter überein, dass dies keine rassische Angelegenheit (racial issue) sei. Er vertrat jedoch die Ansicht, nur eine gebildete Elite sei in der Lage, derartige Kunst zu verstehen.

Barend La Grange, der Mann, der die beiden roten X über Gesicht und Genitalien gemalt hat, sagt, dass er einen „Bürgerkrieg“ verhindern wollte. Auch wenn das drastisch und übertrieben klingt, so ist doch ein Körnchen Wahrheit darin. Er wollte mit seiner Aktion gewissermaßen die Hitze aus der hoch emotionalen Auseinandersetzung herausnehmen.
La Grange sagt weiter, seine Aktion sei nicht Kunst, sondern eine Art Abstimmung, wie bei einer Wahl. Das X durchs Gesicht bedeute, er sei gegen den Kurs der Regierung, das X weiter unten sei sein Votum gegen ein „unsensibles“ Werk, das den Präsidenten des Landes verunglimpfe.

Mail & Guardian-Kolumnist Khaya Dlanga empfiehlt indessen seinem Präsidenten, sich an Bill Clinton ein Beispiel zu nehmen, der während seiner Lewinsky-Affäre dem Rat von Nelson Mandela gefolgt war und sich auf seine Arbeit konzentriert hat: „Personally, I don’t want my president to become a joke, but I do want my president to take a joke. I don’t want my president to be treated as a man without dignity, but I do want him to be dignified when he is treated without dignity. I don’t want my president to be overly sensitive, but I do want him to navigate around difficult issues with sensitivity and wisdom.
Mr. President, take the advice Nelson Mandela gave to Bill Clinton. Focus on the job at hand and ignore the distraction and create a legacy so great we can’t ignore.

Die wichtige Debatte – indessen, über die Gewichtung von verschiedenen Bürgerrechten in der Verfassung – soll mal wieder durch ein Gericht geregelt werden. Die Richter sind nicht zu beneiden. Eigentlich sollen sie Recht sprechen, müssen aber Politik machen.

Und auch das ist ein Ergebnis dieses grotesken Falles. Der ANC hat das Ereignis geschickt aufgegriffen und bei seiner Wählerschaft gepunktet. Vor allem der Präsident wird gestärkt daraus hervorgehen, was ihm beim nächsten Bundesparteitag des ANC in Mangaung zugute kommen wird.

Kap Kolumne: Was darf Satire?

https://2010sdafrika.wordpress.com/2012/05/21/kap-kolumne-was-darf-satire/

Kap-Kolumne: Kunst in Aktion oder Vandalismus?

https://2010sdafrika.wordpress.com/2012/05/22/kap-kolumne-kunst-in-aktion-oder-vandalismus/

Kap-Kolumne: Kunst in Aktion oder Vandalismus?

Follow-Up: Gericht vertagt „Der Speer-Fall“ und somit die Bewertung der Kunstfreiheit in Südafrika.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

War das Vandalismus oder Aktionskunst? Zwei Galerie-Besucher – angeblich ein Universitätsprofessor und ein Teenager – überschmierten das umstrittene Gemälde des Brett Murray in der Goodman Gallery in Johannesburg mit roter und schwarzer Farbe. Die dem derzeitigen Präsidenten Südafrikas ähnlichen Gesichtszüge und das gemalte Geschlechtsteil sind somit vorerst abgedeckt.

Eklat! Zwei Galerie-Besucher zerstören in der Goodman Gallery in Johannesburg das Gemälde „The Spear“.  Während der ANC das Werk des Künstlers Brett Murray als „rassistisch“ einstufte, vertagte das Gericht am heutigen Tage die weitere juristische Auseinandersetzung zur Bewertung der Kunst- und Meinungsfreiheit am Kap.

Die Klage gegen die Galerie und den Künstler bleibt bestehen, sagte ein ANC-Sprecher nach dem Vorfall. Das Hohe Gericht von Süd-Gauteng vertagte indessen die Anhörung zur Sache auf Donnerstag. Wegen der „nationalen Bedeutung“ der Auseinandersetzung verlangte der Vorsitzende Richter ein volles Gericht mit drei Richtern.

Die Aktion in der Galerie ist vorläufiger Höhepunkt einer rasanten Entwicklung um die Ausstellung „Hail to the Thief II“ des Künstlers Murray seit Freitag vergangener Woche. Als unwürdigen Zirkus bezeichnete der Journalist und Kunstkritiker Matthew Partridge in der Zeitung Mail & Guardian den Umgang der Medien mit dem Gemälde. Partridge spielte damit auch auf die Posen von Kollegen an, die mit ihren Händen am inkriminierten Teil des Bildes herummachten und sich dabei abbilden ließen. Das Bild selber wertere der Kunstkritiker als pubertäre Satire von der Güte eines Schuljungen, der den Rektor ärgern will.

ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe bezeichnete das Bild als „rassistisch“. In afrikanischen Sprachen ist der verbale Ausdruck für Geschlechtsteile die schlimmste Beschimpfung und Beleidigung, die man einer Person zufügen kann. Werde jemand mit einem solchen Wort beschimpft, „bedeutet das Krieg“, brachte es Blade Nzimande auf den Punkt. Nzimande, Chef der mit dem ANC verbündeten Kommunistenpartei SACP, meinte manche Leute wüßten offenbar nicht, „in welcher Welt wir leben“.

In der Tat, in diesem Land treffen „erste“ und „dritte“ Welt unter einem Dach aufeinander. Diese Auseinandersetzung im gesellschaftlichen Überbau spiegelt deutlich die Widersprüche der südafrikanischen Gesellschaft wider. Was Kolonialismus und Apartheid mit Hilfe von Rassenideologie und brutalster Gewalt über 300 Jahre lang zu trennen und unterdrücken versuchte, muss nun zusammenfinden. Südafrika wird sich noch sehr viel Zeit geben müssen.

Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, wie die Richter in dieser Sache entscheiden werden. Sie haben die salomonische Aufgabe, die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Meinung und der Kunst mit dem Schutz der Menschenrechte und der kulturellen Identität eines jeden Bürgers in Einklang zu bringen.

Kap-Kolumne: Was darf Satire?

Gemälde „Der Speer“ entzweit Südafrika. Regierung verklagt Galerie und Zeitung.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Es ist wie beim Fußball, wenn zweiundzwanzig Spieler auf dem Rasen kicken und eine Million Trainer und Schiedsrichter vor der Mattscheibe sitzen. So wurde Südafrika über Nacht eine Nation von Kunstkritikern. Zustande gebracht hat das ein satirisches Gemälde des Kapstädter Künstlers Brett Murray. Es zeigt einen in Lenin-Pose stehenden Mann, dessen Penis deutlich sichtbar aus der Hose hängt. Das Problem: Der Mann trägt die Gesichtszüge des Präsidenten der Republik.

Der Titel des Werkes lautet „The Spear“; zu Deutsch: „Der Speer“. Das Bild, Teil einer Ausstellung des Künstlers in der Goodman Gallery in Johannesburg, wäre wahrscheinlich von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt nach Deutschland gewandert. Ein deutsches Ehepaar hat es für 136.800 Rand gekauft – wenn, ja wenn die Medien und der ANC es nicht an die große Glocke gehängt hätten. Am Dienstag wird ein Gericht entscheiden müssen, ob die Galerie das Bild abhängen muss oder nicht. Zuma und der ANC klagen gegen die Galerie und die Zeitung City Press, die das Bild auf ihrer Website abgebildet haben. Die Zeitung widmete zudem in ihrer Sonntagsausgabe neben dem Aufmacher auf Seite eins zwei volle Innenseiten der „Großen Speer-Debatte“ (The Great Spear Debate).

Das Gemälde „The Spear“ des Kapstädter Künstlers  Brett Murray schockiert Präsident Jacob Zuma. Es laufen nun Klagen gegen die Johannesburger Goodman Gallery und die Zeitung City Press. Mehrere südafrikanische Medien haben bereits auf eine Abbildung des Geschlechtsorgans verzichtet.

Das Murray-Gemälde hat die Nation gespalten. Die einen sagen, hier werde die Würde des Präsidentenamtes besudelt sowie die Menschenwürde der Person Jacob Zuma verletzt. Zuma selber erklärte, er sei schockiert und fühle sich persönlich beleidigt und verletzt. Gugu Zuma, eine seiner Töchter, gab im Namen der Großfamilie eine schneidende Stellungnahme zur Unterstützung des Vaters ab. Ebenso stellten sich Kabinettsmitglieder an die Seite ihres Regierungschefs.

Auf der anderen Seite pochen Künstler, Journalisten, Kommentatoren, Akademiker auf die in der Verfassung garantierte Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst. Galerie-Chefin Lisa Essers lehnte die Aufforderung der Regierung, das Bild sofort abzuhängen, als versuchte Zensur ab.

Über Geschmack läßt sich bekanntlich schlecht streiten. Ob das Gemälde nun „künstlerisch wertvoll“ ist oder nicht, dieses Urteil überlasse ich gern berufeneren Menschen. Das Werk spielt auf den lustvollen Lebensstil des Jacob Zuma an und bringt natürlich mit dem Namen des Bildes noch eine weitere Konnotation hinein: „Der Speer der Nation“ war der militärische Flügel des ANC während des Befreiungskampfes. Das trifft einen sehr sensiblen Nerv in der Mitgliedschaft des ANC.

Eines hat Brett Murray mit seinem provokatorischen Werk erreicht: Sich und seine Kunst bekannt zu machen sowie eine öffentliche Diskussion über Freiheit der Kunst und der Satire.

Kurt Tucholsky schrieb den berühmten Satz: „Was darf Satire? Alles!“ Ob das Gericht dies auch so sehen wird, bleibt abzuwarten. Das Delikt der „Majestätsbeleidigung“, freilich, gibt es nicht in einem demokratisch verfassten Staat.

2010sdafrika-Interview mit dem provokanten Karikaturisten Zapiro:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2012/02/25/zapiro-im-exklusiv-interview/

Journalisten zum Abschuss freigegeben

ANC schafft ein großes Stück Demokratie ab

(Autor: Ghassan Abid)

In dieser Woche hat das südafrikanische Parlament dem sog. „Protection of State Information Bill“ zugestimmt. Mit den Stimmen der Abgeordneten von der Regierungspartei ANC kann die Veröffentlichung von als vertraulich eingestuften Dokumenten grundsätzlich unter Strafe gestellt werden. 229 Abgeordnete stimmten dem Einschnitt der Pressefreiheit zu, während sich 107 Parlamentarier dem nicht anschlossen. 35 weitere Volksvertreter erschienen erst gar nicht zur Sitzung. Insgesamt gehören der National Assembly rund 400 Mitglieder an.

© Regierung in Pretoria baut Demokratie ab; Journalisten im Visier des ANC

Dies bedeutet, dass sich Journalisten beim Publizieren von Geheimakten nach Kapitel 11 des Gesetzes strafbar machen, auch wenn diese Fälle wie Korruption, Misswirtschaft oder Steuerverschwendung aufdecken würden. Allein für den Empfang von Dokumenten mit der Geheimhaltungsstufe „Streng Geheim“ drohen beispielsweise nach Kapitel 11 Absatz 37 des Protection Bill bis zu 25 Jahre Haft.

Die größte Oppositionspartei, die Democratic Alliance (DA) unter der Parteivorsitzenden Helen Zille, hält den Tag der Abstimmung vom 22. November 2011 als einen „schwarzen Tag“ fest, welcher historisch betrachtet eines Tages als negativer Wendepunkt in die Geschichte des Landes eingehen wird. Nach Ansicht der DA liegt eine Zensurpolitik vor, welche zuletzt zu Apartheidszeiten existierte. Vor allem Journalistenverbände und große Teile der Zivilgesellschaft sehen sich in ihren Freiheitsrechten verletzt. Die Chefredakteure der größten Medien des Landes sprachen sich bereits in der Vergangenheit mit einem Offenen Brief gegen die Pläne der Regierung aus.

Zwar ist der Gesetzesentwurf seit dem März 2010 mehrfach geändert worden, doch bleibt der Wesensgehalt im Grunde genommen unverändert. Human Rights Watch (HRW) zeigt sich darüber enttäuscht, dass die Regierung von Jacob Zuma die Bedenken der Bevölkerung nicht ausreichend berücksichtigt hat. Denn dieser müsste noch umfangreich geändert werden, so HRW. Auch die Konrad-Adenauer-Stiftung hält in ihrem Länderbericht vom 23.11.2011 fest, dass die Pressefreiheit auf diesem Wege massiv eingeschränkt wird.

Nun muss noch die Länderkammer Südafrikas, der National Council of Provinces (NCOP) dem Protection of State Information Bill zustimmen, doch dessen positive Entscheidung wird von politischen Analysten nicht bezweifelt, da diese Kammer ebenfalls vom ANC dominiert ist. Journalistenverbände und Gewerkschaften befürchten nun einen Rückschritt in der Demokratisierung Südafrikas.

„SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ widmete sich bereits in der Vergangenheit dieser Materie und besprach diese Policy mit Pro- und Kontra-Anhängern. Die freie Südafrika-Redakteurin der taz, Elena Beis, bewertet die Lage als „sehr beunruhigend„. „Schon die Idee, in einer Demokratie, ein Gesetz vorzuschlagen, das vorsieht, dass Journalisten, die „sensible Informationen“ veröffentlichen (wobei Politiker willkürlich selbst festlegen können, was „sensibel“ ist), mit bis zu 25 Jahren Haft bestraft werden, finde ich absurd – geschweige denn, tatsächlich darüber im Parlament zu beraten.„, so die Journalistin und Buchautorin. ANC-Funktionär Theunisen Andrews hingegen bewertet das Gesetz als positiv, da die Medien bewusst falsche Informationen veröffentlicht hätten, um den African National Congress in Misskredit zu bringen.

Fakt ist, dass dem investigativem Journalismus nun harte Zeiten bevorstehen. Der für den Geheimdienst Secret Service Agency (SSA) zuständige Minister, Siyabonga Cwele, hat das Gesetz bereits begrüßt.

Präsident Südafrikas muss zittern

Ergebnisse zu Kommunalwahlen 2011 mit großer Spannung erwartet

(Autor: Ghassan Abid)

In Südafrika begannen mit der Wählerregistrierung am 18. Mai 2011 die Kommunal- und Regionalwahlen 2011. Die diesjährigen Wahlen werden der erste wichtige Stimmungstest für die Regierung von Jacob Zuma und seiner Partei African National Congress (ANC) sein. Denn die Bevölkerungsmehrheit im Lande ist äußerst unzufrieden mit ihren Repräsentanten.

© ANC vs. DA (Quelle: Wikimedia/ Collage durch 2010sdafrika-Redaktion)

Rund 17 Jahre nach dem Ende der Apartheid leben Millionen von Südafrikanern weiterhin in Blechhütten. In den Townships ist vielerorts kein Zugang zu Wasser, Strom, Telefon oder Internet vorhanden. Nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) würden 28 Prozent der Haushalte keinen Strom- und rund 5 Prozent keinen Wasserzugang besitzen. Das durch die Armut verursachte Leid erübrigt sein weiteres. Demnach lebten im Jahre 2009 rund 70 Prozent aller Kinder nach einer Studie des „South African Institute of Race Relations“ in ärmlichen Verhältnissen. Außerdem fehlt es weiterhin an Arbeitsplätzen, einer zuverlässigen lokalen Staatsverwaltung und Wohnungen. Positiv zu bewerten ist, dass die Regierungspartei ANC bislang 2,6 Millionen Häuser zur Verfügung stellen konnte.

Dennoch bevorzugen grundsätzlich viele Südafrikaner mit schwarzer Hautfarbe ihre Stimme dem ANC zu erteilen, der Partei des Nationalhelden Nelson Mandela. Doch der Unmut wächst mit jedem weiteren Tag. Von den positiven Effekten der WM ist entgegen der einstigen Regierungsmeldungen nichts (mehr) zu spüren, betonen viele Townshipbewohner. Die demokratischen Errungenschaften seit 1994 lassen für die Mehrheit der Gesellschaft immer noch auf sich warten. Stattdessen plant die Regierung die Regulierung der Berichterstattung und führende Persönlichkeiten der Politik verlieren sich in Skandalen sowie ANC-internen Machtkämpfen.

Bisweilen regiert der ANC in acht von neun Provinzen im Lande. Die größte Oppositionspartei Democratic Alliance (DA), unter der Führung der deutschstämmigen Vorsitzenden Helen Zille, lenkt eigenständig die politischen Geschicke am Westkap mit Kapstadt als Provinzhauptstadt. Vor allem Weiße und Farbige vertrauen sich dieser liberalen Parei an. Doch die DA wird zunehmend zum Sprachrohr jener Südafrikaner, die mit der Politik des ANC abgeschlossen haben – einbegriffen insbesondere Schwarze. Politische Beobachter wie Glenn Ashton vom renommierten Johannesburger Think Tank „SACSIS“ erwarten allerdings keinen großen Unterschied hinsichtlich der Leistungserbringung zwischen DA und ANC. Die Wählerenttäuschung dürfte dieser Annahme nach in den nächsten Jahren zunehmen.

Klar ist, dass der ANC bei den Kommunal- und Regionalwahlen 2011 trotz der zu erkennenden Stimmenverlusten die stärkste Partei bleiben wird. Das endgültige Wahlergebnis wird am Wochenende bekannt gegeben.